Die Zukunft der Arbeit 2: Individuell, weiblich, jung

Wenn Trendforscher sich der zukünftigen Arbeitsgesellschaft annehmen, dann sind die Ergebnisse meist sehr futuristisch. Doch Trendforscher Matthias Horx bleibt auf dem Boden und skizziert vor allem drei soziokulturelle Trends: Individualisierung, Frauen und Down Aging. Nur wer diese Entwicklung kennt, so Horx, kann die Beschäftigungsformen der Zukunft wirklich einschätzen.

Im ersten Teil dieses Artikels habe ich bereits den Schweizer Professor Martin Hilb zitiert, der in der Zukunft die Vernetzung als Trend sieht. Zukunftsforscher Horx geht noch einen Schritt weiter: Er sieht die Perspektiven der Arbeit eingebettet in die Entwicklung unserer Gesellschaft.

Individualität

Gab es um 1900 noch das Modell der Großfamilie, wurde diese in den 1960er Jahren durch die Kleinfamilie abgelöst. Der Herr im Haus ernährte die Familie, die Frau kümmerte sich um die Kinder – sie lebten in einem Abhängigkeitsverhältnis, das so heute nicht mehr gegeben ist. Längst lebt jeder für sich, verdient sein eigenes Geld und erwartet deshalb auch von seiner Arbeitsumgebung ein gewisses Maß an Individualität, das ihm zugestanden wird. Die Arbeitgeber müssen darauf reagieren und entsprechende Arbeitsumfelder schaffen, in denen diese Individualität ausgelebt werden kann.

Frauen

In meinem letzten Beitrag habe ich auch von der Weiblichkeit in den Führungsetagen gesprochen. Gemeint war der weibliche Führungsstil, der gebraucht wird, um auf die Veränderungen im Arbeitsleben einzugehen. Doch Horx weist auch auf den steigenden Frauenanteil in der Arbeitswelt hin. Bereits heute verfügen und bestimmen Frauen in Deutschland über 72 Prozent des Haushaltseinkommens, so Horx in einem Vortrag. Sie steigern also den Konsum und sind auch in den Führungsetagen auf dem Vormarsch. Nicht, weil sie unbedingt gebraucht werden, sondern weil sie genauso gut oder sogar besser führen können. Eine Tatsache, der sich die Arbeitswelt stellen muss. Oder wie es Matthias Horx ausdrückt: „In zehn, zwanzig Jahren werden wir uns an die Männerriegen erinnern wie an das Rauchen in Flugzeugen oder Restaurants – ein bisschen nostalgisch, ein bisschen verwundert, wie das so lange dauern konnte.“

Down-Aging

Schon Richard J. Needham meinte: „As you grow old, you lose interest in sex, your friends drift away and your children often ignore you. There are other advantages of course, but these are the outstanding ones.“ Mit anderen Worten: Je älter wir werden, desto weniger Stress, Sorgen und Ärger haben wir. Mit Mitte 30 aber leben wir in einer Welt, die sich um Karriere, Kinder und Haus dreht. Und auch unser Sozialverhalten verjüngt sich, wir werden spontaner und ändern schneller unsere „biographischen Schleifen“, wie Horx es nennt. Oder anders ausgedrückt: Kaum jemand bleibt mehr für einen längeren Zeitraum bei einem Arbeitgeber.

Was sonst noch?

Aus diesen drei Megatrends ergeben sich aber noch andere Aspekte, die global unsere Arbeitsgesellschaft bereits heute verändern: Durch die Globalisierung bieten sich dem Arbeitnehmer mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Auch die Vernetzung zeigt ihm, dass es weit mehr gibt als nur das eigene Unternehmen. Outsourcing ist ein weiterer Aspekt, dem sich unsere Arbeitswelt stellen muss. Und dann wäre da noch der schon in meinem letzten Beitrag erwähnte Hand zur Flexibilität. Horx spielt hier aber entgegen dem eigenen Wunsch nach mehr Flexibilität auf das Phänomen der Zeitarbeit an, bei dem es zu „Flexicurity“ kommt – einer Mischung aus absoluter Flexibilität und gleichzeitiger Sicherheit. Jeder, so Horx, hat ein Talent, das gefördert werden kann. Erst durch dieses Talent entstehe Leidenschaft für den Beruf. Ist Ihr Management bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen?