Im Test: Das Galaxy Tab 10.1v von Samsung

Apple muss sich warm anziehen. Das Samsung Galaxy Tab 10.1v ist ausgepackt ein wahrer Hingucker und überzeugt auch als Vorgänger des aktuellen Tab 10.1 mit klarem Display, OS Android 3.0 und flottem Dual-Core-Prozessor. Leider ist es nicht so robust wie die Konkurrenz aus Cupertino.

Ich bin schon überrascht. Das Samsung Galaxy Tab 10.1 v ist kein Abklatsch des ersten und kleineren Tab mit sieben Zoll großem Bildschirm. Samsung hat das Design von Grund auf überarbeitet. Das Gerät ist in der kompletten Front mit hochwertigem und kratzfestem Glas ausgestattet. Die Rückseite dagegen glänzt mit geriffeltem Hartplastik. Hat man zuvor ein iPad in der Hand gehabt, wirkt die Flunder aus dem Hause Samsung schon etwas zerbrechlich. Hier wäre eine Unibody-Konstruktion aus Alu die bessere Wahl gewesen. Sei es drum: Das Tablet wirkt stabil, und bereits nach zehn Minuten ist es Liebe auf den ersten Touch.

Technisches Innenleben

Unter dem Kleid aus leicht nachgebendem Plastik setzt Samsung auf ausreichend Leistung. So taktet ein 1-Gigahertz-Prozessor vom Typ Tegra 2 aus dem Hause Nvidia für den Anwender. Unterstützung erhält die Dual-Core-CPU vom 1 Gigabyte großen Arbeitsspeicher. Das kapazitive Display mit einer Auflösung von 1.280 x 800 Bildpunkten läuft dank dieser beiden Merkmale sehr flüssig. Nur ab und zu hakt das Startmenü. Doch mit einem Software-Update sollte auch diese “Kinderkrankheit” der Vergangenheit angehören.

Da ich ja zu Beginn des Artikels Apple eine warme Jacke empfahl, ist diese These zu aller erst an den beiden verbauten Kameras auszumachen. So ist das Tab 10.1 besser ausgestattet, als das Apple iPad 2. Auf der Rückseite darf sich der Anwender auf eine scharfe 8-Megapixel-Kamera freuen, auf der Vorderseite ist immerhin eine Kamera mit 2 Megapixeln verbaut – das iPad 2 stellt lediglich eine 1-Megapixel- und eine VGA-Kamera. In der Praxis sind die die festgehaltenen Aufnahmen, egal ob Stand- oder Bewegbild, absolut ausreichend. Wer möchte, kann sogar Videoaufnahmen in Full-HD (1.080p) aufzeichnen. Videotelefonie läuft sauber auf dem Gerät, Fotografie sowie Augmented Reality erwiesen sich allerdings aufgrund der Tablet-Größe als Extremsport.

Für die weltweite Kommunikation stehen UMTS plus HSDPA und HSUPA sowie WLAN 802.11n zur Verfügung. Außerdem werden Bluetooth und GPS zur Ortsbestimmung unterstützt. Das Einsetzen der SIM-Karte ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Dort ist Fingerspitzengefühl angesagt, zudem ist die Klappe nur mit Klavierhänden zu öffnen. Was ebenfalls missfällt: Musik, Filme und Bilder werden auf dem 16 Gigabyte Flashspeicher abgelegt – mangels microSD-Slot ist ein Aufrüsten um weitere 32 Gigabyte nicht vorgesehen. Samsung hat aber bereits angekündigt, in Kürze eine weitere Tablet-Variante mit 32 Gigabyte anzubieten. Ob diese dann über einen microSD-Slot verfügt, ist nicht bekannt. Auch beim Betriebsystem sollte noch nachgebessert werden. Das Android 3.0 Honeycomb macht aber trotz fehlender Aktualität eine gute Figur. Vielleicht folgt ja mit der zweiten Variante das Update und damit eine zusätzliche Modifizierung. Einige Wackler dürfte das auf jeden Fall ausbügeln.

