Aufwachen, Mister Zuckerberg!

Das weltweit größte soziale Netzwerk hatte mal eine innovative App. Doch seit längerem kommt die Weiterentwicklung nur in Tippelschritten voran. Ist das die Ruhe vor dem Sturm oder gehen dem Marktführer die Ideen aus?

Soziale Netzwerke werden mobil. Weil es keinen Grund gibt, nur am Rechner zu Hause virtuell mit Freunden in Kontakt zu treten. Und weil immer mehr Menschen Handys mit Facebook- und Twitter-Anbindung besitzen.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Um so verwunderlicher, was das weltweit größte soziale Netzwerke zur Zeit so treibt, oder besser gesagt eben nicht treibt. Die Facebook-App galt mal als Vorreiter unter den Anwendungen für soziale Netzwerke. Doch die Innovationsfreude ist dahin. Der letzte große Versionensprung (auf 3.0) liegt über ein Jahr zurück (27. August 2009).

Stattdessen gibt es Bugs, die seit Monaten auf Behebung warten. Zum Beispiel, dass man Nachrichten in der Inbox zwei Mal löschen muss, bis sie tatsächlich verschwinden. Oder dass Notifications immer noch als ungelesen auf dem Startbildschirm erscheinen, obwohl man sie bereits gelesen hat.

Facebook startseite

Und die einzige wirkliche Neuerung der jüngeren Vergangenheit, nämlich die Funktion “Orte”, mit der man seinen Freunden zeigen kann, wo man sich gerade aufhält, ist nur in den USA nutzbar.

Facebook Orte

Der Funktionsumfang der App hinkt auch in der neuesten Version (3.2.2) vom 23. August weiter der Webseitenvariante hinterher. So sieht man zum Beispiel nicht alle Newsfeed-Einträge der Webansicht. Wer sich mit wem befreundet hat oder wer in einem Foto markiert wurde, bleibt den Nutzern der Facebook-App verborgen. Und eine Werbevermarktung der App hat Facebook auch noch nicht hinbekommen (was freilich wenige Nutzer stören wird).

Vor allem aber: Das weltweit größte soziale Netzwerk hat immer noch keine App für das iPad.

Vielleicht hat Facebook noch nicht den Abschied von Joe Hewitt verkraftet. Der soll die Facebook-App im Alleingang programmiert haben, hatte die Weiterentwicklung im November letzten Jahres aber aufgegeben und war firmenintern gewechselt. Grund soll der Frust mit Apples App Store-Politik gewesen sein.

Facebook ist konkurrenzlos

Sorgen muss sich Facebook dennoch keine machen. Das soziale Netzwerk ist mittlerweile konkurrenzlos. Die VZ-Netzwerke (schülerVZ, studiVZ, meinVZ) in Deutschland zum Beispiel haben Probleme. Die Klickzahlen gehen nach unten, der Cheftechniker Jodok Batlogg verließ im Juni das Unternehmen, und die Neuerungen beim deutschen Facebook-Pendant sind zwar zahlreich (seit 10. Juni gibt es zum Beispiel eine iPad-App), doch den VZlern fehlt die Konzentration auf das Wesentliche.

Denn soziale Netzwerke leben nicht nur davon, dass man sich mitteilen kann, sondern von der Überzeugung, dass das Mitgeteilte auch von anderen wahrgenommen wird. Der Newsfeed bei Facebook kanalisierte alle Mitteilungen in einem Stream und macht sie dadurch einfach zugänglich. studiVZ und Co. haben diese Fokussierung nicht mitgemacht. Vielleicht weil die Angst groß war, erneut als Nachmacher dazustehen.

Facebook jedenfalls hat die Konkurrenz abgehängt. Vielleicht auch deswegen schwingt man sich auf zu neuen Ufern. Am Wochenende machten Gerüchte die Runde, Facebook arbeite an einem eigenen Smartphone. Facebook dementierte zwar, aber nur halbherzig, wie auf Techcrunch genüsslich nachzulesen ist.

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Update, 22. September 2010, 16:20 Uhr: Kaum war dieser Artikel geschrieben, hat Facebook ein Update im App Store veröffentlicht. Mit der Version 3.2.3 wurden allerdings in erster Linie Fehler behoben. So soll es nun nicht mehr zu Abstürzen durch Push-Benachrichtigungen kommen. Und auch das oben beschriebene Problem mit der falschen Notification-Anzeige soll behoben sein. Ein erster Test bestätigt die Fehlerbehebung.

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