Flappy Bird, Nokia-Übernahme, Heartbleed und mehr: Das war das IT-Jahr 2014

Das IT-Jahr 2014 war geprägt von Trends und Innovationen. TECHTAG wirft einen Blick in den Rückspiegel und erinnert an die wichtigsten Trends und Ereignisse.

Flappy Bird

Haben Sie schon mal von Dong Nguyen gehört? Die Erfindung des vietnamisischen Software-Entwicklers war Anfang des Jahres ein riesiger Hype. Die App schoss innerhalb kürzester Zeit an die Spitze sämtlicher App Stores und sorgte mit seinem simplen aber gleichermaßen kniffeligem Spielprinzip für viel Ärger und verlorene Zeit. Die Rede ist natürlich von Flappy Bird. Die Flappy-Bird-Geschichte ist aber nicht nur aufgrund des riesigen Erfolgs spannend, sondern auch durch ihre kontroverse Geschichte die mit Nguyens Ankündigung, das Spiel einzustellen, da er “das alles nicht mehr ertragen” könne. Nach der Löschung folgten nicht nur jede Menge Vermutungen zu den Beweggründen des Entwicklers, sondern auch Versteigerungen von iPhones mit vorinstalliertem Flappy Birds zu teils absurden Preisen im fünfstelligen Bereich. Inzwischen tummeln sich auf Google Play, dem Apple App Store und Microsofts Windows Phone Store zahlreiche Klone, die auf der Welle von Flappy Bird reiten. Zurückgekehrt ist das Spiel bisher noch nicht.

Microsoft Surface Pro 3

Wie eine erfolgreiche Rückkehr aussieht, zeigte Microsoft im Mai 2014 mit dem Surface Pro 3. Seit Apple mit dem iPad die Post-PC-Ära eingeläutet hat, hatte Microsoft die Rolle des Zuschauers. Nun haben die Redmonder eine Antwort auf die Innovation aus Cuptertino gefunden. Statt sich zwischen Laptop und Tablet entscheiden zu müssen, zeigt Microsoft wie eine funktionale Kombination aus beiden Gattungen aussehen kann. Statt Windows RT, das nur sogenannte moderne Apps unterstützt, läuft auf Microsofts Tablet ein vollwertiges Windows-System. Der 12-Zoll-Bildschirm ist nicht nur hochauflösend, sondern auch vielfältig als Touchdisplay oder mit einem Stift bedienbar. Ein Allrounder, mit dem Microsoft eine Vorlage für andere Hersteller schuf und offensiv gegen Apple antritt.

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Motorola Moto 360

Nicht ganz so revolutionär, aber immerhin eine absolute Neuerung im Smartwatch-Business war die Android-basierte Moto 360, die Motorola Mobility Mitte März präsentierte. Ersten Tests zufolge konnte die Uhr weder aus Hardware- noch aus Software-Sicht überzeugen. Das inzwischen zu Lenovo gehörende IT-Unternehmen kann sich aber trotzdem auf die Fahne schreiben, der erste Hersteller mit runden Android-basierten Smartwatch gewesen zu sein. In Sachen Design dürfte die ehemalige Google-Tochter den Startschuss für smarte Armbanduhren jenseits der quadratischen Form gegeben haben. Künftige Smartwatches werden sich – zumindest bis Apple mit der Apple Watch den Markt betritt – gegen die Moto 360 behaupten müssen.

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Google Cardboard

Entwickelt sich die aktuelle Technik weiter wie bisher, werden Virtual-Reality-Brillen wie die Ocolus Rift schon auf absehbare Zeit zur Mainstream-Elektronik gehören. Bis es soweit ist, können sich zumindest Besitzer eines Google Nexus 4 und 5, Motorola Moto X sowie weiterer Android-4.1-Smartphones mit mit einer VR-Brille aus Karton mit der Technik vertraut machen. Das von David Coz und Damien Henry in Googles Cultural Institute in Paris entwickelte Google Cardboard wurde auf Googles Entwicklerkonferenz Google I/O präsentiert und verteilt. Google verschickt die VR-Brille Marke Eigenbau zwar nicht, dafür steht unter https://cardboard.withgoogle.com eine komplette Material-Liste samt Anleitung zum kostenlosen Download bereit.

