iPad mini, "Purple"-Phone, iCar: Was Apple im Streit mit Samsung über sich verrät

Der Prozess zwischen Apple und Samsung um Milliardenzahlungen läuft auf Hochtouren. Beide Parteien versuchen, die Geschworenen auf ihre Seite zu ziehen und dem Gegenüber pikante Details zu entlocken. So erfahren wir, dass Apple nicht per se vorhatte, ein iPhone zu bauen, dann aber mit riesigen Budgets dafür warb. Fünf unfreiwillige Apple-“Leaks” im Überblick.

Über eine Milliarde Dollar Marketingkosten

Wir alle erinnern und an die bekannten Werbespots und Plakatwände für iPhone und iPad. Was bislang nicht klar war, war die Höhe der Werbespendings. Wie Marketingchef Phil Schiller bekanntgeben musste, gab der Konzern bis Ende 2011 647 Millionen Dollar für Marketing aus. Allein für das iPhone. Zusätzlich 457,2 Millionen Dollar für das iPad. Macht alles in allem 1,1 Milliarden Dollar an Werbekosten. Immens, oder?

Apple betreibt Marktforschung

Bislang hieß es, dass Apple sich weder um die Konkurrenz noch um Marktforschung kümmern würde. Firmengründer Steve Jobs wird in seiner Biographie zitiert mit der Feststellung: “Hat Thomas Alva Edison etwa Marktforschung betrieben, bevor er die Glühbirne erfand?” Die Verhandlung förderte zutage, dass der Konzern aus Cupertino durchaus Kundenumfragen durchführt. Samsung möchte nun diese Daten veröffentlicht wissen.

Darüber hinaus musste Apple außerdem E-Mails preisgeben, die belegen, dass der Konzern intensiv die Konkurrenz beobachtet. Darin fragt ein Designer, ob man damals geleakte Informationen über ein Palm-Modell von Hewlett-Packard in Betracht ziehen müsste.

Das iPhone hieß einmal “Purple”

Zumindest war “Purple” der Deckname für das iPhone in der Entwicklungsphase. Das 2004 gestartete Projekt galt als streng geheim. Wer involviert war, wurde angehalten, nicht darüber zu sprechen, gab iOS-Chef Scott Forstall während seiner Aussage zu Protokoll. Vor einigen Räumen bei Apple, in denen am iPhone gearbeitet wurde, waren sogar Schilder aus dem US-Films “Fight Club” angebracht. Dort lautete die erste Regel: Man redet nicht über den Fight Club.

Steve Jobs änderte seine Meinung über ein Mini-iPad

Oft wird der Apple-Gründer zitiert mit seiner Ablehnung eines Siebenzöllers. Zu klein sei es, zu ungenau die Steuerung, ließ Jobs damals verlauten. Doch offenbar hatte er seine Meinung mit der Zeit geändert. Apples Vizepräsident Eddy Cue bekniete Jobs wohl über Monate und bat ihn mehrmals, eine kleinere Version des iPads zu erwägen. Aus einem während der Verhandlung veröffentlichten E-Mail-Verkehr zwischen den beiden ist zu entnehmen, dass Jobs offenbar gewillt war, über eine kleine Version des Apple-Tablets nachzudenken.

Ein iCar war angedacht

Mit iPhone und iPad ist Apple schon in vielen Autos vertreten. Hersteller stimmen ihre Bordcomputer auf die Gadgets aus Cupertino ab. Bevor man allerdings in den Smartphonemarkt einstieg, erwägte Apple offenbar auch die Entwicklung eines eigenen Autos oder einer Kamera, wie Marketingchef Schiller bekanntgeben musste. Man wollte sich neben dem Kernmarkt Computer breiter aufstellen.

Auch wenn Apple gute Chancen hat, den Prozess gegen die Koreaner zu gewinnen: Ist der Konzern weiterhin gezwungen, sensible Daten preiszugeben, kommt das einem Imageschaden gleich. Schließlich war der Konzern aus Cupertino bislang dafür bekannt, aus dem Nichts heraus mit revolutionären Produkten zu glänzen.

Die jüngst veröffentlichten Daten zeichnen ein anderes Bild von Apple. Von einem Unternehmen, das viel plant, investiert und die Konkurrenz mit Argusaugen beobachtet. Der Nimbus der kongenialen Kreativen, die sich abgeschottet von der Welt Gadgets ausdenken, die die Welt verändern, dürfte damit einen ordentlichen Knacks bekommen haben.

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