Video-Telefonie iOS 6: die Angst der Mobilfunkanbieter vor Facetime


Provider in der Zwickmühle: Apple macht mit iOS 6 Facetime auch über die mobile Datenverbindung möglich. Und wieder gerät ein Geschäftsmodell in Bedrängnis. Die Mobilfunkanbieter befürchten nun, sinkende Einnahmen über normale Telefonie und überlegen, Extra-Gebühren für den mobilen Videochat zu verlangen. Dabei brauchen Sie das nächste iPhone aus Cupertino doch so dringend. 

Für den 12. September erwartet die Techbranche, dass Apples CEO Tim Cook das nächste iPhone vorstellt. Mobilfunkanbieter wie T-Mobile, Vodafone und O2 versuchen, schon vorab Kasse mit dem Hype um die nächste Smartphone-Generation aus Cupertino zu machen. Kein Wunder: Das Apple-Smartphone ist bei den Kunden überaus beliebt. Die Telekom verlängerte sogar ihre Premieren-Ticket-Aktion.

Und doch sorgt Apple mit seinen Plänen, Facetime überall verfügbar zu machen, für Verdruss bei den Providern. Die hatten nämlich bei Innovationen, die das iPhone betrafen, schon einmal das Nachsehen. Die beliebteste App Deutschlands etwa ist der Messenger “WhatsApp”, eine iOS-Anwendung, die das Senden von SMS überflüssig macht. Schließlich fällt über die Datenverbindung nur das verbrauchte Datenvolumen an – beim Senden vom reinen Texte knackt da kaum ein Kunde die Obergrenze seiner Flatrate.

Noch herrscht Uneinigkeit

Eine ähnlich ungünstige Trendwende erwarten die Provider nun von Facetime. Der Apple-Videochat funktionierte bislang nur über WLAN. Mit iOS 6, dem neuen mobilen Betriebssystem, sollen Nutzer künftig auch Videotelefonie über UMTS oder HSDPA realisieren können. Die Frage, die iPhone-Besitzer sich also künftig stellen werden: Rufe ich kostenpflichtig an? Oder starte ich kostenlos einen Videochat?

Noch herrscht Uneinigkeit bei den Providern, wie sich Nutzer denn entscheiden werden: Amerikas größter Mobilfunkabieter AT&T zog den Zorn der iPhone-Besitzer auf sich, als man erklärte, denn Dienst entweder zu sperren oder nur gegen Zahlung zusätzlicher Gebühren zu öffnen.

Auf dem deutschen Handymarkt erklärte zuerst Vodafone, Facetime ohne zusätzliche Kosten verfügbar zu machen. Dabei beruft man sich auf die Entscheidung, nach der man auch die Nutzung von Skype in Verträgen mit über 500 Megabyte Datenvolumen nicht unterbindet. Denn wohlgemerkt haben Provider die Möglichkeit, den Datenverkehr über die entsprechenden Ports zu unterbinden.

Bei O2 sollen Kunden künftig in den Tarifen M und L Facetime ohne Aufpreis nutzen können. Wer das Feature mit in einem günstigeren Tarif nutzen will, soll zehn Euro extra zahlen. Die Telekom räumte sich noch ein wenig Bedenkzeit ein. Vermutlich will man abwarten, wie stark das Feature von den Kunden überhaupt genutzt wird. Denn eines ist klar: Videochat dürfte die verbrauchte Bandbreite extrem nach oben treiben und vor allem Flatrate-Verträge ausreizen.

Kostenlose Alternative “Viber”

Stellt Apple das neue iPhone am 12. September vor, ist ein Marktstart am 21. September wahrscheinlich. Zeitgleich mit dem neuen iPhone dürfte der Konzern aus Cupertino releasen. Dann ist Facetime über die mobile Datenverbindung für das neue iPad, das iPhone 4S und die sechste iPhone-Generation möglich. Das Nachsehen haben Besitzer eines iPad 1, iPhone 3GS, iPhone 4 und iPod touch.

Unser Tipp: Wer nicht warten will, bis Apple iOS 6 releast und mit extrem guter Sprachqualität über die Datenverbindung telefonieren will, dem sei “Viber” ans Herz gelegt. Damit fallen bei einer Wlan-Verbindung keine Telefonkosten an, über UMTS hängen zusätzliche Kosten vom gebuchten Volumen ab. Wer allerdings einmal die Telefonie über Viber getestet hat, ist nicht selten schwer beeindruckt. Der Klang ist kristallklar, normale Telefonie erinnert da eher an vorsintflutlichen CB-Funk.