BYOD und Cloud-Computing für 2.000 Mitarbeiter

Das Schweizer Industrieunternehmen Georg Fischer will seine IT-Infrastruktur in die Cloud verlagern und den Mitarbeitern die Nutzung eigener Geräte ermöglichen. Ein in dieser Größenordnung einmaliges Projekt.

Wer 6.000 Arbeitsplätze und über 2.000 Mitarbeiter in der Cloud miteinander vernetzen möchte, hat sich nicht nur einiges vorgenommen, er zeigt vor allem Innovationswillen. Mit diesem Plan rückte Anfang Juni das Schweizer Industrieunternehmen Georg Fischer in den Fokus. Zusammen mit der Deutschen Telekom wolle man die IT-Infrastruktur bündeln. Basis ist das weltweite Unternehmensnetz, das 130 Standorte inklusive 50 Produktionsstätten in 30 Ländern umfasst.

Was glauben Sie, wie lange so eine Integration dauert? T-Systems, die Großkundensparte der Telekom rechnet damit, innerhalb von fünfeinhalb Jahren die IT-Infrastruktur der drei eigenständigen Konzerntöchter GF Piping Systems (Rohrleitungssysteme), GF Automotive (Fahrzeug – Gusskomponenten) und GF AgieCharmilles (Werkzeugmaschinen) in die neu geschaffene Corporate IT des Industriekonzerns zusammenzuführen und das globale Datennetz zu erweitern. Zudem überführt die Telekom-Tochter die SAP-Systeme und weitere Geschäftsanwendungen des weltweit tätigen Unternehmens in das Rechenzentrum nach München. Georg Fischer nutzt künftig SAP aus der Wolke, um Geschäftsprozesse zu steuern.

Kosten des Projekts: 90 Millionen Euro.

Die Verantwortlichen der Schweizer setzen mit der Entscheidung ein deutliches Zeichen pro Cloud und verspricht sich Vorteile: Zukünftig zahlt das Unternehmen nur den tatsächlichen Verbrauch von Netz-, Rechen- und Speicherleistungen. Die benötigten Ressourcen lassen sich so einfach den üblichen saisonalen Schwankungen im weltweiten Geschäft anpassen.

Zudem überführt T-Systems weltweit diverse Rechenzentren und einen Großteil der Anwendungen auf die dynamische IT-Plattform ins Rechenzentrum München. Die neue IT verantwortet über 6.000 Arbeitsplatzsysteme von Georg Fischer weltweit und stellt dem Konzern ein neues, webbasiertes Kundenportal (“myGF store”) für Produktbestellungen und Serviceanfragen bereit. Damit wandern auch sensible Kundendaten in die Cloud. Die Standortentscheidung ist essenziell. Aufgrund des Datenschutzrechts ist es deutschen Firmen quasi unmöglich Daten außerhalb der EU zu speichern.

Das Beispiel wird Schule machen: “Immer mehr Großkonzerne beziehen ihre Daten weltweit aus der Wolke und entscheiden sich bewusst für Datenschutz und IT-Sicherheit nach deutschem Recht”, sagt Dietmar Wendt, Geschäftsführer T-Systems mit der Verantwortung für das internationale Wachstum. “Deutschland zählt im internationalen Vergleich zu den Vorreitern und bietet mit die höchste Datensicherheit.”

Was das Projekt zusätzlich spannend macht: Georg Fischer hat sich vorgenommen, auch eigene Geräte der Mitarbeiter in die Unternehmens-IT einzubinden. Künftig greifen weltweit mehr als 2.000 Beschäftigte des Schweizer Konzerns über Terminals oder private Laptops und Tablet-PCs sicher auf die Unternehmensanwendungen zu. In der Größenordnung dürfte das Unternehmen klar weltweiter Vorreiter beim Thema Bring your own Device (BYOD” werden. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts IDC wird die Zahl der mobilen Arbeiter bis 2015 weltweit auf etwa 1,3 Milliarden ansteigen.

Ich bin gespannt, welche Sogwirkung das Projekt auf andere Unternehmen ausüben wird. Interessant ist vor allem die Entwicklung bei den Themen Datenschutz, EU-Standort und BYOD.