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Netflix

Wer auch komplett ohne smarte Brille komplett die Realität verlieren will, kann seit September auch in Deutschland in die Film- und Serienwelt von Netflix eintauchen. Der beliebte US-amerikanische Streamingdienst brilliert zwar nicht durch aktuelle Blockbuster, dafür stehen jede Menge ältere Serien und Filme in der Originalversion zum Abruf bereit. Für die hiesigen Streaming-Anbieter ist Netflix vor allem aufgrund des günstigen Preises eine bittere Pille. Aufgrund der Makrtgröße ist Netflix aber auch in der Lage, einige Exklusivtitel wie House of Cards, Orange is the New Black oder Lilyhammer zu produzieren. Die Verfügbarkeit in einer Vielzahl von Ländern versetzt Netflix zudem in die einzigartige Position, mit Lizenzgebern über Inhalte zu verhandeln.

Was Google tut

“Wenn dein Haus abbrennt, bekommst du ab sofort Google-Anzeigen für Feuerlöscher”, so ein nicht ganz ernst zu nehmender Kommentar zu Googles Übernahme des Thermostat-Herstellers Nest Anfang des Jahres. Ganze 3,2 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 2,6 Milliarden Euro, zahlte Google für das Unternehmen des “iPod-Vaters” Tony Fadell. Für Google bedeutet der Zukauf nicht nur spannende Hardware, sondern auch der Gewinn einer Persönlichkeit, die in Sachen Kreativität, Technologiekenntnis und Präsentationskunst für Google im Hardware-Bereich eine wichtige Rolle spielen kann. Was sich hinter den Kulissen tut, ist Spekulationssache. Offensichtlich ist hingegen Nests Expansionskurs, der mit dem Verkaufsstart in Frankreich, Irland, Belgien und den Niederlanden seit der Internationalen Funkaustellung im September ein neues Level erreichte. Wann Nest nach Deutschland kommt, ist bisher noch nicht bekannt.

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Googles anderes Hardware-Geschäft mit dem erst Mitte 2011 übernommenen Smartphone-Herstellers Motorola Mobility gab der Suchmaschinengigant bereits zweieinhalb Jahre später auf. Ende Januar verscherbelte Google Motorolas Mobilfunksparte für umgerechnet 2,36 Milliarden Euro an den chinesischen Computer-Hersteller Lenovo. Obwohl Google dauerhaft von einigen Motorola-Patenten profitieren dürfte, hat das Experiment das Unternehmen schlappe 7,74 Milliarden Euro gekostet.

Nokia vor dem Neuanfang

Mit Nokias Mobilfunksparte wechselte ein weiterer ehemals großer Handy-Hersteller im April den Eigentümer. Die Übername durch Microsoft für 7,2 Milliarden US-Dollar (5,84 Milliarden Euro) war aufgrund von Nokias schwächelndem Absatz jedoch abzusehen. Statt zweigleisig zu fahren und neben Windows-Phone-basierten Smartphones auch Android-Geräte anzubieten, hatte sich Nokia bereits frühzeitig Microsofts mobilem Betriebssystem verpflichtet. Die Präsentation des Android-basierten Nokia X Anfang des Jahres kam für die Finnen mehrere Jahre zu spät. Microsoft erhält hingegen auf einen Schlag das gesammelte Mobilfunk-Know-how des traditionsreichen Unternehmens und kann mit der Strategie, Hard- und Software aus einer Hand zu bieten, im kommenden Jahr Marktanteile wettmachen. Für Nokia bedeutete der Verkauf den vorläufigen Ausstieg aus dem Handy-Geschäft: Telefone darf Nokia auf absehbare Zeit nicht mehr produzieren, lediglich Netzwerkausrüstung, der HERE-Kartendienst sowie seit kurzem ein Android-Tablet halten das finnische Unternehmen weiterhin am Leben.

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Microsoft rüstet sich für die Zukunft

Microsoft war 2014 gleich für mehrere Überraschungen gut: Im September verleibte sich der Software-Konzern aus Redmond den Spielehit Minecraft für umgerechnet gut zwei Milliarden Euro ein. Das Blöckchen-Bau-Spiel wurde seit seinem Start vor gut vier Jahren mehr als 100 Millionen mal heruntergeladen. Da Microsoft angekündigt hat das Spiel auch weiterhin für verschiedene Spielekonsolen, Smartphone- und Desktop-Betriebssysteme anzubieten, muss man davon ausgehen, dass die Redmonder vor allem vom Know-how der Entwickler sowie der Beliebtheit des Spiels profitieren wollen.

