Jobs' Abschied schafft Klarheit

Steve JobsUm kurz nach Mitternacht unserer Zeit kam die Nachricht, dass Steve Jobs als Apple-Chef zurücktritt. In einem offenen Brief hatte der 56-Jährige erklärt, dass er “nicht länger die Aufgaben und Erwartungen als CEO von Apple erfüllen kann”. Die nachdenklich stimmenden Zeilen markieren das Ende einer Ära, schaffen aber Klarheit in der Nachfolgeregelung. 

Steve Jobs tritt als Apple-Chef zurück. Diese Zeile sagt alles. Sie ist ein Schock für das Unternehmen und trifft jeden, der halbwegs über die Verbundenheit der Person mit dem Computerhersteller informiert ist. Jobs hatte Apple 1976 gegründet und – nachdem er 1985 vom Hof gejagt wurde – 1997 die Firma erneut übernommen. Ihm ist es zu verdanken, dass Apple in den vergangenen Jahren zu einem Innovationsführer wurde, der seit Monaten mit dem Ölmulti Exxon um den Titel „wertvollstes Unternehmen der Welt“ wetteifert.

Überraschend kommt die Nachricht nicht. Seit 2004 kämpft Jobs gegen den Krebs, und der 56-Jährige lebt seit 2009 mit einer fremden Leber. Bereits zu Jahresbeginn hatte sich Jobs eine Auszeit gegönnt und die Leitung vorübergehend an COO Tim Cook übergeben. Zeitweise wurde über seinen Gesundheitszustand ähnlich intensiv spekuliert wie über neue Gerüchte zu Apple-Produkten.

Wie emotional das Thema gehandelt wird, wurde noch in der Nacht deutlich. Der Inhalt des offenen Briefs ließ den Aktienkurs in der Nacht um sechs Prozentpunkte einbrechen, die ersten Medienberichte lesen sich wie Nachrufe auf Mann und Firma. Das ist verständlich, aber übertrieben. Jobs lebt und behält einen Posten im Verwaltungsrat. Apple ist in einem Zustand, der mit den Krisenjahren in den 90ern nicht vergleichbar ist. Für viele ist Jobs ein Gott, aber zu glauben, eine Firma mit den besten Managern, Technikern und Designern der Welt sowie über 45.000 Mitarbeitern weltweit und einem Barvermögen von 70 Milliarden US-Dollar könne ohne ihn nicht mehr gut weiterarbeiten, ist ebenso vermessen.

Großaktionäre forderten seit Monaten Klarheit

Jobs Abschied vom Chefposten hinterlässt keine Lücke, sondern schafft Klarheit, die die Großaktionäre schon seit Monaten gefordert haben. Tim Cook, der ihm als CEO nachfolgen soll und in seiner Abwesenheit bereits vertreten hatte, genießt das volle Vertrauen des Firmengründers. Der 50-Jährige gilt als Workaholic und fitnessbesessen. Seine Rolle als Interims-CEO hatte Apple 2010 mit Boni in Höhe von 22 Millionen US-Dollar gewürdigt. Produktentwicklungen wie das iPhone 5 oder das iPad 3, die Apple in das kommende Jahr führen werden, sind abgeschlossen. Um das Unternehmen Apple muss man sich keine Sorgen machen.

Die Sorgen gelten Steve Jobs, dessen offener Brief sich nicht nur wie ein Abschied vom Unternehmen, sondern wie ein Abschied vom Leben liest. Das ist nicht übertrieben, denn Apple ist sein Leben. Ein gelebter Traum, den Jobs offensichtlich – auch wenn nicht explizit genannt – aus gesundheitlichen Gründen so nicht mehr weiterführen kann. Sein Schicksal macht einmal mehr deutlich, wie machtlos wir vor schweren Krankheiten kapitulieren müssen, selbst wenn wir alle Möglichkeiten der Welt haben.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sein Rückzug nicht als Hinweis auf eine Verschlechterung seines Gesundheitszustand zu sehen ist. Den guten Wünschen aus aller Welt und dem Dank schließen wir uns gerne an.

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