Hinter iBooks und Kindle: textunes-App fällt zurück

Das beste Buch ist jenes, welches man dabei hat. iPad, iPhone und iPod touch sind insofern perfekte E-Book-Reader. Die beste App dafür war bisher textunes (kostenlos, App Store-Link). Das hat sich jetzt geändert – leider. 

Die Zukunft des Buches ist digital. Nicht jeder will das wahrhaben. Wir haben da keine Zweifel. Der Umbruch ist in vollem Gange. E-Book-Reader gibt es mittlerweile für nur noch zweistellige Euro-Beträge, das digitale Buchsortiment wächst rasant.

Nach dem Motto “Das beste Buch, ist jenes, welches man dabei hat” taugen freilich auch iPad, iPhone und iPod touch zum Lesen langer Texte. Drei umfangreiche und vergleichbare App-Angebote stehen iOS-Usern aktuell zur Verfügung.

iBooks von Apple (kostenlos, App Store-Link), das sich vor allem durch einen zunehmenden Funktionsumfang auszeichnet, der in der Regel äußerst hilfreich ist. Etwa die mit Version 1.5 erschienene verbesserte Variante, Textstellen zu markieren und Anmerkungen zu hinterlassen.

– Die Kindle-App (kostenlos, App Store-Link) von Amazon, mit der man auf ein unschlagbar großes Buchangebot zurückgreifen kann und vor allem unverzichtbar für alle ist, die gerne englischsprachig lesen. Ein wenig tricky ist lediglich der Bestellprozess: Um die 30-Prozent-Abgabe für Käufe über Apples App Store zum umgehen, müssen die Bücher auf der Amazon-Webseite gekauft und mit einem Klick auf das iOS-Gerät geschickt werden. Einmal eingerichtet (man meldet sich in der Kindle-App mit seinem Amazon-Account an), funktioniert dieses Verfahren problemlos (hier eine Anleitung).

Die Funktionen der Kindle-App überzeugen ebenenfalls und werden stetig mehr. Beispielsweise mit dem letzten Update hinzugekommen: Die Möglichkeit, sich Dokumente per persönlicher Kindle-E-Mail-Adresse in die Amazon Cloud zu schicken, um diese Dokumente auf allen iOS-unterstützten oder Kindle-Geräte heruntergeladen zu können.

– Unsere bevorzugte E-Book-Reader-App auf iPhone und iPad aber war bisher jene des Berliner Startups textunes (kostenlos, App Store-Link). Auch textunes bemüht sich um die regelmäßige Erweiterung der App. Seit gestern gibt es die in vielen Punkten überarbeitete Version 4.0. Vor allem die Bedienoberfläche für das iPad sei “vollständig überarbeitet worden”, so textunes.

Wir haben allerdings die iPhone-Variante getestet. Wir lesen Bücher fast ausschließlich auf dem iPhone. Das iPad (bei uns ist noch das iPad 1 in Betrieb) ist uns für langes Lesen zu schwer.

Das Fazit vorweg: Die neueste Textunes-App enttäuscht uns schmerzlich.

Wer liest, will lesen, will nicht abgelenkt werden, gestört durch Funktionen, die nicht so sind wie man sie erwartet, durch Aktionen, die den Lesefluss unterbrechen. Derer aber gibt es in der aktuellen Textunes-Anwendung einige.

  • Beim Weiterscrollen des Textes reagiert der Touchscreen häufig erst auf die zweite Berührung.
  • Die App setzt Lesezeichen ungenau. Schließt man ein Buch und öffnet es erneut, landet man nicht exakt an der Stelle, wo man aufhörte zu lesen, sondern lediglich am Anfang des jeweiligen Kapitels.
  • Völlig absurd: Scrollt man im linken Display-Bereich mit dem Daumen den Lesefluss weiter, scrollt die Seite nach oben.
  • Zumindest unschön: der unnötige Platzverbrauch. Ein Nachteil des iPhones zu anderen Readern oder  Print ist die geringe Textmenge pro Seite. Deshalb sollte der vorhandenen Platz bestmöglich gefüllt werden. textunes aber verschenkt zumindest den oberen Rand. Warum muss dort stetig der Buchtitel angezeigt werden (im Screenshot rot markiert)?

Außerdem: Im Gegenteil zur iBooks-App von Apple und der Kindle-App von Amzaon können bei textunes keine Textstellen markiert und Anmerkungen geschrieben werden.

Was uns schon länger ärgert, weil seit einigen textunes-Versionen verschwunden: Die individuelle Anzeige darüber, welche Bücher seit dem letztmaligen Öffnen der App neu in den Textunes-Shop hinzugekommen sind. Wir fanden es immer interessant, sich durch die “Neuerscheinungen” zu scrollen.

Überhaupt die Buchauswahl: Hier haben alle Anbieter noch großen Nachholbedarf. Eine gute sortierte Buchhandlung schlägt jede der drei Apps um Längen.

Beide gewohnten Wege, an neue Bücher zu kommen, führen digital nämlich regelmäßig zu Enttäuschungen: Hat man einen gezielten Buchwunsch, gibt es diesen häufig immer noch nicht digital. Und will man sich treiben lassen, auf gute Bücher aufmerksam gemacht werden, fehlt allen Stores noch eine Logik, die es ermöglicht, persönliche Interessen gekonnt zu identifizieren. Amazon ist da sicherlich am weitesten – und schlägt doch nicht die schön drapierte und qualitativ erstellte Auswahl einer Buchhandlung.

Fazit: Version 4.0 der Textunes-App (kostenlos, App Store-Link) ist ein Rück- statt Fortschritt. Es sieht so aus, als würden sich die Großen des digitalen Buchhandels durchsetzen. Wir finden das schade – und warten auf das nächste Textunes-Update.

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