US-Gericht will Häftlinge per Videokonferenz anhören

Columbia: Videokonferenz statt Gefangenentransport

Die Justizverwaltung in Columbia, Missouri, will Gericht und Gefängnis über ein Videokonferenz-System miteinander verbinden, um Häftlinge befragen und anhören zu können. Durch diese Lösung sollen teure Gefangenentransporte gespart und die Sicherheit erhöht werden.

Die Videokonferenz ist immer ein prima Mittel für Menschen, die zusammenkommen wollen, aber nicht können. Nun wird die Technologie auch für jene eingesetzt, die zusammenkommen müssen, aber nicht sollen. Und zwar plant die Justizverwaltung in Columbia, im US-Bundesstaat Missouri, die Anhörung von Häftlingen im Bezirksgefängnis via Videoübertragung. Dadurch sollen primär Kosten vermieden werden, die durch die täglichen Gefangenentransporte ins rund fünf Meilen entfernte Gerichtsgebäude entstehen.

Die Lösung hat aber noch einen weiteren Effekt: “Der offensichtliche Zusatznutzen ist die Sicherheit”, sagt Richter Robert Aulgur der Columbia Daily Tribune. “Jeder Gefangenentransport ist mit einem Risiko für die Stadt und die Menschen im Gericht verbunden. Solange die Häftlinge das Gefängnis physisch nicht verlassen, können wir diese Bedenken beiseite schieben.”

Bildschirme für Richter, Anklage und Verteidigung

Aulgur ist dabei vor allem die Architektur des Gerichtsgebäudes ein Dorn im Auge. Der Gerichtssaal hat keine seitliche Arrestzelle. Das bedeutet, dass die Häftlinge denselben Weg durch den Sitzungssaal beschreiten wie alle anderen Anwesenden auch.

Diese missliche Situation soll nun ein rund 12.900 US-Dollar teures Videokonferenz-System beenden. 15.000 Dollar hat das Boone County Sheriff’s Department für die Lösung zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die Installation und den laufenden Betrieb übernimmt die Stadtverwaltung. Zum System gehören Bildschirme, die sowohl bei der Anklagebank, der Verteidigung und am Richterpult angebracht sind. Ein weiterer Bildschirm ist so installiert, dass die Zuschauer der Aussage ebenfalls folgen können.

“Das ist ein Sicherheitsproblem”

Bereits vor sechs Monaten wurde das Konferenz-System installiert. Bislang können über die Bildschirme aber nur Video- und Audiobeweise präsentiert werden, weil Übertragungsprobleme zwischen dem Gefängnis und dem Gericht die Videokonferenz noch verhindern.

Zum Leidwesen der Polizei und der Gefängnisverwaltung. Denn Gefängnisleiter Warren Brewer erhofft sich von der Videokonferenzlösung nicht nur eine Minimierung der Kosten, sondern auch eine Entspannung der Personalsituation. Die Wärter, die die Transporte begleiten, fehlen ihm im Gefängnis. “Das ist ein Sicherheitsproblem”, so Brewer. Zudem sei es schwierig neues Personal zu finden, da die Bezahlung schlecht ist. “Ein Gefängniswärter fängt bei weniger als 31.000 Dollar pro Jahr an.”

Für Brewer und seine Kollegen ist also zu hoffen, dass das Videokonferenz-System bald mit seiner Übertragung beginnen kann. Dann wird sich zeigen, ob sich die Erwartungen erfüllen und ob es neben den technischen nicht auch noch rechtliche Hürden zu überwinden gilt. Möglicherweise werden die Häftlinge ihr Recht einklagen wollen, persönlich und physisch vor Gericht erscheinen zu dürfen. Ein Problem, für das die IT ausnahmsweise keine Lösung an.