Die Taz auf iPhone und iPad: Wenn Lesen kein Vergnügen ist

iTazSeit heute gibt es die Taz auf iPad, iPhone und iPod touch (kostenlos, iTunes-Link). Die Tageszeitung aus Berlin kostet 0,79 Euro pro Ausgabe. Wer die Zeitung auf mehreren Geräten lesen will, zahlt den Preis nur einmal. Denn die App hat eine Synchronisationsfunktion. Mehr Gutes aber gibt es nicht zu berichten.

Was muss eine App vor allem können, deren Zweck darin besteht, Inhalte zu vermitteln? Richtig, sie muss diese Inhalte vermitteln können.

Das klingt trivialer als es ist. Alles richtig gemacht haben Useability-Experten, Programmierer und Journalisten immer dann, wenn dem Leser gar nicht auffällt, wie viel Gedankenarbeit aufgebracht werden musste, damit aus Lesen Lesevergnügen wird. Wenn alles glatt läuft. Wenn intuitiv die richtigen Buttons geklickt werden. Wenn, was der User erreichen will, er ohne großes Nachdenken auch erreicht.

So sollte eine App von Tageszeitungen und Magazinen funktionieren. Manchmal klappt das schon ziemlich gut, manchmal ist das Ergebnis zumindest ordentlich.

Seit heute ist auch die Taz dabei. Mit einer Universal-App, die also sowohl auf dem iPad als auch dem iPhone und iPod touch läuft. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Berliner Unternehmen Textunes entwickelt, das bereits eine empfehlenswerte Book-App im App Store hat.

Wer die iTaz-App zunächst testen will, muss sich mit einer älteren Ausgabe begnügen. Die aktuelle Zeitung kostet per In-App-Kauf 0,79 Euro.

Taz - In-App-Kauf

Einmal gekauft, kann die Ausgabe auf mehreren Geräten gelesen werden. Davor muss man sich aber bei Textunes registrieren. Denn über deren Online-Bookshelf findet die Übertragungen statt. Das ist ungewöhnlich, hat aber bei unserem Test problemlos funktioniert.

Taz - Textunes


Weit weniger problemlos, aber ist das, was am wichtigsten ist: Das Lesen der Inhalte.

Dies soll in der Taz-App grundsätzlich auf zwei Wegen geschehen: Für den Überblick gibt es die digitalisierten Printseiten, …

Taz - Seite

… interessiert ein Thema, klickt man zum Lesen in den Textmodus.

Taz - Lesemodus


Dieses Konzept ist aber aus zwei Gründen völlig unzureichend:

1) Die digitalisierte Seite liegt in einer dermaßen schlechten Auflösung vor, dass mehr als Titel und Vorspann auch durch Zoomen nicht zu lesen sind.

2) Hat man sich aufgrund des Titels für einen Text entschieden hat und möchte diesen lesen, kann man nicht etwa auf den Artikel klicken. Vielmehr lassen sich nur alle Texte einer Seite gemeinsam öffnen. Der Leser muss sich dann durch die Textwüste des Textmodus an den Beginn des Artikels scrollen.

Mit Verlaub: Das ist eine Zumutung.

Die einzige alternative Navigation, nämlich über das Inhaltsverzeichnis, ist nicht wirklich besser. Denn sowohl in der iPad- als auch in der  iPhone-Variante sind die Titel häufig abgeschnitten. Es lässt sich also gar nicht erkennen, was gelesen werden könnte.

Taz - Inhaltsverzeichnis

Ebenfalls schlecht: Von der Printausgabe übernommen wurden die Anrisse der ersten Seite, die auf weiterführende Inhalte im Inneren der Zeitung verweisen.

Taz - Anriss NEU


Auf digitalen Medien aber wird erwartet, dass solche Hinweise verlinkt sind. In der Taz-App klickt man vergebens.

Gestört hat uns ebenfalls, dass man im Textmodus nicht über einen stetigen Button wieder zurück auf die Seitenansicht gelangt. Wir waren stetig geneigt, den Zurückbutton oben links zu klicken, …

Taz - Zurück-Button

… der aber führt nicht zur Seitenansicht, sondern ins Archiv.

Fazit: Um die Printauflage muss sich der Verlag aktuell keine Sorgen machen. Die digitale Variante ist keine Konkurrenz. Noch nicht. Wir sind voller Hoffnung, dass bald alles viel besser wird. Die Taz kann mehr.