Soundcheck: Großer Vergleichstest der Cloud-Musikdienste

Wer braucht noch MP3-Player, wenn die gesamte Musiksammlung und mehr aus der Cloud kommt? In einem großen Vergleichstest haben wir die Dienste simfy, Spotify, Napster, Deezer, rdio.com, Soundcloud und Jamendo unter die Lupe genommen. m-magazin.net verrät Ihnen, welcher digitale Jukebox sich wirklich lohnt.
Musikliebhaber haben heutzutage die Qual der Wahl. Via Streaming greift der Internetnutzer auf seine Musik in der Cloud zu. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Musik kann jederzeit mit den meisten internetfähigen Geräten abgespielt
werden. Doch mit der Vielfalt kommt auch die Auswahl, die nichtimmer leicht ist. Denn die Dienste bieten unterschiedliche Möglichkeiten an. Wir haben deshalb sechs der vielen derzeit verfügbaren Cloud-Musikanbieter näher unter die Lupe genommen und deren Vor- und Nachteile für Sie zusammengestellt.

simfy
Der in Deutschland mittlerweile bekannteste Musik-Streaming-Dienst ist zweifelsohne simfy. Gestartet im Mai 2010 ist der Dienst aus Deutschland heraus das größte Musikportal. Auf simfy.de können Musikfans auf mehr als 13 Millionen Songs von Major- und Independent-Labels zugreifen – Musik hören, Playlisten zusammenstellen und sich über soziale Netzwerke vernetzen. Die mobilen Apps ermöglichen zudem eine Musiknutzung per Smartphone und Tablet. Finanziert wird das Angebot über Werbung und kostenpflichtige Musik-Flatrates. Im Test entschieden wir uns zunächst für den freien Account Free. Dabei steht uns simfy im Browser zur Verfügung sowie der simfy Player für PC und Mac. Jeder neue Anwender erhält 30 Tage das PremiumPlus gratis. Nach den 30 Tagen befindet sich der Kunde automatisch wieder im kostenfreien Free-Account.

Mit simfy Free kann jeder Kunde 20 Stunden im Monat kostenlos Musik hören – werbefinanziert. Leider sind auch in den 20 Stunden einige Top-Künstler gesperrt. Premium Das Premium-Angebot spricht Anwender an, die sich ständig im Netz aufhalten. Entschließt man sich für diesen Zugang, werden monatlich 4,99 Euro fällig. Dafür befreit simfy die Musik von Werbung und schaltet die gesperrten Künstler frei. Natürlich stehen der Player im Browser sowie der simfy Player zur Verfügung. Auf unterschiedlichen Rechnern mit demselben Account funktioniert das Abspielen aber nicht. Was die Nutzerfreundlichkeit angeht, ist der Dienst dennoch zurzeit das Maß aller Dinge. Zum einen darf der Kunde innerhalb von 30 Tagen kündigen, zum anderen ist der „bevorzugte Support“ wirklich empfehlenswert.

simfy PremiumPlus
Das erst kürzlich namentlich geänderte Angebot unterscheidet sich im Gegensatz zum Premium-Account nur wenig. Als Zusatz darf sich der Musikfreund auf den Offline-Modus und die Nutzung auf mobilen Endgeräten freuen. Und genau jetzt macht simfy richtig Spaß. Der Offline-Modus und die simfy Mobile Apps ermöglichen den Zugang auf sämtliche Musik bei simfy, ohne zwingend Zugang zum Internet zu haben. Dabei wirken die Apps für iOS ausgereift. Der mobile Umfang sieht wie folgt aus: Der PremiumPlus-User kann sämtliche am Rechner angelegten Playlisten und Favoriten auf dem iPad, iPhone sowie auf dem iPod touch abspielen.

Die Apps bieten eine gute Suche nach Künstlern, Alben, Titeln und eben den besagten Playlisten sowie Favoriten. Das Besondere ist die Möglichkeit, die eigene Musik offline verfügbar zu machen. Seit November beziehungsweise Dezember besteht zudem die Möglichkeit, seine lokalen Files in die Playlisten mit einzubinden. Für den umfangreichen Service werden allerdings 9,99 Euro fällig. Um ganz sicher zu gehen, darf der Anwender die Premiumdienste 30 Tage kostenlos testen.

