Finnische Fakes: Wie sich Nokia mit dem neuen Lumia blamiert

Wer wissen will, wie man eine Produktvorführung mit Anlauf in den Sand setzt, der sollte seinen Blick gen Finnland richten: Nokia wollte es mit seinem Lumia 920 noch einmal wissen. Und veräppelte Fans und Presse nach Strich und Faden.

Mit der großen Revolution hat es nicht geklappt. Vom Start weg blieb das Nokia Lumia mit Windows Phone 7 ein Ladenhüter. Zu wenig verkauft der Konzern, um den Vorsprung von Samsung und Apple zu verringern. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, dass der ehemalige Handyriese mit dem “Reboot” auch einen sauberen Neustart hinlegt.

Denkste! Denn derzeit haben die Finnen weniger mit Kritiken zu ihrem neuen Produkt zu kämpfen, sondern mit einem Fake-Skandal. Genauer: mit zwei Fakes, mit denen das Unternehmen sein Produkt in ein besseres Licht rücken wollte.

Die Rede ist von OIS, einem neuen Kamera-Feature, das aus dem Lumia 920 ein hochwertiges Kamera-Smartphone machen soll. Dazu warb Nokia mit zahlreichen Motiven und einem Werbespot. Nun scheint sich herauszukristallisieren, dass das Unternehmen bei der Qualität der Aufnahmen enorm nachgeholfen hat. Mehr als das.

Wie MobileGeeks berichtet, hätte ein finnischer Blogger darauf hingewiesen, dass es die gezeigten Plätze auf den Motiven so nicht in Helsinki gibt. Etwa bei den Lichtern hätte das Unternehmen wohl nicht auf die reguläre Straßenbeleuchtung vertraut, sondern zusätzliche Lampen aufgehängt.

Weitere Bilder liefern Hinweise, dass das Material überhaupt nicht mit einem Smartphone aufgenommen sein kann. Etwa die optischen Effekte, die bei Langzeitbelichtungen auftreten. Vergleicht man diese Aufnahmen mit Fotos, die tatsächlich mit einem Nokia-Handy geschossen wurden, wird der Unterschied umso deutlicher. Schließlich tauchte auch noch ein Bild vom den Fotoshooting in Helsinki auf, auf dem die Linse einer DSLR zu sehen ist.

Damit nicht genug: Wie TheVerge herausgefunden hat, tricksten die Finner sogar beim Werbespot, mit dem Nokia auf den eingebauten Bildstabilisator hinweisen wollte. Die Blogger ließen den Clip rückwärts laufen. In Slow-Motion ist in einer Glasscheibe im Hintergrund die Spiegelung eines Kamerateams zu sehen. Nix Smartphone, sondern hochwertige Filmkamera plus teurer Steadycam zur Bildstabilisierung. Nokia entschuldigte sich mittlerweile für den Faux-pas.

The Verge

Das Verhalten des finnischen Mobilriesen verwundert: Laut Aussagen mehrerer Tester ist die verbaute PureView-Cam im neuen Lumia durchaus ein Schwergewicht. Offenbar vertraute das Unternehmen dennoch nicht auf die eigenen Stärken und wollte mit Tricksereien nachhelfen. Man unterschätzte den Ehrgeiz der Techszene. Leichter wird der Neustart für Nokia damit keinesfalls…