Der lange Schatten von Steve Jobs: Was wird aus Apple?

In der vergangenen Woche jährte sich zum ersten Mal der Todestag von Steve Jobs,  der die Erinnerungen an den visionären Apple-Gründer nur allzu schmerzlich präsent werden ließ. Auch wenn es Apple heute besser denn je geht je, bleibt immer die Frage: Was würde Steve Jobs tun?  

105 Sekunden für die Ewigkeit – das war das Tribut-Video, in dem Apple seinem an Krebs verstorbenen Gründer am vergangenen Freitag zum ersten Todestag gedachte. Schon die ersten Worte sind unsterblich: „Es gibt dieses alte Wayne Gretzki-Zitat, das ich liebe: Ich skate dort hin, wo der Puck hinkommen wird – nicht, wo er ist. Und wir haben genau das immer bei Apple versucht.“

Große Worte für ein großes Vermächtnis.  Ein Jahr nach dem tragischen Tod des meistbewunderten Unternehmers seit Henry Ford oder Thomas Edison legt sich die Verklärung Steve Jobs’ wie ein bleierner Schleier über Apple – selbst die Aktie, so schien es am Freitag, trug Trauer und stürzte um 14 Dollar auf nur noch 652 Dollar ab. Gestern folge die nächste Verkaufswelle auf nur noch 638 Dollar, den schwächsten Stand seit ein zwei Monaten.

Große Bürde: Was würde Steve Jobs tun?

Obwohl es Apple augenscheinlich blendend geht und aus das Kultunternehmen aus Cupertino wie ein Uhrwerk von Rekord zu Rekord eilt, drückt in diesen Tagen immer wieder eine Frage die Stimmung: Was würde Steve Jobs tun? Gerade in Krisen-Zeiten wie jüngst nach dem katastrophalen Start des eigenen Kartendienstes Maps.

Für Apple ist Steve Jobs damit inzwischen Segen und Fluch zugleich: Ein Segen, dass er den Konzern in dieser Form aufgebaut hat, ein Fluch, dass er als „iGod“ aus dem Off das Wirken seiner Nachfolger überstrahlt. Tim Cook, der bisher als CEO fast alles richtig gemacht hat, steht damit vor der undankbaren Aufgabe, bestenfalls als Bewahrer wahrgenommen zu werden, beim kleinsten Fehler aber als Zerstörer – und zwar von Steve Jobs’ Lebenswerk.

Nächste Jahre vorhersehbar

Dabei wirkt ein solches Szenario eher wie eine klassische Montagmorgen-Aufmacher-Geschichte – ziemlich gesucht. Apple dürfte nicht zuletzt dank Steve Jobs’ Masterplan weiterhin ziemlich goldene Jahre vor sich haben. Zumindest die nächsten 24 Monate sind vorgezeichnet: Das iPad mini ist offenbar nur noch wenige Wochen entfernt, 2013 wird die vierte iPad Generation und ein neues iPhone, vermutlich ein 5S, folgen. Auch ein Apple-Fernseher dürfte nur eine Frage der Zeit sein und spätestens 2014 die Regale füllen. So weit, so absehbar.

Doch wie sieht eigentlich das Apple der mittelfristigen bis langfristigen Zukunft aus? Wie ist Apple in drei Jahren aufgestellt sein, wenn der hypermoderne Ufo-Campus bezogen wird? Und was wird aus Apple im Jahr 2020?

2000 Dollar bis 2015?

Es erscheint nicht mal unwahrscheinlich, dass Tim Cook, dann 60, immer noch die Geschicke des Apfel-Konzerns leitet – schließlich gewährte ihm der Aufsichtsrat unlängst 1 Million Apple-Aktien mit einer Haltefrist bis 2016 und 2021. Die Frage, wer Cook beerben könnte, scheint intern auf einen Zweikampf der jüngeren Manager-Generation hinauszulaufen: Der zum Ritter geschlagene Design-Chef Jony Ive, lange Zeit engster Vertrauter von Steve Jobs, oder iOS-Chef Forstall, der unlängst das Maps-Debakel zu verantworten hatte, werden als aussichtsreichste CEO-Kandidaten der Zukunft gesehen.

Doch was für ein Apple würden sie dann übernehmen? Unter Umständen bereits einen Multi-Billionen-Dollar-Konzern. Nach Einschätzung des Hedgefondsmanagers Cody Willard dürfte Apple dann bereits bei über 2000 Dollar an der Börse notieren. Vermögensverwalter Eric Jackson sieht immerhin schon Kurse um 1650 Dollar bis 2015, während der Trader und Apple-Experte Andy Zaky bis dahin den Höhepunkt des Wachstums und sogar Kursniveaus um 2000 Dollar für möglich hält.

Stunde der Skeptiker: Apples Stern verblasst

Doch glaubt man einem anderen Börsenexperten, könnte es auch anders kommen. Doug Kass von Seabreeze Investments, sieht schwarze Wolken aufziehen. Die Märkte, in denen sich Apple bewege, wären zunehmend ausgereizt, die Produkte der Konkurrenz ebenbürtig oder besser, der First Mover-Vorteil ausgereizt.

Ähnlich argumentierte auch unlängst die New York Times, als sich Kolumnist Joe Nocera fragte: Hat Apple seinen Zenit überschritten? Apple leide bereits heute an der Microsoft-Krankheit, glaubt Nocera: Der 600 Milliarden-Dollar-Koloss hat wie Microsoft in seinen besten Zeiten mehr zu verlieren als zu gewinnen, wie Patenstreitigkeiten gegen Samsung beweisen würden.

Und damit wären notorische Skeptiker wieder bei der Ausgangsfrage: Was würde Steve Jobs an dieser Stelle tun? Vermutlich etwas Unerwartetes. Für den Apple-Gründer war das schließlich die schlechteste aller Fragen. Steve Jobs erinnerte an Walt Disney, das kurz nach seinem Tod auf Schlingerkurs geriet, weil es seinen Gründer zu kopieren versucht. Es wäre fast der Untergang von Disney gewesen. In diesem Sinne ist Tim Cook zu beglückwünschen: In seinem erstem Jahr als CEO hat er bereits einiges anders gemacht und Apple seinen Stempel aufgedrückt.