Gaga-Spot "Street Challenge": Samsung, der iRubikon ist sowas von überschritten!

Samsung hat in den vergangenen Monaten auf dem Rücken von iPhone-Fans Werbung gemacht. Mit dem neuesten Clip schießt das Unternehmen allerdings den Vogel ab und lässt in einem fingierten Wettbewerb ein Pärchen gegeneinander antreten, das ungleicher nicht sein könnte. Das ist dumpf. Samsung, es reicht!

Ich mag Samsungs Produkte. Das Galaxy Tab kann sich durchaus sehen lassen, das Samsung Note hat ein tolles Display. Allerdings scheint der koreanische IT-Riese in Sachen Werbung die Grenzen des guten Geschmacks vollkommen verlassen zu haben.

In den Wochen vor dem Superbowl lancierte das Unternehmen unter großer medialer Beachtung seiner “The next big thing”-Kampagne. Wir berichteten mehrmals darüber. Die Machart der Clips war immer dieselbe: iPhone-Fans wurden vorgeführt. Anstatt ausgiebig Werbung für das eigene Produkt zu machen, persiflierte man lieber den Apple-Kult. Was lässig wirken sollte, triefte vor Neid.

Jetzt ging Samsung noch einen Schritt weiter – auf die Straße, um genau zu sein. In einer vermeintlichen “Street Challenge” lässt ein Moderator zwei Personen gegeneinander antreten. Angeblich habe man sie vorher mit den Geräten spielen lassen, um sie dann “gleichberechtigt” vor bestimmte Aufgaben zu stellen.

Die ungleichen Konkurrenten: ein scheinbar gebriefter Schauspieler mit einem Samsung Note und eine technophobe Lady mit einem iPhone 4S. Abgesehen davon, dass das iPhone so jungfräulich daherkommt, als ob der Moderator es kurz vor dem Dreh aus dem Apple Store gestohlen hätte, hinkt der Contest gewaltig.

Während der Mann das Gerät auswendig zu kennen scheint, wirkt die Frau nicht vom iPhone allein, sondern von den an sie gestellten Aufgaben vollends überfordert. Als wär das noch nicht genug, lässt Samsung sie im Gleichtakt vor Stauen den Mund aufreißen oder in andauernden Kaskaden “Oh my god” heucheln, wenn sie ehrfürchtig auf das Samsung Note blickt. In dem vermeintlichen Contest will Samsung die schiere Überlegenheit seiner wohl genialsten Erfindung der vergangenen Jahre demonstrieren: den Stift.

Samsungs Hau-Drauf-Strategie

Um ehrlich zu sein: Wenn ich in den vergangenen Jahren auf dem iPhone eines nicht vermisst habe, dann ist es die Möglichkeit, mit einem Stift gageske Collagen von meinem Kopf auf einer Geburtstagstorte umringt von selbstgemalten Katzenbabys zu gestalten.Und wenn ich es wollen würde, würde ich mir die entsprechende App herunterladen und diesen Laiendarsteller und sein verstocktes Smartphone pulverisieren.

Mit dieser derart plumpen Masche hat Samsung es geschafft, die niederen Instinkte in mir zu wecken. Ich fühle mich gezwungen, mein iOS-Revier zu verteidigen, obwohl ich eigentlich kein Problem mit der Androidwelt habe.Daran ist auch Samsungs PR-Maschinerie schuld. Weitere Beispiele gefällig: Vor einigen Wochen sorgte der Konzern für Aufruhr, als man für das Galaxy Tab zufällig genau das Kinder-Model verpflichtete, das auch für das iPhone 4S warb.

Ende 2011 schaltete Samsung außerdem in der australischen Tageszeitung “Sun-Herald” eine Anzeige für das Galaxy Tab als “das Tablet, das Apple aufhalten wollte”. Wem das noch nicht plump genug war, der der konnte auf der US-Fanpage von Samsung ein Kampagne begutachten, die das iPhone 4S als “old school” abtat.

Keine klare Bildsprache erkennbar

Warum Samung so verzweifelt auf den Apple-Kult eindrischt ist klar: Das Unternehmen hat eine ganze Batterie von Smartphones und Tablet im Angebot. Und dennoch holt sich Apple mit zwei Produkten, dem iPhone und dem iPad, den Löwenanteil ab. Im vierten Quartal 2011 verkaufte der kalifornische Konzern aus Kalifornien so viele Smartphones wie sonst kein anderer Anbieter. Auf 35,46 Millionen verkaufte iPhones kamen nur 24 Millionen Samsung-Smartphones.

Und beim iPad? Hier musste Apple zwar Marktanteile abgeben, von 75,3 auf 63 Prozent, führt den Markt aber weiterhin um Längen an. Mit einem Gerät, während Samsung eine ganze Armada vermeintlicher iPad-Killer im Angebot hat.

Vielleicht wäre Samsung gut beraten, in seiner Werbespots künftig einfach mehr Werbung für die eigenen Produkte zu machen, anstatt die Konkurrenz zu bashen. Doch mit der eigenen Bildsprache scheint es noch zu hapern. Oder hätten Sie gewusst, dass der folgende Clip nicht für Handcrème sondern ein Galaxy S2 wirbt?