Spotify
Spotify arbeitet nach demselben Prinzip wie simfy, ist allerdings wesentlich umfangreicher und läuft, was die Software angeht, etwas runder. Der Dienst verfügt über 15 Millionen Titel und setzt, wie simfy auch, auf unterschiedliche Angebote. Das schwedische Unternehmen vertraut nur externer Software und spielt keine Songs im Browser ab. Zudem haben sich aktuell die Spielregeln geändert. Grund: Spotify ist eine Partnerschaft mit Facebook eingegangen. Das Unternehmen
akzeptiert nur noch Neukunden, die einen Facebook-Account besitzen oder sich für einen anmelden. Leider ist der Dienst nur auf Umwegen aus Deutschland heraus nutzbar. Bisher ist Spotify in den USA, Schweden, Spanien, Niederlanden, Großbritannien, Finnland, Frankreich und Norwegen zu beziehen. Dennoch konnten wir einen Test durchführen. Und vielleicht startet der Dienst ja doch bald in Deutschland.

Spotify Open
Spotify Open ist das kostenlose Pendant zu simfy Free. Neukunden melden sich einfach via Facebook beim Dienst an und erhalten für sechs Monate den vollen Zugriff auf das komplette Angebot. Nach sechs Monaten wandelt das Testangebot automatisch in den Open-Account, der zehn Stunden Musik werbefinanziert bereitstellt. Für alle bereits angemeldeten Kunden ändert sich nichts. Der Player selbst erlaubt es, lokale Dateien einzubinden. Das ist aber erst mit den Premium-Angeboten sinnvoll. Denn kostenfreie Musik-Player gibt es wie Sand am Meer.

Spotify Unlimited
Ähnlich wie das Premium-Angebot von simfy spricht Spotify-Unlimited den Internetnutzer an. Das Paket beinhaltet freien Zugang zu allen Tracks, ohne dabei mit Werbung und einem zeitlich begrenzten Hörgenuss zu nerven. Die Möglichkeit, lokale Songs in die Playlisten nachzuladen, ist Benutzerfreundlichkeit pur. Ist ein Song online nicht auffindbar, erlaubt es der Player, diesen lokal einzubinden. Die buchstäblich unendliche Playlist ist somit keineHexerei. Der Dienst kostet 4,99 Euro.

Spotify-Premium
Auch bei diesem Angebot besteht eine gewisse Ähnlichkeit zum simfy PremiumPlus. Neben den schon beschriebenen lokalen Filesist es gerade der exklusive Inhalt, der im Test überzeugen kann. Spotify bietet fast alles, was simfy auch zu bieten hat – plus skandinavische Künstler und eine Menge mehr Independent-Bands. Natürlich bietet der Premium-Account auch den Zugang zu den Künstlern mit mobilen Endgeräten. iPhone und iPod touch werden mit einer speziellen
App zur mobilen Musikstation. Eine iPad-App sucht der Musikliebhaber allerdings noch vergebens. Die App auf dem iPod touch läuft flüssig und synchronisiert sich, wie auch bei simfy, automatisch mit allen berechtigten Geräten. Der Clou: Selbst die lokalen Files werden per WLAN synchronisiert – ein Kabel wird nicht benötigt. Der Dienst kostet in den berechtigten Ländern 9,99 Euro.

Napster
Einer der ältesten Musikdienste ist Napster. Damalsals Filesharing-Plattform verboten, gehört der Dienst mittlerweilezu den weltweit größten Anbietern – auch dort findet jeder Freund der Klänge mit 15 Millionen Titeln genug Auswahl. Leider ist derDienst nicht so flexibel, wie die zuvor beschriebenen. Zwar gibt es die mobile Musikflatrate, doch am MacBook bietet Napster nur denBrowser und Flash an. Das Navigieren im Browser ist schwerfällig und gerade auf einem großen Bildschirm unübersichtlich. Auf demiPhone, iPad und iPod touch dagegen kann auch Napster überzeugen.

