Computerisierung: Diese Jobs sind vom Aussterben bedroht

In den nächsten 20 Jahren wird eine Welle der Computerisierung dafür sorgen, dass viele Berufe, die wir heute als selbstverständlich empfinden, bald Vergangenheit sind.

Musikstreaming-Dienste behaupten zu wissen, dass wenn Sie Madonna hören, Ihnen auch Kylie Minogue, Cyndi Lauper, Cher oder Britney Spears gefällt. Amazon empfiehlt Ihnen („Kunden, die diesen Artikel gekauft haben. kauften auch …“), wenn sie nach Madonna suchen, nicht nur die komplette Diskographie der Pop-Sängerin, sondern auch CDs von Lady Gaga, Katy Perry und Conchita Wurst. Algorithmen wie diese, sollen uns das Leben einfacher machen, doch einigen könnten sie schon bald den Job kosten.

Algorithmen wie die von Amazon werden in den kommenden Jahren zunehmend intelligenter und agieren sozialer. Kaufgewohnheiten von Kontakten aus sozialen Netzwerken können dabei eine Rolle einnehmen, ebenso wie die Integration persönlicher Daten wie Alter, Geschlecht oder Familienstand. Nutzer dieser Algorithmen haben somit größeres Wissen, als ein persönlicher Kaufberater es je erwerben könnte. Bereits heute basieren viele Geschäftsabläufe, zum Beispiel in Banken, vollständig auf Algorithmen. Ein Bankmitarbeiter hat kaum noch Entscheidungseinfluss innerhalb im Computer festgelegter Grenzen.

Die Hälfte der Arbeitsplätze ist bedroht

Bereits seit über zehn Jahren nimmt die Zahl deutscher Bankfilialen kontinuierlich ab. 2004 waren es noch 47.835, im Jahr 2013 nur noch 38.225. Das sind 20 Prozent weniger Bankfilialen in nur neun Jahren, während der Anteil von Online-Banking-Nutzern bei knapp 54 Prozent liegt, in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sogar bei 78 Prozent. Wenn technische Dienstleistung von Menschen zunehmend durch automatisierte Abläufe von Computern ersetzt werden, gehört das Berufsfeld der Zukunft den Kreativen.

Die US-Jobdatenbank Career Cast hat bereits 2014 eine Studie veröffentlicht, nach der bis 2022 vier Prozent weniger Finanzbeamte eingestellt werden, da die Arbeit der Steuerprüfer mehr und mehr von Computerprogrammen erledigt wird. Für Reisebüromitarbeiter sieht es noch wesentlich drastischer aus. Online-Dienste wie Booking.com, Trivago.de oder Expedia.de erledigen die Arbeit von Reisebüros seit Jahren und mit zunehmenden Anfragen. Career Cast prophezeit einen Einstellungsrückgang in den nächsten acht Jahren von zwölf Prozent. Laut einer Oxford-Studie von 2013 ist fast die Hälfte aller Arbeitsplätze auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt in den kommenden 20 Jahren bedroht. Rund 700 Jobs stellt die Studie auf den Prüfstand. Je näher der Probability-Faktor gen eins tendiert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Job der Computerisierung zum Opfer fällt.

  • 1. – 0,0028 – Physiotherapeuten
  • 50. – 0,01 – Visagisten
  • 100. – 0,027 – Chiropraktiker
  • 150. – 0,066 – Atmungstherapeuten
  • 200. – 0,17 – Lehrer (sekundärer Bildungsbereich)
  • 250. – 0,35 – Flugbegleiter
  • 300. – 0,5 – Installateure, Wartungskräfte
  • 350. – 0,63 – Bauingenieure
  • 400. – 0,73 – Textilingenieure
  • 450. – 0,82 – Sicherheits- und Brandschutzbeauftragte
  • 500. – 0,86 – Sachbearbeiter
  • 550. – 0,91 – Medizintechniker
  • 600. – 0,94 – Marktforschungsinterviewer
  • 650. – 0,97 – Bleicher und Färber
  • 700. – 0,99 – Näher
  • 702. – 0,99 – Telefonverkäufer

Zu ähnlichen Ergebnissen für Deutschland kommt auch ein Fachbeitrag Jeremy Bowles von der London School of Economics, der sich auf die Konkurrenz durch Computer und Roboter bezieht.

Allgemeine Qualifikationen gewinnen an Wert

Detlef Wetzel, Vorsitzender der IG Metall, hat gerade in seinem Buch „Arbeit 4.0″ erforscht wie sich Arbeit in den kommenden Jahren verändert wird. In einem Interview mit der Bild am Sonntag sagt er: „Die Vielfalt wird zunehmen, die Tätigkeitsprofile sich verändern.“ Er selbst hat den Beruf des Werkzeugmachers erlernt, heute wissen viele nicht mehr, was das ist. „Künftig werden allgemeine Qualifikationen und Fähigkeiten eine noch viel größere Rolle spielen“, so Wetzel.

Noch fehlt es wegen des sogenannten „Engineering Bottlenecks“ Computern an einem Mindestmaß an emotionaler Intelligenz. Gesellschaftliche Faktoren müssen einem Algorithmus heute noch von einem Menschen beigebracht werden. Ziel ist es jedoch, Maschinen dahingehend zu entwickeln, dass die auf Grund von Erfahrungen selbst lernen und Gelerntes eigenständig umsetzten können.

Zuerst erschienen auf techtag.de