Jobs-Biografie: ein Genie mit dunkler Seite

Die Geschichte ist größer als die meisten Romanvorlagen: das Leben und Leiden von Steve Jobs – legendär in seinem Triumph, unfassbar tragisch in seinem Ende. Nils Jacobsen hat sich die Biographie aus der Feder von Walter Isaacson vorgenommen. Eine Rezension.

Die unglaubliche Geschichte des Steve Jobs ist unzählige Male erzählt worden – nur nicht von ihm. Dabei lieferte Jobs den Gesprächsstoff gern selbst. Seine Auftritte wie bei der Präsentation des Macintosh 1984 glichen dem eines Popstars. In den Tagen von Michael Jackson, Prince und Madonna sah sich das Super-Ego in einer Reihe mit ihnen. Mehr als ein Jahrzehnt später, in seiner zweiten Amtszeit als Apple-CEO, war Steve Jobs’ öffentlicher Auftritt ein anderer: der eines gereiften Veteranen. Jobs’ Keynotes waren geschliffener als jede Regierungserklärung.

Biograf Isaacson: Komplize von Jobs’ Lebensbeichte
Jobs wählte für seine Biographie den früheren CNN-Chef Walter Isaacson aus, den er seit Jahrzehnten persönlich kannte. Für den drei Jahre älteren, früheren Times-Chefredakteur war das Auszeichnung und Bürde zugleich. Isaacson hat bereits Bücher über Henry Kissinger, Albert Einstein und US-Gründungsvater Benjamin Franklin geschrieben, aber Steve Jobs’ Biografie ist wohl eine der begehrtesten unerzählten Lebensgeschichten der Welt.

Die Facetten sind klar abgesteckt: Neben dem Genie, “dem größter Unternehmer aller Zeiten” (James Cramer), gibt es die dunkle Seite von Steve Jobs, den Despoten, der Mitarbeiter demütigte und seiner eigenen Tochter über Jahre Unterhaltungszahlungen verweigert hat. Jobs wollte von Isaacson gar keine Hofberichterstattung – er werde das Buch vielleicht in 6 oder 12 Monaten lesen, “wenn ich dann noch da bin”, erklärte der geschwächte Apple-Gründer nach seinem Rücktritt als Vorstand vom Krankenbett aus. Es sollte ihr letztes Treffen werden.

Längst hatte sich der Schleier des nahenden Todes über das große Projekt gelegt. Es ist daher klar, dass von Isaacson nicht die Distanz zu erwarten ist, wie es bei der Biografie einer historischen Person der Fall wäre. Mit Annahme des Auftrags wurde der heutige Vorstand des Aspen Instituts gleichfalls zum Komplizen von Jobs’ Lebensbeichte – was die 656-seitige Lektüre nicht weniger faszinierend und lesenswert macht.

Die größte Fehlentscheidung seines Lebens: die späte Krebsoperation
Isaacson hat viel zu erzählen. Er wartet mit unzähligen verblüffenden Details aus Jobs’ Leben auf, die so nicht bekannt waren und in den letzten Tagen schon vereinzelt kolportiert wurden: Da ist etwa der junge Steve Jobs, der gerne Schabernack treibt und Fahrradschlösser austauscht oder Bill Hewlett nach Ersatzteilen fragt und dann einen Sommerjob angeboten bekommt; da ist das Ekelpaket, dem ein 5-Sternehotel in London nicht gut genug ist oder Mitarbeitern der ersten Stunde keine Aktienoptionen gewähren wollte. Und dann ist da der reumütige Jobs, der sich am Krankenbett mit seiner unehelichen Tochter Lisa aussöhnt.

In einer der enthüllendsten Passagen spricht Jobs über die wohl größte Fehlentscheidung seines Lebens – die neunmonatige alternative Therapie nach der Bauspeicheldrüsenkrebs-Diagnose 2003. “Ich wollte nicht, dass mein Körper auf so brutale Weise aufgeschnitten wird”, erklärte Jobs die Abwehr gegen den Eingriff. Der Tumor war gutartig, Ärzte und seine Frau Laurene drängten ihn dennoch zur Entwerfung. Als sich Jobs schließlich im Juli 2004 zur Operation entschließt, ist es vermutlich zu spät: Der Tumor ist gewachsen – und hatte gestreut.

Ein langer Kampf: Der Krebs kehrt 2008 zurück

Selbst 2005, als sich Jobs in der viel zitierten Stanford-Rede über den Berg wähnt und hofft, er werde dem Tod über Jahrzehnte nicht nahe kommen, war die Sorge doch sein ständiger Begleiter. Jobs musste sich nach der Operation einer Chemotherapie unterziehen wird über Jahre mit Medikamenten eingestellt.

Doch 2008, auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit der Einführung des iPhones, kehrt der Krebs zurück. Jobs findet die Spenderleber, kommt noch mal zurück und führt sein drittes Leben. Er wird im September  2009 zur iPod-Präsentation begeistert empfangen und spricht von der Transplantation, Organspenden, und wie viel Glück er hatte. Was Jobs verschweigt: Dass der Kampf weiter geht. Es folgte ein jahrelanger Kampf, der er schlussendlich verlor.

“Ich hatte ein glückliches Leben”
Seinen Karrierehöhepunkt mit iPhone und iPad, mehr, immer mehr hat Jobs vor dem Hintergrund eines möglichen baldigen Todes erreicht – wie unwirklich erscheint dieser Schlussakt in der Retrospektive. “Ich hatte eine glückliche Karriere, ich hatte ein glückliches Leben”, bilanziert Jobs am Krankenbett, “ich habe alles getan, was ich konnte.”

Am Ende klingt Jobs dann ganz wie aus einem Hemingway-Roman. “Du hast viel Glück gehabt”, resümiert auch der Held Robert Jordan am Ende von “Wem die Stunde schlägt”: “Wer hat es leichter? Der, der an Gott glaubt, oder der, der es einfach hinnimmt?” Dieselben Gedanken treiben Jobs zuletzt um: “Ich glaube zu 50:50 an Gott. Ich mag den Gedanken, dass etwas überlebt, wenn man stirbt, vielleicht das Bewusstsein. Aber, vielleicht ist es doch so wie beim An-und Aus-Schalter. Klick! Und Du bist weg. Vielleicht ist das der Grund, warum ich sie nie an Apple-Geräten haben wollte.”

Interessiert? Die komplette Rezension können Sie auf Meedia, Deutschlands größtem Medienportal, im Blog von Nils Jacobsen nachlesen.

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