Interface-Künstler Johannes P. Osterhoff: Apple wird Kunst

Der „Interface-Künstler“ Johannes P. Osterhoff macht Kunst rund um digitale Prozesse. Seine Arbeiten drehen sich nicht selten um Soft- und Hardware aus dem Hause Apple – dabei ist seine ausgeprägte Hassliebe zu den Produkten aus Cupertino offensichtlich.

Im Mai 2010 tauchte in der Berliner U-Bahnstation „Rosenthaler Platz“ – kurz vor dem iPad-Verkaufsstart in Deutschland – dieses Werbeplakat auf: ein junger Mann, gemütlich auf dem Rücken liegend, das iPad auf dem Schoß. Nur wer genauer hinsah, erkannte, dass die kleinen Minibilder auf dem Display des iPad allesamt einen erotischen oder sogar pornografischen Inhalt hatten. So war die Bildunterschrift „Strandspaziergang“ mit einem Foto versehen, das ein nacktes Paar in eindeutiger Pose zeigte. Die Bildunterschrift „Ballettunterricht“ verwies auf zwei nackte Frauen in ähnlicher Haltung.

Nie wieder Freedom from Porn

Diese Adbusting-Aktion (also die Umgestaltung von Werbung im öffentlichen Raum, um deren Sinn zu verkehren oder lächerlich zu machen) ging von Johannes P. Osterhoff aus. Der Berliner Künstler reagierte damit auf die zuvor von Steve Jobs ausgerufene „Freedom from Porn“-Kampagne und die damit verbundene Absage an Porno auf dem iPad – Jobs: „Wer Pornos will, soll sich ein Android-Gerät kaufen.“

Osterhoffs Aktion sorgte in der Apple-Welt für Aufsehen – viele fanden die Aktion gut, andere sahen darin wenig Sinn. Die Kampagne hat nicht bewirkt, dass das iPad für Pornos freigegeben wurde. Dennoch ist seine Aktion – und das, obwohl sie so klein und lokal war – weiterhin Thema in der Mac-Welt. Osterhoff selbst wollte nur darauf hinweisen, wie gut sich das iPad für den Porno-Konsum eigne. Mittlerweile ist Osterhoffs „Freedom from Porn“-Plakat aus der Berliner U-Bahnstation verschwunden.

Hassliebe zu Apple

Die Auseinandersetzung mit Produkten aus dem Hause Apple aber macht einen großen Teil der Arbeit von Johannes P. Osterhoff aus. So scheint er hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu den Apple-Produkten und der Kritik an ihnen. Aber genau das verleiht ihm auch die richtige Portion Distanz, um mit, über und gegen Apple zu arbeiten.Der Int erfa ce-Künst ler Osterhoff beschreibt sich selbst als „Interface-Künstler“ – er mag es weniger, wenn man ihn „Medienkünstler“ nennt: „Ich versuche, mit wachsamem Auge die mehr und mehr barocken grafischen Benutzeroberflächen zeitgenössischer popkultureller Medien zu beobachten.“

Was das genau bedeutet, verdeutlicht ein Blick auf seine Bilderserie „Aqua“. Die großformatigen Drucke bestehen ausschließlich aus Fragmenten der Oberfläche des Apple-Betriebssystems Mac OS X. Das neueste Bild aus der Serie zeigt beispielsweise das Porträt von Apple-Chef Steve Jobs, zusammengesetzt ausschließlich aus den drei Kontrollknöpfen, die jedes Fenster in OS X oben links aufweist. Das erste Bild der Reihe (Aqua I) wurde 2006 auf dem European Media Art Festival 2006 ausgestellt, weitere haben es sogar bis in moskauische Galerien geschafft. Die Bilderserie „Aero“ stellt praktisch das Gegenstück dar: Hier werden
Elemente aus Windows Vista verwendet.

Hausbau I – PDF

Osterhoffs „Hausbau“ war das erste PDF-Magazin, das für jeden Leser automatisch eine einzigartige Kopie generierte. Er nennt das „dynamisch illustriert“, was bedeutet, dass bei jedem Download eine andere Version erstellt wurde: So bekamen abgebildete Hausfassaden immer wieder einen frischen Anstrich, Bäume wuchsen stetig und auch die Sonneneinstrahlung wurde immer wieder anders dargestellt.

Laut Osterhoff wurde und wird das PDF-Format als ein Überbleibsel des Druckerzeitalters wahrgenommen (und auch so von Adobe verkauft) – einmal generiert, ist es statisch und damit sicher. Mit „Hausbau“ zeigte Johannes P. Osterhoff, dass auch das PDF-Format manipulierbar weil programmierbar ist.