Geliebter Feind: Warum Samsung und Apple trotz Milliardenstrafe kooperieren werden

Es ist schon bizarres Bild, das Samsung und Apple da abgeben: Weltweit überziehen sich die IT-Riesen mit Klagen, Samsung muss schlussendlich eine Milliarde Dollar Strafe zahlen und will in Berufung gehen. Und doch verbaut Apple munter weiterhin Komponenten der Koreaner in iPhone und iPad. Die Erklärung ist einfach: Es geht um viel Geld – und eine ungewöhnliche Konzernführung.

Wer in diesen Tagen in den Social Networks zu Samsung und Apple liest, der stößt immer wieder auf Android-Fans, die die Welt nicht mehr verstehen: “Warum kündigt Samsung nicht die Verträge mit Apple, nachdem sie doch zu einer Milliardenstrafe verdonnert wurden”, wird da gefragt. Immerhin würde die Produktion von iPhone und iPad umgehend brachliegen – die perfekte Retourkutsche also.

Schließlich verbaut der Konzern aus Cupertino Arbeitsspeicher von Samsung in iPhone und iPad, deren Displays ebenso von Samsung stammen. Würden die Koreaner also den Deal mit Apple canceln, käme das einem Verkaufsstopp gleich. Letzen Endes machen die Bauteile des Konzerns, den man erfolgreich wegen Patentverletzungen an Apple-Produkten verklagte, diese Produkte erst möglich. Doch ein Bruch der bestehenden Verträge wird nicht passieren, beide Unternehmen brauchen sich.

26 Prozent der bestellten Bauteile von Samsung

Wie die Nachrichtenagentur unter Berufung auf aktuelle Geschäftszahlen berichtet, entfallen ganze 26 Prozent der Ausgaben für Bauteile von Apple auf Samsung-Komponenten. Nehmen wir etwa die Rekordausgaben von 1,15 Milliarden Dollar für noch nicht verbaute Komponenten in nur einem Quartal, verdiente Samsung damit rund 300 Millionen Dollar. Nicht nur Apple, auch Nokia, HTC und Sony greifen auf Samsung-Bauteile zurück. 13 Milliarden Dollar will das Unternehmen im kommenden Jahr allein mit Bauteilen umsetzen.

Dass die beiden rivalisierenden Konzerne immer noch zusammenarbeiten, liegt auch an der ungewöhnlichen Führungsstruktur Samsungs. Wie Reuters weiter berichtet, berief der Firmenvorstand nach der Urteilsverkündung am Sonntag eine Notfallsitzung ein – allerdings ohne CEO Kwon Oh-hyun. Und das mit voller Absicht.

Denn Kwon ist in erster Linie für das lukrative Komponentengeschäft verantwortlich. Die Sitzung führten allerdings Samsungs Vize Choi Gee-sung mit dem Leiter der Mobile-Abteilung JK Shin. Es ist eine Strategie, die die Koreaner frühzeitig einführten, um auf dem Smartphone- und Tabletmarkt zu expandieren, ohne dabei die Verträge mit Großabnehmern von Komponenten zu torpedieren. Nach dem Motto “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß” garantiert das Unternehmen auf diese Weise, dass Entwicklungen in einem Segment nicht die Konzernpläne in einem anderen Segment behindern.

Nichtsdestostrotz versucht Apple, sich unabhängiger von Samsung aufzustellen. Bei den Display will man in Cupertino verstärkt auf LG setzen, beim Arbeitsspeicher auf Komponenten von SK Hynix. Währenddessen versucht auch Samsung sich breiter aufzustellen, um unabhängiger von Aufträgen aus Cupertino zu werden.

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