Group Messaging: Apps für die Kommunikation mit Freunden, Familie und Kollegen

Group Messaging hat die Check-in-Services als Trend abgelöst. Apps wie Beluga oder GroupMe vereinen die Vorteile von E-Mail, Twitter oder Chat – und sind vor allem billiger als Textnachrichten über das Telefonnetz. Sie ermöglichen den Nutzern, mit Partyfreunden, der ganzen Familie oder mehreren Kollegen gleichzeitig zu kommunizieren.

Erinnern Sie sich noch an den Hype um Google Wave? Scheinbar jeder wollte im Mai 2009 eine Einladung für den vermeintlichen E-Mail-Killer haben; jeder wollte einer der Ersten sein, um in einer Wave mit anderen – Familie, Freunden, Kollegen, Geschäftspartnern – zu kollaborieren. Die Euphorie währte nicht lange. Am Ende verließ man sich wieder auf gewohnte Tools wie Basecamp, Google Docs oder Merlin – und natürlich auf E-Mails. Als Google im August 2010 die Weiterentwicklung des Dienstes einstellte und den Quelltext freigab, gab es kaum Proteste.


Von jedem nur das Beste


Heute, ein dreiviertel Jahr später, würde ich sagen, dass Google mit Wave seiner Zeit voraus war. Die Technologie und die Infrastruktur, die einen Dienst wie Wave erst interessant gemacht hätten, steckten 2009 noch in den Kinderschuhen. Worauf ich hinaus will: Erst die mobile Revolution mit ihren schnelleren Datennetzen, leistungsfähigeren Smartphones und Apps eröffnet Group Messaging eine zweite Chance.

Es ist kein Zufall, dass die meistdiskutierten Apps beim gerade zu Ende gegangenen South by Southwest-Festival (SXSW) in Austin, Texas, Dienste waren, die die Vorteile von E-Mail, Chat, SMS, Facebook oder Twitter vereinen – dabei aber direkter sind als E-Mail, einen größeren Personenkreis erreichen als Chat oder SMS, nicht so breit streuen wie Facebook und nicht so begrenzt sind wie Twitter.

Auch wenn sich bislang noch kein Favorit nachhaltig abzeichnet, lässt sich anhand der Tweet-Analyse von Simply Measured ein erster Trend ablesen. Während des SXSW-Festivals wurde von den Group Messaging Apps der Name GroupMe am häufigsten (65 Prozent) getwittert, gefolgt von Beluga (22), Kik (10) und Fast Society (3).

Ein Überblick über die aktuell diskutierten Group Messaging Apps:

GroupMe (kostenlos, iPhone App-Link) startete im August 2010 und ermöglicht die gleichzeitige Ansprache eines vordefinierten Personenkreises, die ebenfalls GroupMe nutzen. Sobald ein Teilnehmer des Gruppen-Chats eine neue Nachricht postet, erhalten alle anderen eine Push-Benachrichtigung aufs Display. Gleichzeitig erhält jede Gruppe eine echte Rufnummer, so dass man alle Teilnehmer per SMS anschreiben kann – ein Anruf startet eine Telefonkonferenz. Außerdem können die einzelnen Teilnehmer ihren Standort übermitteln und Fotos mit den Chat-Teilnehmern teilen. GroupMe gibt es derzeit kostenlos für das iPhone (nur im US-App Store), Android- und Blackberry-Smartphones.



Beluga (kostenlos, iPhone App-Link) unterscheidet sich kaum von GroupMe, außer dass die einzelnen Teilnehmer in so genannten Pods kommunizieren und keine Konferenzgespräche und SMS-Nachrichten unterstützt werden. Push-Benachrichtigungen, Standort-Übermittlung und Fotosharing sind mittlerweile Standard. Beluga ist 2010 von drei ehemaligen Google-Mitarbeitern – Ben Davenport, Lucy Zhang und Jonathan Perlow – gegründet worden. Anfang März sorgte der Dienst für Aufsehen, als er von Facebook gekauft wurde. Beluga ist kostenlos für das iPhone und Android-Smartphones erhältlich.



Kik (kostenlos, iPhone App-Link) kann ebenfalls Group Messaging und Fotosharing, verzichtet aber auf die Lokalisierungsfunktion. Stattdessen informiert der Dienst über den Status der einzelnen Meldungen: senden, versendet, gelesen. Kik startete sehr erfolgreich und gewann seit Oktober 2010 über drei Millionen Mitglieder. Einen kleinen Rückschlag erlebte das Unternehmen durch eine Klage des Blackberry-Herstellers Research in Motion. Der sah Patentrechte verletzt und entfernte die App aus der Blackberry App World. Derzeit ist die App kostenlos für iOS- und Android-Geräte erhältlich.



Fast Society (kostenlos, iPhone App-Link) bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie GroupMe und ermöglicht zusätzlich den Versand von Sprachaufnahmen an die Gruppe. Weitere Besonderheit: Die Chats lassen sich verschiedene Zeitfenster definieren, zum Beispiel für einen Abend, ein Wochenende oder dauerhaft. Aufgrund der SMS- und Telko-Funktion setzt die App ein US-Telefonnetz voraus. Die App ist für das iPhone sowie Android-Smartphones erhältlich.



Der Black Berry Messenger (BBM) spielte zwar im Rahmen der SXSW-Tweet-Analyse keine Rolle, ist aber eine große Hürde für die oben genannten Services, sobald sie ihre Cross-Plattform-Strategie auf die Blackberry App World ausrollen wollen. Kik hat bereits seine Erfahrung gemacht, und es wird interessant zu beobachten sein, wie RIM auf Vorstöße von Beluga reagieren wird. Umgekehrt gibt es Gerüchte, dass RIM den BBM für das iPhone und Android anpassen möchte. Der BBM vereint nahezu alle Funktionen der Konkurrenz und ermöglicht seinen Nutzern, auch Videos zu versenden und Musik zu teilen.


Fazit


Die Vorteile der Group Messaging Lösungen liegen auf der Hand. Ihre Nutzung ist günstiger als das Versenden kostenpflichtiger Textnachrichten über das Telefonnetz. Außerdem sind sie system- und plattformunabhängig. Wer von Android zu iOS oder umgekehrt wechselt, kann denselben Dienst weiterhin nutzen, da die Daten in der Cloud gespeichert sind. Spannend wird es, wenn die Dienste ihr Angebot auf Tablets erweitern und möglicherweise den Weg zurück auf den Desktop finden. Spätestens dann schließt sich der Kreis zu Google Wave.

Keine justapps.de-Nachricht mehr verpassen. – Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder abonnieren Sie unseren RSS-Feed!