iPad-Kasse: Wird Orderbird zum Überflieger in der Gastronomie?

Das Start-up Orderbird will mit iPads und einer SaaS-Lösung zum Bestellstandard in der Gastronomie werden. In einer zweiten Finanzierungsrunde haben die Berliner gerade erst 2,7 Millionen Euro eingesammelt. Auf die Idee brachte die Gründer ausgerechnet das US-Militär.

Berlin entwickelt sich zusehends zum Hotspot für die europäische Gründerszene. Ein Beispiel ist das Start-up Orderbird, das sich auf den Weg gemacht hat, die Gastronomieszene zu revolutionieren. Das Team um Gründer Bastian Schmidtke hat innerhalb von zwei Jahren eine attraktive Alternative zu teuren und aufwändig zu konfigurierenden Kassensystemem geschaffen. Orderbird basiert auf einem Apple iPad und der monatlich lizensierten Oderbird-Software (Software-as-a-Service-Prinzip).

Die Betreiber können das System spielend leicht nach ihren Vorstellungen anpassen. Sämtliche Eingaben erfolgen über das Touchdisplay des iPads. Orderbird ermöglicht dem Servicepersonal zudem die drahtlose Übertragung der Bestellung in die Küche und den Auszug regelmäßiger Reports. Per Wifi kommuniziert das System mit vorkonfigurierten Bon-Druckern und steuert automatisch eine Kassenlade – ganz so, wie es Gastronomen von herkömmlichen Kassensystemen gewohnt sind.

Orderbird ist günstiger als Wettbewerber

Mit dem Unterschied, dass sie bei Orderbird bereits für 999 Euro ein komplett funktionierendes Starterpaket aus Drucker, Router und Installationsservice erhalten. Die iPads oder iPod touchs müssen die Kunden selbst kaufen. Die Software (iPad App-Link) wird nach Anzahl der eingebundenen Apple-Geräte (iPod, iPhone, iPad) mit je 39 Euro pro Monat abgerechnet, inklusive 24-Stunden-Support und Online-Reporting über die Cloud. Zum Vergleich: Beim Marktführer Vectron wird die Software geleast, kostet zwischen 49 und 99 Euro im Monat – bei einer Mindestvertragslaufzeit von 48 Monate und einem Mindestleasingvolumen von 3.000 Euro.

Die Idee zu Orderbird kam Schmidtke, als er 2009 in Business Insider las, dass das US-Militär künftig iPod touchs zur Fernzündung von Bomben nutzen will. Seine Erfahrung als Verkäufer von Kassensystemen und seine Vorliebe für Apple-Produkte sagten ihm: Wenn die Armee sich auf solche Multimediageräte für Konsumenten verlässt, könnte man sie doch auch in anderen Bereichen professionell nutzen, etwa als Kassensystems in der Gastronomie. Der Prototyp auf iPad-Basis entstand Anfang 2010 für den Münchener Schickeria-Club P1. Vorzeigekunde wird in Berlin die Kreuzberger Sandwich-Bar Babanbé. Die Gründer sammeln Investorengelder ein und vergeben innerhalb eines Jahres über 100 Lizenzen.

Im April dieses Jahres dann der Durchbruch: Orderbird schließt die zweite Finanzierungsrunde erfolgreich ab. Die Investmentgesellschaft Alstin beteiligt sich mit mehr als 2,4 Millionen Euro an dem Start-up. Auch die Altaktionäre beteiligten sich an der Kapitalerhöhung. Insgesamt wurden über 2,7 Millionen Euro eingesammelt. Das Team plant mit dem aufgenommenen Kapital vor allem den Ausbau der Gastbestellung. Der Kunde kann zukünftig in der Gastronomie direkt über sein Smartphone Speisen und Getränke bestellen. Die Bestellung wird direkt in das Kassensystem übertragen und in der Küche oder der Bar ausgedruckt. Die Rechnung kann der Gast darüber hinaus dann auch direkt mit seinem Orderbird-Account bargeldlos bezahlen.

Erste Tests in Asien

Nach erfolgreichem Angang der Testmärkte Berlin und München soll dann in der zweiten Jahreshälfte der deutschlandweite Roll-out stattfinden. International will sich das Unternehmen zunächst auf die angrenzenden Länder fokussieren. Aktuell gibt es rund 350 Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erste Tests werden allerdings schon jetzt auch in Asien durchgeführt.

Schmidtke und sein Team haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, Orderbird zum Bestellstandard in der Gastronomie zu machen. Vor allem im Bereich Entwicklung und Vertrieb will man deshalb weiter wachsen. „Wir suchen dringend noch weitere Programmierer für die Entwicklung unserer iOS-Software, die Lust haben, unser Team in Berlin zu verstärken“, sagt Jakob Schreyer, CEO von Orderbird. Interesse?