Leider werden die Titel innerhalb der App nur mit 64 Kilobyte pro Sekunde gestreamt – im Test fiel das Sound-technisch auf, als wir
eine hochwertige Stereoanlage nutzten, um die Musik abzuspielen. Zum Vergleich: simfy streamt mit 192 Kilobyte pro Sekunde, Spotify gar mit 320 Kilobyte pro Sekunde. Von Kundenfreundlichkeit kann beim Preis von 7,95 Euro im Monat für die reine Flatrate sowie 12,95 Euro für das komplette Angebot nicht die Rede sein.

Deezer
Deezer bietet Zugriff auf 13 Millionen Songs online und will mit einer mobilen Flatrate überzeugen. Es gibt zwei Abo-Versionen. Eine nicht mobile, die knapp fünf Euro und eine Premium-Variante, die dann runde zehn Euro kostet. Mit ihr darf der Nutzer die Musik auch offline genießen und auf dem iPhone, iPod touch sowie iPad abspielen. Bereits bei der Portierung auf das iPad gab es während der Testphase Probleme. So muss der Nutzer mit dem Endgerät, in diesem Fall dem iPad, via www.m.deezer.com die App herunterladen. Im Test erhielten wir komischer Weise zu allererst die App für das iPhone. Direkt aus dem App Store klappte es dann aber doch. Positiv: Meldet sich der Musikliebhaber sich direkt über das iPad neu an, werden lediglich E-Mail und Passwort abgefragt, Facebook ist nicht nötig.

Die Kollegen des Magazins SFT gaben dem Musikdienst eine 1,5 (gut), dieselbe Note, wie sie Spotify aus Schweden erhalten hat. Doch die Franzosen haben meines Erachtens dieses gute Abschneiden nicht verdient. Warum? Flash-lastiges Interface, Facebook-Login sowie die Abfrage nach allen Facebook-Daten – auch wenn Facebook geschlossen ist.

Die Apps wirken schön aufgeräumt und erinnern stark an Simfy. Auch Deezer erlaubt das Anlegen von Playlisten und die Suche nach Interpreten, Alben und einzelnen Titeln. Was überrascht: Spotify, Simfy und Co. filtern den Inhalt in Sachen rechter Musik. Bei Deezer findet man dagegen allerhand fragwürdige Interpreten – beispielsweise alte Alben der Böhsen Onkelz.

Deezer darf auch über den Browser genutzt werden. Wer es tut, wird schnell feststellen, dass die Apps mehr Komfort bieten. Zum einen setzt das Unternehmen wie auch Simfy auf Flash und der integrierte Equalizer sowie das Mischpult sind nicht wirklich gut programmiert. Das Geld ist Deezer nicht wert – Simfy beispielsweise ist durchdachter, wirkt reifer und hat mehr Songs zur Auswahl.

“Stöbern in Deezers Plattenschrank macht eine Menge Spaß. Das verdankt der Service vor allem seinem ebenso funktionsgewaltigen wie einfach zu bedienenden Interface”, so das Fazit der Kollegen von SFT. Facebook-Login ok, doch warum der komplette Datenstrom an Deezer gehen soll, konnte uns die Pressestelle nicht beantworten. Bei Simfy und Spotify kann ich dieses von vornherein deaktivieren. Im Test wurden ohne Nachfrage abgespielte Songs auf Facebook gepostet. Das nervte sogleich Freunde.

Rdio.com
Nachdem sich die Bitkom mit der GEMA einigen konnte, startete auch Rdio.com in Deutschland durch. Der Musikdienst aus den USA erlaubt es dem Nutzer, Musik über den Browser, per App oder als Download zu genießen. Im Browser ist der Dienst sehr unübersichtlich, auf dem iPhone, iPod touch sowie auf dem iPad spielt er aber seine Stärken aus: Der Dienst darf sieben Tage getestet werden.