Minecraft
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Preis: 7,99 €+
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Minecraft
Entwickler: Mojang
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Ob Microsofts bisheriger CEO Steve Ballmer sich einer solchen Spielerei hingegeben hätte, ist fraglich. Mit dem neuen Microsoft-Obersten Satya Nadella scheint in Redmond auf jeden Fall ein neuer Wind zu wehen. Was der Wechsel an der Spitze konkret bedeutet, wird aber erst im kommenden Jahr deutlich, wenn Microsoft sein Zugpferd Windows in einer neuen einheitlichen Version für Desktops, Laptops, Tablets, Smartphones und die Xbox One präsentiert. Einen ersten Eindruck gab der neue Microsoft-Chef in einem ersten internen Interview.

Facebook setzt Eckpfeiler

Ein anderer Konzern im Kaufrausch ist Facebook. Aufsehenerrendestes Investment: Der Kauf des beliebten Smartphone-Messenger WhatsApp im Februar für 16 Milliarden US-Dollar, umgerechnet knapp 12 Milliarden Euro. Gezahlt wurden aber nur vier Milliarden, den Rest tilgte das soziale Netzwerk in Aktien. Für Facebook ist der Schritt nachvollziehbar: Die Kombination aus Facebook Messenger und WhatsApp hat Facebook zum unangefochtenen Instant-Messaging-Anbieter gemacht, zumindest in Europa und den USA.

Nur einen Monat später folgte die Einverleibung der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, für den Zuckerberg 400 Millionen US-Dollar in bar und weitere 1,6 Milliarden US-Dollar in Facebook-Aktien zahlte. Laut Zuckerberg will Facebook mit der Videobrille, die unabhängig von Facebook weiterentwickelt werden soll, eine “Plattform für Erlebnisse […] wie einen Premium-Platz im Stadion” oder ein “Vier-Augen-Gespräch mit einem Doktor” ermöglichen. Im Endeffekt würde eine solche Brille vermutlich für mehr Aufenthalt auf Facebook sorgen und somit mehr Werbeeinnahmen bedeuten. Eine Veröffentlichung für den Massenmarkt steht vermutlich 2015 bevor.

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Apples teuerster Einkauf

Auch Apple war umtriebig. 2013 übernahm der Konzern 13 Unternehmen, 2014 waren es mindestens acht. Die teuerste Übernahme, nicht nur im zurückliegenden Jahr sondern in Apples kompletter Unternehmensgeschichte, war der Kauf des Kopfhörerherstellers Beats für drei Milliarden US-Dollar. Mit dem Unternehmen erhält Apple nicht nur dringend benötigte Unterstützung bei der Entwicklung von Hi-Fi-Kopfhörern, sondern auch Musikstreaming-Know-how. Apples eigener Spotify-Konkurrent iTunes Radio ist nach wie vor nur in den USA und Australien verfügbar, und das mit mangelndem Erfolg. Die gute Vernetzung in der Musikbranche der Beats-Mitbegründer Jimmy Iovine und André Romell Young, alias Dr. Dre, sind für Apple ein zusätzlicher Bonus.

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Ade, Windows XP!

Mit dem Start der Entwicklung Ende 1990 über die Veröffentlichung im Herbst 2001 und dem offiziellen Support-Ende im April dieses Jahres ist Windows XP mit 24 Jahren nun Teil der IT-Geschichte. Das Support-Ende, das Microsoft in letzter Sekunde noch um drei Monate verlängerte, war vor allem aufgrund der noch immer hohen Verbreitung umstritten. Im Dezember 2013 belief sich der Marktanteil des Dinosauriers noch auf etwa 30 Prozent. Inzwischen ist dieser auf 13,57 Prozent gesunken.