In der Praxis überzeugend

In der Praxis kann das Galaxy Tab 10.1v überzeugen. So lässt sich das Gerät trotz der Größe bestens in einer Hand halten. Das liegt aber auch am geringen Gewicht von knapp 590 Gramm. Der Startbildschirm erscheint nach 18 Sekunden und damit auch die Aufforderung, die Bildschirmanzeige zu entsperren. Die Menüführung ist mit dem auf dem Testgerät installiertem Android 3.0.1 nicht immer flüssig und somit auch nicht optimal, aber auch nicht weiter störend. Kleine Wackler sind hin und wieder auch bei den Konkurrenten aus dem Hause Apple und Motorola auszumachen. Aufwendige Spiele laufen dank des technischen Innenlebens problemlos, selbst HD-Filme streamen über das lokale Netzwerk – eine niedrigere Auflösung schadet dem Filmspaß aber nicht. Apropos HD: das iPad 2 kann keine HD-Filme, beispielsweise im MKV-Container, ruckelfrei abspielen.

Keine Peripherie, sehr gute Akku-Laufzeiten

Ärgerlich für Freunde der Peripherie. Das Galaxy Tab 10.1v mag keine fremden Geräte. Zumindest stellt es lediglich eine proprietäre Schnittstelle, die via USB-Kabel das Tablet mit dem Rechner verbindet, bereit. Weitere Schnittstellen, wie HDMI, USB oder den bereits erwähnten microSD-Slot, sucht der Nutzer vergebens. Apple-User können davon ein Lied singen. Clouddienste sind daher für den professionellen Einsatz ein Muss, und wie ich finde, kein großer Akt. So gibt es bereits schöne Apps für Dropbox, Simfy und für das lokale Netzwerk gut funktionierende Filebrowser. Zusätzliche Anschlussmöglichkeiten müssen leider extra hinzubestellt werden – ein HDMI-Kabel kostet rund 30 Euro.

Was neben der Kamera als “Hammer” bezeichnet werden kann, ist die Laufzeit des Akkus. Während eines ausführlichen Test-Wochenendes schaute ich zwei Filme im Avi-Format und genoss Musik sowie das Surfen im Internet. Über das gesamte Wochenende brauchte das Tablet keine externe Stromquelle. Surft man nur im Internet und verzichtet auf Videos und Flash-Anwendungen, hält der Akku bis zu 15 Stunden. Für die Videos ist allerdings ein zusätzlicher Player notwendig. Über den angebundenen Android Market ist das aber eine Sache von wenigen Klicks. Hierbei ist drauf zu achten, dass die Filme nicht unnötig dekodiert werden müssen. Will der Nutzer lange mobil unterwegs sein, sind Apps von Nöten, die stromsparende Features mitbringen.

Fazit
Das Samsung Galaxy Tab 10.1v ist eine gelungene Zwischenlösung. Es reiht sich damit neben dem Galaxy Tab 7 und dem aktuellen Galaxy Tab 10.1 in die Riege der Top-Tablets ein. Vergleicht man das Tablet mit der Konkurrenz Xoom von Motorola, sind zweifelsohne das geringe Gewicht und die hohe Kameraauflösung hervorzuheben. Das sind aber auch schon die wichtigsten Merkmale. Das Tablet bleibt trotz tollem Eindruck eines von vielen. Alleinstehende Merkmale sind leider Mangelware. Es bleibt dennoch eine gute Wahl. Im Gegensatz zur Variante Galaxy Tab 10.1 ohne v verfügt das hier vorgestellte Tablet über eine bessere Kamera und ist nicht in Weiß gehalten – die Hardware sowie der Preis sind “fast” identisch. Die Außenhülle des Nachfolgers ohne v ist allerdings wesentlich stabiler. Einen iPad-Killer nenne ich das Tab 10.1v aber dennoch erst, wenn Samsung ein Honeycomb-Update zur Verfügung stellt.