Die Zukunft der Arbeit 1: flexibler und vernetzter

Wir haben keine Chefs mehr, wir haben Netzwerker, auf die wir im Zweifelsfall zurückgreifen. Oder fragen Sie noch Ihren Chef bei einer fachlichen Frage, wenn Ihnen Ihr persönliches Netzwerk viel schneller und besser Auskunft darüber geben kann? Unsere Arbeitswelt ändert sich entsprechend und mit ihr das gesamte Management-System.

Der Schweizer Professor Martin Hilb von der Universität St. Gallen hat dies schon vor einigen Jahren erkannt. Er nennt deshalb Vorgesetzte in seinen Vorträgen nur noch „Vorgenetzte“. Denn durch Vernetzung in sozialen Netzwerken haben wir Zugriff auf weit mehr Wissen, als dies in einer Firma jemals der Fall sein kann. Die Spezialisten sind da draußen und wollen gefragt werden, also fragen wir sie.

Und die Chefetage? Sie befindet sich durch diese Veränderung im Wandel. Chefs führen und managen, wissen aber fachlich nur noch wenig über die Firmeninterna bescheid. Die bislang erfolgreichen hierarchischen Systeme können da nicht mehr Schritt halten. Denn schneller als je zuvor ändern sich die Anforderungen in einem Unternehmen und genauso schnell müssen Entscheidungen getroffen werden. Die Grundlage für diese Entscheidungen aber muss genauso fundiert sein, wie eh und je. Die Folge: Wir müssen darauf vertrauen, dass unsere Mitarbeiter über so viel Wissen verfügen (oder es sich schnellstmöglich beschaffen können), um diese Entscheidungen auch einmal selber zu treffen.

Vertrauen ist hier die Grundlage und zwar sowohl der Manager gegenüber ihren Angestellten als auch der Mitarbeiter gegenüber ihrem Netzwerk. Nicht die Chefetage hält also den Motor Betrieb am Laufen, sondern die richtige Führung ist das beste Betriebssystem. Wir müssen aber nicht nur auf das Wissen vertrauen, sondern auch darauf, dass unsere Mitarbeiter schon selbst erkennen, welche Informationen sie an ihr Netzwerk preis geben können und welche besser innerhalb der Firma bleiben. So können Probleme schnell und unkompliziert gelöst werden, vorausgesetzt innerhalb des Unternehmens gibt es die Möglichkeit, die Antworten aus dem Netzwerk entsprechend einzuordnen und nicht einfach nur zu verdammen.

Eine weitere Herausforderung an die Führungsetage der Zukunft ist es, die Bewertungsportale für Arbeitgeber zu meistern. Denn inzwischen werden nicht nur Hotels bewertet im Netz, auch das Klima innerhalb der Firmen kann dank Internet problemlos in die Öffentlichkeit getragen werden. Arbeitnehmer informieren sich auch hier, denn sie wollen flexibler arbeiten, brauchen Freiräume, um ihr Potential voll auszuschöpfen. Bevor sie deshalb eine Stelle antreten, wird geprüft, ob der neue Arbeitgeber dies bieten kann.

Emotionale Intelligenz ist dazu in der zukünftigen Führungsetage ebenso gefragt, wie Empathie. Beides Dinge, die dem männlichen Führungsmodell der Vergangenheit leider größtenteils abgehen. Hier zählen nur Ergebnisse, nicht wie man zu diesen gelangt. Frauen hingegen besitzen das Quäntchen Empathie, um Mitarbeiter mehr Freiheiten zu lassen und ihnen ihre Netzwerke zuzugestehen. Sie führen nicht weicher, wie oftmals behauptet wird, sondern einfühlsamer und können so schneller erkennen, wann ein Angestellter unzufrieden wird. Ein entsprechendes Gegensteuern in der Führung ist dann ein Leichtes.

Wie sieht also die Arbeit der Zukunft aus, berücksichtigt man all diese Facetten? Ich denke sie wird aus Netzwerken bestehen, aber auch aus der veränderten Wahrnehmung des Managaments, um die aus den Netzwerken gewonnen Erkenntnisse für die firmeneigenen Bedürfnisse schnellstens umzusetzen. Die Folge wird mehr Qualität und Effizienz sein, als wir sie bislang kennen.