Hightech-Firmen stellen ein – aber wen?

Aufschwung schallt es uns trotz Börsencrash derzeit entgegen. Ausbildungsplätze sind zuhauf frei. Und auch der IT-Markt kommt in Schwung. Telekommunikation, Hardware-Produzenten, Softwarehäuser und IT-Dienstleister sind zusammen inzwischen laut BITKOM die zweitgrößten industriellen Arbeitgeber. Jobwachstum also allüberall – und tatsächlich kenne ich nur freiberuflich arbeitende ITler, aber keine arbeitslosen. Oder ist das nur eine Verfälschung der Zahlen?

Diese Woche gab der Branchenverband BITKOM freudestrahlend bekannt: “Hightech-Firmen stellen ein”. Statt der prognostizierten 8.000 zusätzlichen Arbeitsplätze konnten im letzten Jahr 12.000 neue Beschäftigte eingestellt werden. “Die BITKOM-Branche baut ihre Position als zweitgrößter industrieller Arbeitgeber kurz hinter dem Maschinenbau aus”, sagte dazu BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Neue Stellen gibt es vor allem in Softwarehäusern und bei IT-Dienstleister mit inzwischen insgesamt 588.000 Beschäftigten. Und auch in der Unterhaltungselektronik kann man neue Jobs finden.

Tatsächlich ist der Wechselwille von gut qualifizierten Fachkräften inzwischen hoch, so dass der Wettkampf um die Mitarbeiter ganze Personalabteilungen den Schlaf raubt. Neue Boni werden ausgedacht und Headhunter auf die Spur der ITler gesetzt. Denn die neuen Stellen sollen möglichst gut besetzt werden und Nachwuchs ist rar. Also bedient man sich bei der Konkurrenz. Oder man bildet selber weiter. Denn auch das ergab die BITKOM-Umfrage: 59% der Unternehmen sehen im Mangel an hochqualifizierten Spezialisten ein Wachstumshemmnis. Der Fachkräftemangel kostet die Branche etwa einen Prozentpunkt Wachstum pro Jahr.

29.000 Stellen seien demnach derzeit unbesetzt, weil es kaum Nachwuchs gibt. BITKOM-Präsident Kempf meint dazu: „Wer einen hochqualifizierten Informatiker sucht, wendet sich damit nicht an die Arbeitsagenturen, sondern sucht über Stellenbörsen oder mit Hilfe von Personalberatern.“ Headhunter sag ich da nur. Und tatsächlich klingeln bei uns im Unternehmen nicht nur wegen Anfragen von Kunden die Telefone, auch manch ein Mitarbeiter wird anhand seines Xing-Profils direkt angerufen und gebeten, sich doch mal das eine oder andere Unternehmen näher anzusehen.

Und dennoch gibt es da draußen auch “arbeitslose” IT-Fachkräfte. Sie entspringen den insolventen Firmen oder Stellenabbau, was es beides ebenfalls gibt. Sie melden sich meist nicht arbeitslos, sondern versuchen über die Freiberuflichkeit sich Unabhängigkeit von einem Arbeitgeber zu verschaffen. Das verfälscht zwar auf der einen Seite die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), schafft aber auf der anderen Seite auch wieder Ressourcen auf dem Markt.

Ich denke deshalb, wer einen neuen Mitarbeiter sucht, sollte sich auch mal bei den Freiberuflern umsehen. Sie können erst einmal als Berater ins Unternehmen geholt und bei Eignung fest eingestellt werden – sofern sie das wollen. Denn: Neue Stellen wollen in diesem Jahr 57 Prozent der Hightech-Firmen schaffen. Und die müssen ja irgendwo herkommen, oder?