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Anders als von Microsoft erhofft, ist aber nicht nur Windows 8 gewachsen, sondern auch der Anteil des ebenfalls nicht mehr erhältlichen Windows 7. Dass von der Nutzung von Windows XP tatsächlich eine Gefahr ausgeht, zeigte eine schwerwiegende Sicherheitslücke, die nur drei Wochen nach dem Support-Ende auftrat, von Microsoft jedoch noch gestopft wurde. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte mindestens auf Windows 7 hochrüsten, das Microsoft noch bis 2020 mit Updates und Sicherheits-Patches versorgt. Andere Kunden lassen sich die exklusive Verlängerung des Supports einiges kosten, darunter auch der Deutsche Bundestag mit 120.000 Euro. Voraussichtlich Ende Januar 2015 soll hier der letzte Arbeitsplatz umgerüstet sein.

Attacke durch Heartbleed

Anders als das Support-Ende von Windows XP, das lange vorher geplant war, schoss die OpenSSL-Sicherheitslücke Heartbleed komplett unvorbereitet auf die To-Do-Listen der IT-Admins. Betroffen waren sämtliche Systeme, deren Verbindungssicherung auf dem freien OpenSSL basierten. Verursacht wurde die Lücke durch einen Programmierfehler in der Heartbeat-Funktion, die Sender und Empfänger Statusinformationen auszutauschen lässt. Das Update legte die Überprüfung des Speicherzugriffs lahm und ermöglichte dadurch das Auslesen von Informationen ohne eine Spur zu hinterlassen. Eine unbekannte Anzahl von E-Mails, Passwörtern, Benutzerdaten und sogar die geheimen Schlüssel des Server-Zertifikats wanderten so auf die Rechner von Hackern.

Für die IT-Welt bedeutete die Lücke nicht nur Nachtschichten um ein schnellstmögliches Update der OpenSSL-Verschlüsselung auszuführen, sondern auch der Austausch von Server-Zertifikaten und die unangenehme Aufgabe, Betroffene darum zu bitten ihr Passwort schnellstmöglich zu ändern. Auch vor großen Unternehmen wie Google, Facebook, oder Pinterest machte Heartbleed nicht halt. Wer die Passwort-Änderung vergessen hat, sollte schleunigst überprüfen ob es noch einen Login zu ändern gibt.

Recht auf Vergessen

Das Internet vergisst nichts, sagt man. Genau dies war dem Spanier Mario Costeja González aber ein Dorn im Auge. 1998 musste González aufgrund von Steuerschulden sein Haus versteigern. Die spanische Zeitung La Vanguardia berichtete darüber und bietet den Artikel bis heute online zum Aufruf an. Eine Google-Suche nach dem Betroffenen sorgte so auch 15 Jahre später für eine Verknüpfung mit den Ereignissen. Die spanische Datenschutzbehörte Agencia Española de Protección de Datos, kurz AEPD, lehnte eine Klage gegenüber der Tageszeitung ab, da die Informationen zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels rechtens waren. Google verdonnerten die Datenschützer hingegen, die notwendigen Schritte einzuleiten, um die Privatsphäre des Klägers zu schützen.

Der Streit endete im Mai 2014 mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zugunsten des Klägers. Seitdem ist es Privatpersonen möglich, Links auf Suchmaschinen entfernen zu lassen, sofern eine Suche nach dem Namen zu einer Seite mit personenbezogenen Daten führt. Das Recht auf Vergessen stellt damit seitdem eine zweifelhafte Möglichkeit dar, Informationen unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt in den Tiefen des Internets zu verstecken.

Apple mit Macke

Nicht schlecht staunten die Käufer des neuen iPhone 6, die im Anschluss an ein Software-Update keine Mobilfunkverbindung mehr hatten. Nun könnte man meinen, bei einem neuen Gerät sei dies nicht so tragisch, da die Verbreitung sowieso noch nicht sonderlich hoch ist. Mit über zehn Millionen verkauften iPhones in den ersten drei Tagen sorgte Apple mit einem fehlerhaften Update jedoch für ordentlich Ärger. iOS 8.0.1 legte nämlich nicht nur verzichtbares Features wie den Fingerabdruck-Scanner Touch ID lahm, sondern auch die Verbindung zum Mobilfunknetz. iOS 8.0.2 folgte nur zwei Tage später, enthielt jedoch einen weiteren Bug mit dem iPhone-Anwender nichtsahnend durch eine falsche Einstellung ihren kompletten Online-Speicher iCloud Drive löschen konnten. Inzwischen ist das iPhone- und iPad-Betriebssystem dank iOS 8.1 weitestgehend Bug-frei.

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