Die Macher von Skype stehen hinter Rdio.com. 12 Millionen Songs warten darauf, gehört zu werden. Wer über einen Netzzugang verfügt, darf auf die gesamte Musikbibliothek zugreifen. Einschränkungen konnten wir im Test nicht ausmachen. Auf dem Heim-PC mit Windows oder Mac OS erreichen Sie Rdio mit dem Adobe Flash Player. Letzterer frisst allerdings an den Ressourcen des Rechners. Für Apples iOS stehen selbstverständlich Apps zur Verfügung.

Und wieder kann ein Musikdienst nur bei den Apps überzeugen. Lässt man Rdio im Browser laufen, verliert der Anwender schnell die Lust am Musikhören. Ist man allerdings mobil unterwegs, bietet der Dienst, wie die Konkurrenz auch, absoluten Musikgenuss ohne aufdringlich zu wirken. Auch Rdio erlaubt es dem Nutzer, Musik offline zu hören – ohne Internetverbindung. Rdio hat Partnerschaften mit allen großen Plattenfirmen (EMI Music, Sony Music Entertainment, Universal Music Group, Warner Music Group) und Tausenden nationalen und internationalen Indie-Labels. Der Dienst ist werbefrei – optisch und akustisch.

Synchronisation via iTunes: Wie auch Spotify bietet der Dienst eine Synchronisation mit iTunes an: Im Test funktionierte das einwandfrei. Wir glichen alle Songs in der eigenen iTunes-Bibliothek mit dem Dienst ab und konnten sofort auf die Datenbank Rdios zugreifen. Die App auf dem iPhone sowie auf dem iPad wirkt nicht überladen und bietet Sammlungen, Playlisten, Neuerscheinungen, Top Charts und Empfehlungen von Freunden.

Die Kosten sind den anderen Diensten angeglichen. Für 4,99 Euro monatlich erhält der Kunde den Browser-Zugriff. Die mobile Erreichbarkeit kostet gewohnt 9,99 Euro im Monat. Neue Nutzer testen Rdio sieben Tage kostenlos.

Internetdienste

SoundCloud
Auch dieser aus Berlin stammende Dienst spielt sich hauptsächlich im Browser ab. Dort tummeln sich Tausende meist unbekannte Künstler. Von Turntablerocker bis hin zum Jazz-Musiker findet der Nutzer einfach alles an Musikstilen.

SoundCloud in der Praxis: Die Künstler selbst nehmen einen Song auf, laden diesen auf die Plattform, und wir Nutzer dürfen diesen dann nicht nur hören, wir sollen kommentieren, unsere Meinung dazu kundtun, und wenn ein Titel gefällt, ist das Mitteilen auf Facebook oder Twitter oberstes Gebot. Der Dienst ist für die reinen Hörer natürlich kostenlos. Für das iPhone und den iPod touch gibt es auch SoundCloud für unterwegs.

Jamendo
Einen ähnlichen Weg geht das Portal Jamendo. Es gehört zu den größten international bekanntesten Internetangeboten für kostenlose und legale Musik-Downloads. In sieben verschiedenen Sprachen bietet die Internetplattform einen umfangreichen Musikkatalog unter Creative Commons Lizenzen an. Künstler können auf einfach Art und Weise ihre Musik veröffentlichen, sie mit anderen teilen, sich selbst promoten und darüber hinaus durch diverse Programme Einnahmen erzielen. Jamendo bietet einen freien Musik-Stream sowie den Download direkt von den Künstlerseiten, der Albumseite, aus einer Playlist und sogar aus dem Jamplayer heraus. Mobile Applikationen sind allerdings Mangelware.

Fazit

Der Testsieger ist zweifelsohne simfy. Das Berliner Unternehmen schafft es, Service und Leistung mit geballter Power in die Cloud zu packen. Auch wenn Spotify noch nicht in Deutschland nutzbar ist: Der Dienst hat es in sich – lediglich die fehlende iPad-App ist zu kritisieren. Wer ihn nutzen darf, sollte es tun. Napster ist dagegen ein Dienst, den man als Apple-Freund getrost ignorieren darf. Schlechte Nutzbarkeit und überteuertes Angebot machen den Dienst unhörbar. Die Internetdienste SoundCloud und Jamendo können individuell überzeugen und sollten definitiv parallel ausprobiert werden – viel Spaß.

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