iPhone 5: Warten auf den Bestseller – oder doch nicht?

Geleakter Prototyp des iPhone 5

Was dem Fußballfan die WM, ist dem Apple-Fan die viel diskutierte Keynote Mitte September. Dann soll es soweit sein: Tim Cook stellt die nächste iPhone-Generation aus Cupertino vor. Ein garantierter Erfolg muss es werden. Das verlangt die Aktie, die derzeit auf Rekordhöhe ist, aber auch die Öffentlichkeit. Seit dem Prozess gegen Samsung wächst der Unmut vieler Nutzer. Und die geleakten Komponenten lassen Zweifel aufkommen.

Tod oder Gladiolen: Das nächste iPhone muss einschlagen wie eine Bombe, so viel steht fest. Für Apple gibt es mit der sechsten Smartphone-Generation nur den Weg nach oben. Der Blick zurück beweist, dass der Konzern mit jeder Neueinführung auch einen neuen Verkaufsrekord einstellte. Deswegen blickt die ganze Welt Mitte September gen Cupertino.

Dann soll CEO Tim Cook, wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, die Bühne des Yerba Buena Centers in San Francisco betreten und das nächste iPhone-Zeitalter einläuten. Aber kann der Nachfolger von Steve Jobs wirklich noch überraschen? Mit Ausnahme des verlorenen Prototypen des iPhone 4 gab es vor der Präsentation eines Apple-Gadgets noch nie so viele Leaks.

Kann Cook noch überraschen?

Gehäuse, Bildschirm, Dock-Connector – allein die Masse an möglichen Bauteilen, die den Weg an die Öffentlichkeit fanden, lässt darauf schließen, dass es sich um Komponenten des iPhone 5 handeln wird. Damit hätten wir ein Gerät, das zwar eine Weiterentwicklung bedeutet – aber mehr auch nicht. Zumindest bekommt man den Eindruck auf Basis der kolportierten Informationen.

Ein 4 Zoll großes Display, ein Gehäuse aus Metall – kann das reichen, um die Massen auch dauerhaft an Apple als Smartphone-Hersteller zu binden? Wer bislang ein iPhone besaß, wird fraglos auch wieder zum iPhone greifen. Das hat mit Gewohnheit und Komfort zu tun. Warum soll man seinen digitalen Begleiter wechseln, wenn doch das Aufspielen eines Backups reicht?

Aber Apple braucht mehr als Bestandskunden – während man auf dem Tabletmarkt mit 17 Millionen verkauften Exemplaren im vergangenen Quartal dominiert, hat Samsung den Konzern aus Cupertino im Smartphone-Business längst abgehängt. Sieht man das Galaxy S3 und das vermeintliche iPhone 5 im Vergleich, dürften bei einigen Nutzern Zweifel aufkommen. So könnte das Smartphone aus Südkorea das Apple-Smartphone locker verschlingen.

“Größe ist nicht alles”, mag jetzt manch einer sagen. Das stimmt. Aber was ist mit der Technik? Schon jetzt wächst der Unmut darüber, dass Apple womöglich keinen NFC-Chip zum mobilen Bezahlen verbaut, wie etwa Google uns Samsung im Galaxy Nexus. Der Ärger war schon groß genug, als klar wurde, dass das neue iPad kein deutsches LTE unterstützt.

Unverständnis bei potenziellen Kunden

Und da wäre ja noch der Prozess gegen den Erzrivalen Samsung, der zwar gerichtlich zugunsten von Apple ausging. Doch in Gesprächen mit Menschen, die mit der Techszene nichts zu tun haben, aber dennoch ein Smartphone besitzen, offenbart sich ein anderer Blick auf die Dinge. Fast einhellig schlägt mir ein Kanon entgegen, der Apples Vorgehen verurteilt.

Fast einhellig ist man der Meinung, dass sich ein Rechteck mit runden Kanten nicht schützen lasse. Und fast ist man sich sicher, dass es Apple ums Geld ginge. Dass nichts davon stimmt, sei einmal dahingestellt. Auch auf Google+ stehen seit Wochen applefeindliche Karikaturen, Comics und Videos hoch im Kurs. Kurzum: Um Apples Image stand es schon mal besser.

Cook muss jetzt Sympathiepunkte sammeln – weg vom Klagegeist im medialen Rampenlicht. Hin zu einem Unternehmen, das uns zum Staunen bringt. Wie damals Anfang 2007, als Steve Jobs das Geheimnis um das erste iPhone lüftete.

Bitte, Apple, lüfte wieder ein Geheimnis und schlag die Konkurrenz mit Innovation! Die große Patentschlacht ist erfolgreich geschlagen, jetzt geht es wieder um die Gunst der Kunden. Die sollen das nächste iPhone in die Hand nehmen und nur drei Buchstaben aussprechen: “Wow”. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!