Cloud Power: intelligent und wirtschaftlich

Ein Projekt aus den Niederlanden zeigt, wie Energieversorger durch Investitionen in intelligente Stromnetze und in erneuerbare Energien heute schon ressourcenschonend, flexibel und vor allem wirtschaftlich arbeiten können.

Auf der westfriesischen Insel Texel investiert die gemeinnützige Energiegenossenschaft TexelEnergie unter dem Projektnamen „Cloud Power“ – unterstützt von der Beratungsfirma Capgemini und der holländischen Regierung – in individuelle, hauseigene (z.B. Solarzellen, Wärmepumpen) und gemeinschaftliche (z.B. Biogas-Generatoren, Windenergieparks) Energieerzeugung. Gesteuert wird das virtuelle Kraftwerk durch intelligente Zähler (Smart Meter) und Home Energy Management Systeme (HEMS) in den Wohnungen und Wohnhäusern der Teilnehmer. Ein Zentrales Energiemanagementsystem (ZEMS) koordiniert den Energiefluss innerhalb der Gemeinschaft. Der Clou: Die Technologie hinter Cloud Power besteht aus einer mehrschichtigen Architektur mit verteilten Rechnern, welche die Lösung höchst skalierbar macht.

Am Beispiel von Cloud Power können CIOs von Energieversorgern beobachten, welche Herausforderungen auf sie zukommen, aber auch welche Chancen sich durch Smart Metering für die Unternehmen ergeben:

  • Kaufmännische Planungssicherheit durch transparente Betriebskosten
  • Kein Aufwand durch Zählerlogistik und Auftragssteuerung
  • Genauere Lastgangprognosen für Beschaffung und Laststeuerung
  • Optimierung des operativen Betriebs durch verbesserte Daten- und Prozessqualität
  • Nachhaltige Optimierung der internen Kundenmanagementprozesse
  • Entwicklung innovativer Tarifmodelle durch jederzeit verfügbare Messdaten
  • Investitionen und Kooperationen im Bereich erneuerbarer Energien
  • Architektur als SaaS-Lösung

In Texel wollen die rund 14.000 Einwohner bis zum Jahr 2020 ihren gesamten Energiebedarf durch umweltverträgliche Energien nicht nur abdecken sondern auch Überschüsse verkaufen. Die Erfolge dieser Projekte sind langfristig angelegt, da zunächst hohe Investitionskosten auf die Energieversorger zukommen. Der niederländische Staat subventioniert Pilotprojekte wie Cloud Power mit insgesamt 16 Millionen Euro.

Die gute Nachricht: Vorläufige Berechnungen zeigen bereits, dass Cloud Power wirtschaftlich arbeitet. Unter Verwendung verschiedener Konfigurationen und Vorausberechnungen konnten wettbewerbsfähige Strompreise innerhalb der Gemeinschaft erzielt werden. So zahlen die Abnehmer bei TexelEnergie zurzeit pro Kilowattstunde Strom 25 Cent weniger als bei den vergleichbaren regionalen Anbietern. Offen bleibt, ob diese Preise bei Wegfall der Subventionen gehalten werden können. Andererseits sind Projekte wie Cloud Power vor dem Hintergrund der langfristigen Dekarbonisierung alternativlos.

Was Energieversorger weltweit von diesem Piloten lernen können: Handeln statt Reden. TexelEnergie hat nicht erst gewartet, bis die Produktionsmittel aufgebaut waren, sondern zunächst mit dem Energieverkauf an die Mitglieder angefangen. So erreichte man schnell ein starkes Fundament für die regionale Energieerzeugung.