Jahresrückblick: Mindestlohn, Road Genius und Apple Watch [Teil 1]

2015 ist in wenigen Tagen Geschichte. In einem dreiteiligen Jahresrückblick erinnern wir noch einmal an die Höhepunkte des Jahres in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Ereignisse von Januar bis April.

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Januar: Mindestlohn und Consumer Electronics Show (CES)

Das Jahr 2015 beginnt mit einer historischen Neuerung am Arbeitsmarkt. Zum ersten Mal gilt seit dem 1. Januar in Deutschland ein flächendeckender allgemeiner Mindestlohn für Arbeitnehmer in Höhe von 8,50 Euro brutto je Arbeitsstunde. Kritiker befürchteten, dass sich die Regelung zum Jobkiller entwickeln würde. Die Arbeitsmarktstatistik spricht dagegen: Im Oktober hatten 400.000 Menschen mehr eine Arbeit als ein Jahr zuvor.

Vom 6. bis 9. Januar 2015 zog die Consumer Electronics Show wieder Geschäftskunden aus aller Welt nach Las Vegas. Die erste IT-Messe des Jahres ist traditionell Gradmesser für die Trends der kommenden Monate. Während im Vorfeld viel von Smart Home und Wearables die Rede war, rückte während der Messe vor allem die Automobilindustrie in den Fokus. Hierzulande besonders beachtet, weil alle vier großen deutschen Hersteller – Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen – in Las Vegas vertreten waren. Im Kern drehen sich die Entwicklungen um das automatisierte und selbststeuernde Auto.

Februar: Informationsweiterverwendungsgesetz (IWG) und mobiler Breitbandausbau

„Staatliche Informationen spielen als Triebkraft der Wirtschaft im Digitalzeitalter eine zentrale Rolle“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am 11. Februar zum Beschluss eines Gesetzentwurfs zur Änderung des Informationsweiterverwendungsgesetzes (IWG). „Karten und Satellitenbilder, statistische und Unternehmensdaten sowie Melde- und Patentregister bilden das Ausgangsmaterial für eine Vielzahl von Produkten und Diensten wie Navigationssystemen, Wettervorhersagen sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.“ Das IWG erlaube es, diese Daten von öffentlichen Stellen künftig weiterzuverwenden, ohne dass es dazu einer Entscheidung der öffentlichen Stelle bedarf. Das Gesetz tritt am 17. Juli in Kraft.

Ebenfalls am 11. Februar schuf die Bundesregierung die Voraussetzungen für den mobilen Breitbandausbau. Die 700-MHz-Frequenzen, die bisher für das DVB-T-Fernsehen genutzt wurden, stehen künftig für den Ausbau des mobilen Breitbands zur Verfügung. Die Frequenzen werden frei, weil der Rundfunk in Zukunft die modernere Übertragungstechnik DVB-T2 nutzen wird.

März: Mobile World Congress (MWC), CeBIT und digitale Infrastruktur

Anfang März ging mit dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona die zweite große Elektronikshow des Jahres über die Bühne. Im Fokus standen vor allem Innovationen für das Internet of Things. Aus Deutschland sorgte der Datenhandschuh Pro Glove für Aufsehen. Vor allem im produzierenden Gewerbe soll der mit mehreren Sensoren und einem Display bestückte Pro Glove für mehr Effizienz, Qualität, Informationen und Einfachheit sorgen. Zu den Sensoren zählen ein RFID-Chip um Informationen auszulesen, ein Temperaturfühler sowie ein Stromprüfer.

Die diesjährige CeBIT stand vom 16. bis 20. März unter dem Topthema D!conomy und rückte die rasante Digitalisierung aller Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in den Mittelpunkt. Gut 3300 Aussteller aus 70 Nationen präsentierten sich auf dem Messegelände in Hannover. Ein Höhepunkt: das Finale des Programmierwettbewerbs Codefest8, für das sich Teams mit Softwarelösungen zum Motto „Mobilität der Zukunft“ qualifizieren konnten. Die Karlsruher Marcel Engelmann, Karl Lorey, Michael Sbitnev und Tobias Weis überzeugten die Jury am meisten – und planen nun die Zukunft von Road Genius.

Das Bundeskabinett nutzte das Cebit-Umfeld und beschloss am 18. März ein milliardenschweres Paket für Zukunftsinvestitionen. Danach stehen in der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes für die Verkehrsinfrastruktur und die digitale Infrastruktur insgesamt sechs Milliarden Euro zusätzlich bereit. „Mit den zusätzlichen sechs Milliarden Euro werden wir unsere Netze weiter modernisieren, noch leistungsfähiger machen und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes steigern“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt.

April: Datenschutz in der Cloud, Industrie 4.0 und die Apple Watch

Bislang war für Unternehmen die Erfüllung datenschutzrechtlicher Vorgaben für die Cloud-Nutzung häufig nur mit hohem Aufwand erfüllbar. Am 13. April haben Datenschutzbehörden und Vertreter der Wirtschaft dieses zentrale Problem gelöst und im Rahmen des Pilotprojekts „Datenschutzzertifizierung für Cloud-Dienste“ erstmals gemeinsam Prüfstandards entwickelt, die alle datenschutzrechtlichen Vorgaben für die Auftragsdatenverarbeitung in der Cloud erfüllen.

Bei der Hannover-Messe im April ahnte noch niemand, mit welchen Schlagzeilen Volkswagen ein paar Monate später für Aufsehen sorgen würde. Selbstbewusst konzentrierten sich die Wolfsburger vom 13. bis 17. April auf die vernetzte Fertigung unter dem Begriff Industrie 4.0. Beim ihrem Messerundgang besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel auch das mittelständische Familienunternehmen Pilz aus Baden-Württemberg und ließ sich sichere Automatisierungstechniken vorstellen.

Der erste Teil des Jahresrückblicks endet am 24. April mit dem Verkaufsstart des wohl meistdiskutierten Gadgets der vergangenen Monate: die Apple Watch. Mit der Uhr rückte auch Apple in den Kreis der Smartwatch-Anbieter auf. Auch wenn die Firmenzentrale in Cupertino bislang keine offiziellen Verkaufszahlen veröffentlicht hat, kann man davon ausgehen, dass sich die Uhr besser verkauft als Computeruhren aller Anbieter zusammen. Allein für das Weihnachtsquartal rechnen Analysten mit bis zu sechs Millionen verkauften Exemplaren.

Weiter geht es in den kommenden Tagen mit Teil zwei und drei unseres Jahresrückblicks.

Zuerst erschienen auf techtag.de