Hipstamatic: New York Times-Fotograf gewinnt Preis für iPhone-Fotos

Ende vergangenen Jahres sorgte der New York Times-Fotograf Damon Winter mit seinen Aufnahmen aus dem Kriegsgebiet in Afghanistan für Aufsehen. Die Bilder waren mit dem iPhone 4 und der App Hipstamatic (1,59 Euro, iPhone App-Link) aufgenommen worden. Für die Fotoserie “A Grunt’s Life” hat Winter jetzt einen Preis gewonnen – aber nicht nur Lob erhalten.

Die Bilder sind sehr direkt, unmittelbar, gehen nahe. Sie zeigen schlafende Soldaten, Soldaten, die raufen, lachen, Musik hören, aber auch Soldaten die auf Patrouille sind, mit Waffen hantieren und die den Schmutz des Krieges von ihrer Kleidung abschütteln. Statt professioneller Kameraausrüstung hatte der Fotograf Damon Winter sein iPhone benutzt. „Die Soldaten machen selbst oft Bilder mit ihren Telefonen. Sie hätten sich weniger wohl gefühlt, wenn ich eine normale Kamera genommen hätte.“ – Insoweit ist das iPhone sicher „The Right Tool“, um möglichst authentische Bilder von einer Situation zu erhalten”, sagt Winter.

Sein Gespür ist jetzt belohnt worden. Bei der Verleihung des Picture of the Year International Award (POYI), der seit 1944 jährlich von der Missouri School of Journalism vergeben wird, hat Winter den dritten Preis in der Kategorie “Feature Picture Story – Newspaper” gewonnen.

Der 2009 bereits mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie “Feature Photography” ausgezeichnete Fotograf hat für “A Grunt’s Life” nicht die Standard-Foto-App genutzt, sondern Hipstamatic. Das Programm simuliert mit einer Auswahl von Linsen und Filmen alte Retro-Kameras. Leicht über- oder unterbelichtet und mit Farbstich versehen fotografierte Winter die Soldaten einer Bergdivision in Nordafghanistan.

Mit der Auszeichnung ist eine Diskussion unter Fotojournalisten entbrannt, inwieweit solche Methoden noch etwas mit wirklichem Fotojournalismus zu tun haben. So schreibt der Fotograf Chip Litherland in seinem Blog reichlich bildhaft: “Das, was wir als reinste Form des Fotojournalismus verstanden haben, ist nun endgültig vorbei – und POYI hat das gekillt.” Winters Antwort ließ nicht lange auf sich warten: “Wir wären naiv, wenn wir glauben, dass Ästhetik keine bedeutende Rolle beim Fotojournalismus spielt. Wir sind keine umherlaufenden Fotokopierer. Wir sind Geschichtenerzähler.”

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