CDU-Magazin: Die App für Konservative

Im Internet hat der Bundestagswahlkampf für 2013 offensichtlich schon begonnen. Mit neuer Webseite hatte die SPD in der vergangenen Woche vorgelegt. Jetzt zieht die CDU mit ihrer Online-Kommunikationsstrategie nach und hat mit der ersten App für das CDU-Magazin (kostenlos, iTunes-Link) auf Bundesebene scheinbar die Nase vorn. Aber in der Politik heißt das noch lange nichts: Es kommt auf die Umsetzung der Inhalte an.

Kernstück der neuen Offensive ist das “Union Magazin”. Das Magazin kommt zum einen als multimediales E-Paper fürs Internet und zum anderen als Universal-App für iPad und iPhone. Nach dem Start der App erscheint ein Online-Kiosk, der als Präsentationsfläche für mehrere Ausgaben dient. Die Erstausgabe ist rund 146 Megabyte groß und kann via In-App-Kauf gratis heruntergeladen werden (Screenshot: iPhone-Version).

Anschließend öffnet ein Klick auf “Lesen” das Magazin, das wie ein E-Paper aufgebaut ist. Die Navigation erfolgt klassisch durch Blättern der Seiten. Zwar empfiehlt sich eine vertikale Haltung des iPads oder iPhones für eine größere Schrift, dann aber entgeht dem Leser die Wirkung der zumeist doppelseitig angelegten – und vom Print gewohnten – Layouts (Screenshot: iPad-Version).

Schnell wird klar, dass die App mit einem Baukasten gebastelt wurde. Entwickler dieser Lösung ist die Münchener Visible Vibrations GmbH. Unter 3D-Zeitschrift.de stellt die Firma ihre “Software zur einfachen und schnellen Erstellung interaktiver Online-Magazine für Web, iPhone und iPad” vor. Ein Schaubild gibt eine Idee vom Prinzip:

Herzstück ist die sogenannte 3DZ Editor-Software, die das PDF einer gedruckten Zeitschrift mit Multimedia kombiniert und zu einer Webausgabe und einer App umwandelt. Die Kundenliste dieser Wundertüte liest sich wie das Who-is-who der deutschen Medien- und Wirtschaftsbranche: Axel Springer, Burda, Condé Nast, Telekom, VW, EADS, SEAT, Lidl, um nur ein paar zu nennen. Und eben auch die neue Kommunikationsstrategie der CDU basiert auf der Lösung von Visible Vibrations.

Kurz: Die Technik funktioniert und führt auch zu akzeptablen Ergebnissen. Da der Workflow an einem fertigen Produkt ansetzt, ist der Aufwand geringer, als müsse eine Redaktion jede Ausgabe für drei verschiedene Medien – Print, Online, Mobil – konzipieren. Ein E-Paper bleibt aber immer hinter den Möglichkeiten einer originären App zurück.

Im Videoeditorial des App-Magazins erklärt CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe die Gründe für die Neuvorstellung sehr allgemein: “Wir wollen unsere Mitglieder in die Lage versetzen, noch aktueller, noch umfassender auf der Höhe der Zeit informiert zu sein. Wir verbinden dies mit anderen Online-Aktivitäten. Es macht Spaß, ganz vorne bei der Entwicklung mitzumachen.”

Mit “anderen Online-Aktivitäten” meint Gröhe eine neue mobile Webseite, die auch Verknüpfungen zu sozialen Netzwerken herstellt.

Fazit: Insgesamt verfolgt die CDU bei der Adaption seines Magazins einen eher konservativen Ansatz: Das, was auch gedruckt funktioniert, setzt man auch online und mobil um. Mit der Lösung sind die Entwickler zwar bei der Skalierung auf verschiedene Medien flexibel, können aber nie die individuellen Stärken eines iPads oder iPhones ausnutzen. Mal sehen, ob, und wenn ja mit welchen Apps, SPD, Grüne und FDP kontern werden.