GDC Europe: "Social Games werden Spiele zum Massenmedium machen"

Social- und Mobile Gaming macht uns alle zu Zockern. Auf der Games Developer Conference Europe waren die Nachfolger der “Angry Birds” das beherrschende Thema. Mehr als 2100 Profis aus 57 Ländern tauschten sich drei Tage lang über Neuigkeiten und Trends der Branche aus und gaben einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. 
Wooga-Gründer und Geschäftsführer Jens Begemann stellte am ersten Tag der GDC das Spiel “Magic Land” vor. Ein neues  Social Game für Facebook, das eine märchenhafte Story mit  mittelalterliche Bräuche und Sagen in einem Mix aus Rollenspiel-, Dorfbau-Simulation- und Adventure-Game-Features vereint. Magic Land bietet dabei für Facebook-Spiele besonders hochentwickelte Charaktere, hohe Qualität in Grafik und einen Spielaufbau, der auf langfristigen Spielspaß mit echten Freunden setzt.

In seiner Keynote über den Wandel der Spieleindustrie zu einem Massen-Unterhaltungsmarkt führt Begemann aus: “Social Games werden die Spielebranche zum Massenunterhaltungsmedium schlechthin machen. Der nächste Evolutionsschritt wird es sein, die Identifikation des Spielers mit dem Spiel zu vergrößern, indem erhöhte Spieltiefe mit weiterentwickelter sozialer Kooperation, Interaktion und Kommunikation verknüpft werden. Mit Magic Land bewegen wir uns in diese Richtung.“

“Ich spiele heutzutage mehr als jemals zuvor”
Auch Entwickler-Urgestein Richard Garriott stellte in Köln die Social Games als große Chance für Entwickler von Rollenspielen dar, mehr Kunden zu erreichen als jemals zuvor. „Ich spiele heutzutage mehr als jemals zuvor“, schilderte der inzwischen 50-jährige Garriott seine Spielgewohnheiten. „Aber die Spiele, die ich in den letzten Jahre ausprobiert habe, laufen alle auf meinem Mobiltelefon“.

Ausgehend von einem reinen Soloplayer-Markt in den 80er und 90er Jahren mit einer Spielerbasis von rund einer Million pro Titel, habe sich die Zielgruppe der Entwickler in den letzten Jahren durch den Trend der  Massively Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPG) nahezu verzehnfacht. Für Garriott sind die mobilen Spiele nun die dritte Evolutionsstufe, die der Branche zu bisher ungeahnter Popularität verhelfen könne.

Garriott hält 100 Millionen Spieler pro Titel für realistisch. Über die Verknüpfung mit sozialen Netzwerken und die Einbindung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets könnten die Spieler endlich mit Freunden konkurrieren, mit denen sie auch sonst interagieren. Ähnlich äußerte sich auch Cevat Yerli, CEO von Crytek, bekannt für PC-Spieleklassiker wie Far Cry und Crysis.

Das Modell „Free to Play“ sieht er als große Chance für die Branche nachhaltig zu wachsen und den Ansprüchen der Nutzer gerecht zu werden. Yerli erläuterte, dass nicht jeder 50 Euro auf einen Schlag für ein Spiel auf den Tisch legen kann oder dazu bereit ist – das Free-to-Play-Modell ermöglicht es dagegen, kostenlos in ein Spiel einzutauchen und bei Bedarf etwa bessere Ausrüstungsgegenstände zu kaufen. Ist die Spielerbasis groß genug, reicht es schon, wenn nur eine Minderheit Geld für solche Zusatzleistungen ausgibt, um profitabel zu sein.

Casual Games werden anspruchsvoller
Das soll Cryteks im kommenden Jahr erwarteter Online-Action-Kracher Warface zeigen, Eine entscheidende Rolle spielt hier die Endwicklung der mobilen Endgeräte. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland 7 Millionen Spiele-Apps für Smartphones oder Tablets in Deutschland verkauft, 13 Prozent mehr als in den Vorjahresmonaten. Das geht aus Marktzahlen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) hervor. Im ganzen Jahr 2010 waren es 13 Millionen Apps.

Waren es im letzten Jahr vor allem grafisch simple Games wie Angry Birds oder Blast Monkey, zeichnet sich nun eine neue Entwicklung ab, die weitreichende Veränderungen in der gesamten Videosspiele-Welt ausgelöst hat. Bessere Displays, schnellere Prozessoren und eine Grafikleistung, die sich ständig weiterentwickelt: Auf Smartphones und Tablet-PCs laufen längst auch anspruchsvollere Spiele – und viele, die sich wahrscheinlich nie eine mobile Konsole gekauft hätten, probieren die Games für unterwegs aus.

Der Hamburger Entwickler Fishlabs ist zum Beispiel mit seiner grafisch anspruchsvollen Weltraum-Flugsimulation “Galaxy on Fire” für Smartphones und Tablets erfolgreich.
Zweiter großer Vorteil: “Mobile Spiele erschließen Zeitfenster, die PC oder Konsole nicht abdecken”, sagt Fishlabs Gründer Michael Schade. Sie ließen sich auch für eine halbe Stunde auf dem Sofa oder unterwegs spielen.

Grenzen zwischen Android und iOS werden fließend
Epic Games CEO Dr. Michael Capps berichtete am zweiten Tag der GDC von seinen Erfahrungen im Feld der Mobile Games. Epic Games, bisher bekannt für die Entwicklung von Spielen wie Unreal und Gears of War, setze ebenfalls vermehrt auch auf Smartphone- und Tabletgames. Bestes Beispiel hier ist der Erfolg von Infinty Blade, ein Spiel für iOS – im Moment für 7.99 € im AppStore für iPhone und iPad zu haben.

Für welches Betriebssystem ein Game entwickelt wurde, wird in Zukunft übrigens immer mehr in den Hintergrund treten, glaubt Michael Schade von Fishlabs. Denn es gibt Programme, die Spiele für andere Plattformen “übersetzen” können, zum Beispiel von iOS auf Android oder umgekehrt. Beispiele sind die Delta Engine vom Hamburger Unternehmen MobileBits, Unity 3D von Unity Technologies aus San Francisco oder auch Abyss von Fishlabs.

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