Die Anfänge von Apple: Die Garage lag im Schlafzimmer

Steve Jobs GarageDie legendäre Gründung vieler IT-Unternehmen in der Garage ist nur in sehr wenigen Fällen wirklich wahr. Vielmehr wurde es zum geflügelten Wort, dass ein Unternehmen „in der Garage gegründet wurde“. Stephen Gary Wozniak (genannt Woz) und Steven Paul Jobs (inzwischen als Steve Jobs bekannt), die Gründer von Apple, aber bastelten zunächst im Schlafzimmer von Steven Jobs auf dem Crist Drive Nr. 11 161 (heute Hausnummer 2066) im Haus der Adoptiveltern von Jobs, bevor die Garage mehr Platz bot.

Die Geburt einer Idee
Stephen „Steve“ Wozniak und Steve Jobs lernten sich 1968 über Bill Fernandez kennen, den Jobs aus der High School kannte und der nur einige Straßen entfernt von Wozniak lebte. Beide
interessierten sich für Elektronik und Computer, beide waren Außenseiter, beide bastelten gerne; Jobs mehr im geistigen, Wozniak mehr im technischen Sinne. Wozniak arbeitete Anfang der 70er für Hewlett-Packard, entwarf Computer, Leiterplatten-Designs und schrieb für die kreierten Maschinen Programme in FORTRAN und BASIC. Im Homebrew Computer Club in Palo Alto, Silicon Valley, sah er den Altair 8800, dessen Herz der Intel-Chip 8080 war. Da der Altair 8080 für den nicht besonders gut verdienenden Wozniak unerschwinglich war, begann in diesem der Plan zu reifen, einen Computer zu produzieren, der für jedermann bezahlbar ist. Die Idee zum Apple I war geboren.

Doch noch waren die Preise für die auf dem Markt erhältlichen Chips, wie den Intel 8080 oder den Motorola 6800, hoch. Kurz darauf entdeckte Woz den MOS Technology 6502. Im Gegensatz zu den 170 US-Dollar bis 179 US-Dollar teuren Intel- oder Motorola-Chips kostete der „6502“ nur 25 US-Dollar. Ein Preis, der einen bezahlbaren Computer möglich werden ließ. Erste Tests mit dem MOStek 6502 zeigten Erfolge, und so wurde er zum Herz des ersten Computers, den Steve Wozniak schuf, des Apple I.

Die Anfänge des Apple I
Woz stellte sich einen Computer vor, auf dem BASIC laufen sollte und mit dem man Spiele programmieren und ablaufen lassen konnte. Für den Laien handelte es sich um eine Leiterplatine mit einigen Chips und Kabeln. Das dahintersteckende
Design aber war für damalige Verhältnisse einmalig und von bestechender Einfachheit, gepaart mit entsprechender Leistungsfähigkeit. Auf einer einzigen Leiterplatine (meistens wurden damals zwei benötigt) von der Größe 16×12 Zoll befanden sich 30-40 Chips, darunter 8K dynamisches RAM, sowie ein Video-, ein Keyboard-, ein Strom- und ein externer Anschluss, zu dem es bei der Erstvorführung des Apple I noch nichts gab, was man hätte anschließen können. Und auf all dem lief BASIC – mit einer handelsüblichen ASCII-Tastatur einzugeben und auf einem normalen Farbfernseher anzusehen.

Anfang 1976 waren Leiterplatten-Design und Programmierung abgeschlossen. Als Angestellter von Hewlett-Packard und dortiger Leiterplatten-Designer sah Steve Wozniak es als seine Pflicht an, den neu entwickelten Computer zunächst seinem Arbeitgeber vorzustellen. Er fragte deshalb bei HP an, ob die Firma an einem Gerät interessiert wäre, das mit BASIC betrieben wurde und ca. 800 US-Dollar kosten sollte. Hewlett-Packard lehnte ab, was Woz in Nachhinein als glückliche Fügung betrachtet. Schließlich wäre dann Apple nicht zu dem geworden, was es heute ist.

Firmengründungen im SiliconValley
Steve Jobs arbeitete Anfang der 70er nach Abbruch seines Studiums am Reed College in Portland, Oregon, freiberuflich für Atari, unter anderem an der Erstellung des Spiels „Breakout“.Daneben blieb genug Zeit, um auf einer Apfel-Plantage bei der Ernte zu helfen oder um zusammen mit seinem Freund Daniel G. Kottke einen spirituellen Trip nach Indien zu unternehmen. Außerdem half er Woz mit visionären Vorschlägen dabei, den Apple I weiterzuentwickeln. Jobs war es auch, der die dynamischen RAMs vorschlug und in der bestückten Leiterplatine mehr sah, als Woz sich damals vorzustellen wagte. Nach der Absage durch Hewlett-Packard beschlossen sie deshalb, den von Wozniak entworfenen Computer selbst zu vertreiben.

Im damaligen Silicon Valley war das kein Ding der Unmöglichkeit, denn Mitte der 70er-Jahre hatten rund um Palo Alto mehr als 3000 Elektronik-Firmen ihren Sitz, wovon 70 Prozent weniger als 10 Mitarbeiter besaßen. Finanziert wurden sie über das Militär, die Nasa und zu einem Großteil durch Risiko-Kapitalunternehmen. Ein nährstoffhaltiger Boden für „Garagen-Startups“ also, auf dem sich eine Geschäftsneueröffnung mit einer innovativen Idee oder einem guten Produkt durchaus lohnen konnte.

Dieser Text stammt aus dem Buch „One more thing“ von Charlotte Erdmann, erschienen bei Addison Wesley

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