iPad mini im ersten Kurztest: Handschmeichler mit langem Atem

Nach einem Wochenende mit dem neuen Apple-Tablet will man den Siebenzöller gar nicht mehr aus der Hand geben – der Formfaktor ist perfekt. Nein wirklich, es ist die ideale Größe für ein Tablet und der perfekte Einstieg für Tablet-Neulige. Einen Wermutstropfen müssen nur eingefleischte iPad-Fans schlucken. Unser erster Kurztest.

Verarbeitung: Man mag uns Fanboy-Gehabe vorwerfen, aber mal ganz ehrlich: Die Verarbeitung des iPad minis ist top. Kein quietschendes Plastik, keine wackeligen Buttons (wie bei der Konkurrenz) – dafür eine winzige Kante auf der Vorderseite. “Was soll’s?” werden Sie jetzt eventuell sagen. “Dann ist da halt eine Kante.”

Aber diese winzige Designdetail macht enorm viel in der Benutzung aus. Denn genau auf dieser Kante halten Sie später das Gerät. Das iPad 4 etwa, aber auch die sieben Zoll großen Konkurrenten verfügen nicht darüber.

Im Alltag sorgt diese Kante dafür, dass die Haltung natürlich ist. Man ist nicht mehr gezwungen, so fest zuzupacken, um das Gerät zu halten. Und achten Sie einmal auf Ihre Hand: Der Daumen steht ungefähr im 45-Grad-Winkel zur Handfläche – genau wie die Kante des iPad mini.

Der Rest des Gehäuse ist appletypisch hochwertig – ein Mix aus Aluminium und Gorilla-Glas. Im Gegensatz zum großen Tablet-Bruder liegen der Stummschalt-Knopf und die Lautstärkeregler auf der rechten Seite.

Aus Usability-Sicht ist das iPad mini durch und durch gelungen: Durch das geringe Gewicht von 308 Gramm, den kleinen Formfaktor und die Designdetails wird die Hand auch nach langer Benutzung nicht müde. Beim großen iPad brauchte man nach einiger Zeit die Knie als Stütze, das ist beim iPad mini nicht nötig.

Geschwindigkeit: Im Innern des iPad mini werkelt ein A5 – das ist der Chipsatz, der auch im iPad 2 zum Einsatz kam. Er ist also drei Generation alt. Ist das iPad mini also eine lahme Gurke zum teuren Preis? Nein. Auch wenn die ersten Benchmarks noch auf sich warten lassen: Die Bedienung läuft flüssig. Auch beim Wechsel vom Vertikal- in den Horizontmodus ruckelt nichts. Apps starten zügig, dasselbe gilt fürs Browsen im Web.

Nochmal: Die kommenden Benchmarks werden zweifellos zeigen, dass andere Tablets derzeit schneller sind – allen voran das neue iPad 4 mit der doppelten Grafik- und Rechenpower des iPad 3.

Aber die Frage, die man sich als iPad-mini-Interessent jetzt stellt: Hole ich mir mit dem iPad mini ein schwaches Tablet? Und die klare Antwort ist: nein.

Bildqualität: Ja, das Display. Denkt man in diesen Tagen an das iPad, möchte man am liebsten aus Goethes Zauberlehrling zitieren: “Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los.” Es ist der Fluch des Retina-Displays – eines Marketingausdrucks, der keinerlei wissenschaftliche Grundlage hat.

Retina heißt einfach: Das Bild ist so scharf, dass ich keinen Pixel mehr erkenne. Wer also schon einmal ein iPad 3 oder das iPad 4 in den Händen hielt oder einen Blick auf das Retina-Macbook werfen konnte, der erkennt den Unterschied zum iPad mini sofort. Tatsächlich erkennt man ihn, sobald das Display eingeschaltet ist.

Keine Frage, das Display des iPad mini ist toll. Die Farben sind satt, der Betrachtungswinkel enorm. Und fraglos sind Kritiken, etwa von CultofMac, die das Display als “schrecklich” bezeichnen, reichlich überzeichnet. Aber letzten Endes wenden die Tester, und auch viele frühe Käufer, von Apple gesetzte Standards auf ein Apple-Produkt an. Wer jetzt ein Gadget aus Cupertino kauft, der erwartet das Retina-Feeling.

Wer zuvor noch kein iPad besaß, wird mit dem iPad mini einen wunderbaren Einstieg ins Tabletsegment machen. In Sachen Robustheist, Verarbeitung und Look kann die plastikschwarze Konkurrenz von Google und Amazon nicht mithalten. Wem solche Faktoren wichtig sind, der zahlt auch gerne die rund 130 Euro mehr.

Akkuleistung: Noch ist zu wenig Zeit vergangen, um vernünftige Aussagen über die Akkulaufzeit des iPad mini zu machen. Auf der eigenen Webseite gibt Apple eine Laufzeit von rund zehn Stunden im WLAN-Betrieb an.

Am ersten Testtag musste das kleine Apple-Tablet für viele App-Installationen, Schnappschüsse und einen ausgedehnten Scrabble-Abend mit Spotify im Hintergrund herhalten, um dann auch noch am nächsten Morgen Musik abzuspielen, während der Akku bei rund 17 Prozent stand. Auch wenn das eine recht unwissenschaftliche Herangehensweise sein mag, so sagt dieser Alltagstest doch genug über den geringen Stromverbrauch dieses Geräts aus. Die Laufzeit kann sich sehen lassen.

Eindrücke zu den Kameras und Geschwindigkeit werden wir in einem weiteren, ausführlichen Test nachreichen.