Hintergrund: Google kauft Motorola und 17.000 Patente

Bereits 2004 verkündete Eric E. Schmidt: “Wir investieren nicht in das Telefongeschäft, doch wollen wir sicherstellen, dass Google auf jedem mobilen Gerät vorhanden ist.” Mit der Übernahme der Mobilfunksparte Motorolas erhält die Suchmaschine aber nicht nur exklusiven Zugang zu Smartphones, inklusive sind auch 17.000 Patente und wer weiß, was die Zukunft noch bringt.

Gestern sorgten die Unternehmen Google und Motorola für eine ordentliche Schlagzeile. Der Suchmaschinen-Primus schluckt den Elektronik-Hersteller für über zwölf Milliarden Euro. Damit hat sich Google nun Zugang zur mobilen Hardware verschafft. Ob damit allerdings auch Umsatz zu machen ist, wird die Zukunft zeigen. So ist Google doch ein Software- und Internetspezialist, der wenig Erfahrung mit Fabriken und Support-Anfragen hat. Zuzutrauen ist es dem Unternehmen dennoch. Auch, weil es bei eventuellen Problemen die Kriegskasse ermöglicht, Know-how einzukaufen.

Nutznießer Microsoft?

Problematisch kann es allerdings mit den bisherigen Partnern werden. HTC, LG und Samsung setzen seit Jahren auf das Betriebssystem Android. Nun entsteht ein ganz neuer Konkurrenzkampf, der vielleicht sogar Microsoft dienlich sein könnte. So ist das Betriebssystem Phone 7 zwar noch kein Verkaufsschlager, funktioniert aber bereits auf den wenigen Geräten hervorragend. Und genau hier scheint der erste Hintergedanke Googles zu stecken. Das Unternehmen schaut auf Apple und auch auf Microsoft. Apple hat beispielsweise Software, Hardware und den Service unter einem Dach. Das Prinzip ist mittlerweile Milliarden-schwer. Microsoft geht einen ähnlichen Weg. Mit dem Nokia-Deal verfügen die Redmonder über eine hervorragende Infrastruktur. Seit einigen Monaten setzt das Unternehmen die Hardware voraus. Das Ergebnis: Smartphone und Software harmonieren – wie es bei Apple seit Jahren zelebriert wird. Google könnte nun einen ähnlichen Weg einschlagen. Alles aus einer Hand ist weniger kundenfreundlich, aber funktionierende Geräte verschaffen einem Unternehmen letztendlich hohe Margen.

17.000 Patente

Neben diesem Hintergedanken sind aber auch die im Kaufpreis enthaltenen 17.000 Patente zu erwähnen. Sie werden für mehr Ruhe im Patentkrieg zwischen Apple, Microsoft und anderen global agierenden Unternehmen sorgen – sie alle wollen halt am Android-Erfolg mitverdienen. Die Zeche bezahlte am Ende bisher immer Google. Microsoft etwa verdient bis zu 16 Euro pro verkauftes Smartphone mit installiertem Android. Der Chef von Google, Larry Page, hat in seinem Blog daher auch erleichternd festgestellt, dass die Übernahme und der Erwerb der vielen Patente “besser vor wettbewerbsfeindlichen Bedrohungen schützt”. Die erwähnte Konkurrenz befürwortet aktuell sogar diesen Schritt. So berichtet der Stern, dass HTC-CEO Peter Chou verkünden ließ, dass er den Aufkauf begrüßt. “Er zeige deutlich, dass Google sich Android, seinen Partnern sowie dem gesamten Plattformsystem zutiefst verpflichtet fühlt”, ist dort zu lesen. Aber auch Samsung und LG äußern sich noch positiv zum Kauf. Wenn dadurch allerdings die vermeintlich hoch geschätzten Partner Verluste einfahren, könnte es den besagten Gegemwind geben.

Ein weiterer Aspekt ist das ohnehin stark verbreitete OS Android. Dieses wird nun noch intensiver vermarktet. Das nächste Gerät wird auf Google zu 100 Prozent zugeschnitten sein. Auf vielen chinesischen Geräten beispielsweise läuft Microsofts Bing als Suche, nicht Google. Das wird mit der Übernahme sicherlich ein Ende haben. Von Websuche über Google Maps bis zum Google-App-Market und dem Facebook-Clone Google+ wird sich alles auf den künftigen Motorola-Telefonen wiederfinden.

Aber was bringt die Zukunft? Was fällt Google als nächstes ein. Die Redaktion hatte gestern Abend eine unterhaltsame Runde, in der mögliche Szenarien durchgespielt wurden. Die Hauptrolle erspielte sich die Variante, dass Motorola ein ChromeBook auf die Agenda setzt. Das würde passen, auch wenn es absurd klingt – Google wird uns auch weiterhin überraschen.