Frankfurter Rundschau: Vorhang auf für die Zeitung der Zukunft

Frankfurter Rundschau für's iPadDie Frankfurter Rundschau (FR) hat sich mit ihrer ersten App Zeit gelassen. Aber das Warten hat sich gelohnt. Die App des DuMont-Verlags setzt den neuen Maßstab in der Verlagsbranche. Keine Kopie der Printausgabe und auch kein verkappter Browser: FR-Kiosk ist die erste Zeitungs-App, die wirklichen Mehrwert bietet. Ein Testbericht.

“Dass wir nicht die allerersten auf dem iPad waren, liegt daran, dass wir einen anderen Ansatz verfolgen als andere Verlage”, sagt FR-Chefredakteur Rouven Schellenberger. Und tatsächlich ist die App die beste Tageszeitungs-App, die uns bisher untergekommen ist.

Um mit der Zusammenfassung zu beginnen: Erstmals können wir uns vorstellen, dass eine relevante Gruppe von Menschen bereit ist, für die in einer App aufbereiteten Inhalte zu bezahlen, selbst wenn es den Content an anderer Stelle umsonst gibt. Denn der App der Frankfurter Rundschau gelingt, wonach andere noch suchen: Tagesaktuell aufbereitete Inhalte in einer Form zu präsentieren, die sowohl im Vergleich zur Browser- als auch zur Print-Variante einen deutlichen Mehrwert erkennen lässt.

Was uns überzeugt:

1) Die Bedienung der App

Die Navigation innerhalb der App ist simpel, der Logik einer Print-Zeitung angelehnt und dennoch Tablet-spezifisch.

Jedes Thema wird individuell auf einem kompletten Screen angerissen.

FR Aufmacher

Wer sich in das Thema vertiefen will, scrollt nach unten, …

FR Navigaton unten

… wer zum nächsten Thema wechseln möchte, “blättert” nach rechts.

FR Navigation rechts

2) Die Inhalte sind an das iPad angepasst

Jedes Thema ist individuell für das iPad gestaltet. Das sieht nicht nur aufwändig gemacht aus, sondern ist es auch.

Schellenberger im Meedia-Interview:

Wir wollen pro Tag drei bis vier Top-Geschichten in die App bringen. Das sind Geschichten, die wir sehr aufwändig multimedial mit allen verfügbaren Möglichkeiten ausbauen. Diese Geschichten müssen wegen der anspruchsvollen Produktion schon früh festgelegt werden. Eine zweite Kategorie von Geschichten wird mit Bilderstrecken oder kleinen Info-Zusätzen angereichert. Und drittens gibt es ganz normale Geschichten mit Bildern und Text.

Das kompakte Tabloid-Format der Printausgabe scheint dem iPad-Ableger zu helfen.

Das (Tabloid-Format, Anmerkung der Redaktion) ist vor allem mit Blick auf die Arbeitsprozesse ein riesiger Vorteil. Mit dem Print-Tabloid haben wir gelernt, Themen entweder sehr groß oder sehr klein zu machen. Den klassischen 60-Zeiler wollen wir vermeiden. Die großen Geschichten brechen wir auf verschiedenen Darstellungsebenen auf. Diese Art des Geschichtenerzählens ist wie geschaffen für das iPad. Wir müssen auf dem iPad nur eine Balance zwischen harter Information und schöner Darstellung finden. Und zudem noch den Spieltrieb der Nutzer befriedigen.

3) Jede Ausgabe hat einen klar erkennbaren Anfang und ein Ende

Der Vorteil von Print ist die Haptik. Ob Buch oder Tageszeitung, beim Lesen ist man jederzeit im Bilde, wo man sich befindet, wie viel noch zu lesen bleibt. “Eine klare Navigation mit Anfang und Ende war sehr wichtig für die Testleser”, sagt Schellenberger.

Digitale Lesegeräte sind hier im Nachteil. Und kann diesen doch abmildern. Die FR-App macht dies an zwei Stellen. Zum einen gibt es am Beginn jeder Ausgabe eine ansprechende Übersichtsseite.

FR-Übersicht oberer Teil

FR-Übersicht unterer Teil

Außerdem lässt sich jederzeit über die Menüleiste am unteren Ende eine Navigation aufrufen, mit der man die Übersicht aller Seiten erhält und jede Seite einzeln ansteuern kann.

FR Navigation

Und wenn die Ereignisse schneller sind als die Zeitung mit ihrem Nachrichtenstand von gestern, dann hilft ein Klick auf den Newsticker, …..

FR News-Button

… um minutenaktuelle Nachrichten zu sehen.

FR News

4) Attraktives Preismodell

Wer seine Inhalte digital verteilt, der braucht kein Papier, keine Druckerfarbe, keine Maschinen, keine Austräger. Deswegen sollte eine solche Ausgabe auch billiger als Print sein. Die gedruckte Frankfurter Rundschau kostet 1,60 Euro, die digitale Variante 79 Cent. Das klingt fair.

Am 23. September soll die App im App Store erscheinen. Aktuell ist sie noch nicht auffindbar. Wir konnten die App dennoch testen, weil sie vergangene Woche für wenige Stunden bereits im App Store war.

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Update, 23. September 2010, 7:28 Uhr: Tatsächlich ist die App der Frankfurter Rundschau wie angekündigt heute im App Store erschienen. Sie heißt aber nicht mehr, wie vergangene Woche “FR-Kiosk”, sondern schlicht und treffend “Frankfurter Rundschau”.