Die Welt von heute als Zukunftsvision von 1982

Paula Taylor: "The Kids' Whole Future Catalog"

Vor 30 Jahren hat die Autorin Paula Taylor in dem Buch “The Kids’ Whole Future Catalog” sehr anschaulich eine Vision der Zukunft entworfen. Ein Volltreffer – aus heutiger Sicht.

Per Zufall bin ich neulich in der Online-Ausgabe der Technology Review über einen Artikel über ein Kinderbuch gestolpert. Unter dem Titel “The Kids’ Whole Future Catalog” hat die Autorin Paula Taylor Zukunftsvisionen gesammelt, um Kindern die Welt von Morgen zu erklären. Nun, Morgen ist heute, denn das Buch ist vor ziemlich genau 30 Jahren erschienen – laut Amazon am 12. September 1982. Zeit für ein Fazit: Wie sieht die Welt heute aus, verglichen mit den Visionen des Buches?

Taylor hat ihr Zukunftsbild in Kapiteln wie “Future Technology”, “Future Transportation”, “Future Energy” oder “Future Work” geordnet. In “Future Technology” heißt es unter anderem, dass Computer im Buchformat erhältlich sein werden. Darin stehen dann all die Informationen, die auch in der Forschungsbibliothek des US-Kongresses in Washington zu finden sind. Statt in der Schule zu sitzen, werden wir unsere eigenen Lerncomputer zu Hause haben und auch nicht mehr jeden Morgen ins Büro fahren, sondern auch diese Arbeit von unseren PCs aus erledigen.

Check: Handliche Notebooks, Tablet-PCs sind für uns so selbstverständlich geworden wie Wissensprojekte wie Wikipedia oder Google Books. Mobile Technologien und Datenübertragungsverfahren ermöglichen uns Bildung und Arbeit von jedem Ort aus.

Digital daheim und unterwegs

An anderer Stelle beschreibt Taylor Autos, die ihre Elektronik selbst überwachen und selbstständig signalisieren, sobald etwas falsch läuft. Sie werden uns sagen, wie lange die Fahrt dauert und wie weit ein Ziel entfernt ist. Außerdem wird uns der dafür nötige Spritverbrauch mitgeteilt. Zur Bushaltestelle müssen wir 2012 nicht mehr laufen – es genügt, eine Nummer zu wählen und uns wird ein Bus vor die Haustür geschickt.

Check: Heute geht kein Auto mehr ohne Sensoren und Bordcomputer vom Band. Die Informationen zum öffentlichen Nah- und Fernverkehr kommen via App aufs Handy. Und via App-Befehl hält auch das Taxi vor der Wohnungstür.

Im Kapitel “Future Homes & Communities” ist von Städten die Rede, die im Jahr 2012 im Einklang mit der Natur existieren. Die Menschen, die in dieser Stadt leben, wollen sie so gepflegt und ruhig wie möglich halten. Außerdem wollen die Menschen dort in Zukunft bestmöglich Ressourcen einsparen. Ihre Häuser werden von einem Computer kontrolliert. Mithilfe einer Fernsteuerung lässt sich der Fernseher, aber auch alle anderen technischen Geräte kontrollieren.

Check: “Smart Homing” ist das Stichwort, unter dem sich diese Vision heute zusammenfassen lässt. Dazu gehört nicht nur die digitale Steuerung und Fernbedienung sämtlicher Prozesse im Haushalt, sondern auch die automatisierte Kommunikation mit dem Stromnetz. Benötigte Energie wird nach Bedarf abgefragt, beziehungsweise der Hauscomputer speist selbstproduzierten Strom aus Sonnen- oder Windenergie in das öffentliche Netz ein. Die technischen Voraussetzungen sind gegeben, es wird aber wohl noch ein paar Jahre dauern, bis ganze Städte nachhaltig vernetzt sind und Elektroautos leise durch ihre Straßen schnurren.

Universalübersetzer wie in Star Trek

Schon 1982 war sich Taylor sicher, dass 2012 einige der damaligen Berufe nicht mehr existieren werden, da der Computer viele Aufgaben übernehmen wird. Im Kapitel “Future Work” beschreibt sie, wie wir unsere Post über das Internet verschicken werden, Flugtickets online buchen und auch die Börse per Computer kontrollieren. Etwas zu weit geht dann aber ihre Idee, dass die in den achtziger Jahren gefragten IT-Programmierer heute nicht mehr existieren werden, da Computer sich dann selbst programmieren. Nun ja, wir arbeiten dran.

Gut gefällt mir auch die Vision des elektronischen Sprachübersetzers, der vielen auch als Universalübersetzer aus Star Trek bekannt sein dürfte. Ich gehe davon aus, dass es nicht mehr lange dauert, bis Übersetzungsdienste wie Google Translate und Sprachassistenten wie Siri so verschmelzen, dass nach der Spracheingabe auch sinnvolle und verständliche Übersetzungen vom Mobilgerät ausgegeben werden – und Sprachbarrieren verschwinden.

Taylor thematisiert noch viele andere Visionen – darunter auch Weltraumreisen und Unterwasserstädte –, die auch heute noch in weiter Ferne sind oder sich bereits durch andere Technologien überholt haben. Auf jeden Fall lohnt es sich, im Antiquariat auf die Suche nach dem “Kids’ Whole Future Catalog” zu gehen, der mittlerweile ein richtiges Liebhaberstück geworden ist. Blogger befassen sich mit dem Buch und bei Amazon liegen die Gebrauchtpreise bei bis zu über 100 US-Dollar. Dafür erinnert Paula Taylor uns auf 254 Seiten mit wunderbaren Illustrationen – zum Teil von Uri Geller – daran, wie wir vor 30 Jahren mit großen Augen an der Schwelle der Computerisierung und Digitalisierung der Welt gestanden haben – und wie sich unser eigenes Leben seitdem verändert hat.

(via Technology Review; Bilder: Paleo Future)