Bring your own car: Herausforderung oder Chance im IT-Alltag?

Das Thema „Bring your own Device“ ist derzeit in aller Munde. Dabei bleibt von den meisten IT-Abteilungen vollkommen unberücksichtigt, dass auch der Geschäftswagen inzwischen längst ein technisches Gerät ist, in dem Computer, Handy, Headset und mehr eingerichtet werden müssen. Die neuesten Modelle von Audi, BMW und Volkswagen besitzen sogar eingebaute SIM-Karten, wodurch im Auto gesurft oder direkt telefoniert werden kann. Wie aber managen wir BYOC (Bring your own car) im IT-Alltag?

Als ich mir vor einem halben Jahr meinen neuen Audi abholte, dachte ich, der Verkäufer macht einen Scherz, als er mir die eingebaute SIM-Karte vorstellte. Doch mit ihr kann man über einen Bordcomputer-Touchscreen SMS verschicken, bei Facebook surfen oder einfach nur über die Freisprechanlage telefonieren. Ganz ohne Handy. In einem Dienstwagen. Der SuperGAU für jeden IT-Manager, denn nun muss nicht mehr nur das Handy als „own Device“ in das Unternehmensnetzwerk integriert werden, auch das Auto selbst ist ein neues Gerät. Dabei sind die IT-Leiter schon jetzt mit den Anfragen zur Nutzung des eigenen Smartphones überfordert.

Ob neue oder ältere Modelle, überall werden schon jetzt Displays, Mikrofon, Lautsprecher, Headset, Tastatur, Kameras genutzt. Der heimische PC auf Rädern mit Motor sozusagen. In den kommenden Jahren, so prophezeien Experten, wird jedes neue Auto am Produktionsband mit einem eigenen Mobilfunkgerät ausgestattet, inklusive SIM-Karte. Dann wird das Auto jederzeit mobil online sein, seinen Besitzer mit Webdiensten und Programmen versorgen und im Sekundentakt mit den App-Servern kommunizieren.

Intel hat hierzu eigens dieses Jahr in Deutschland ein globales Kompetenzzentrum für „Innovationen in der Automobiltechnik“ eingerichtet.  Ziel soll das vernetzte Auto mit den Schwerpunkten In-Vehicle Infotainment (IVI) und Telematik sein. Für CIOs heißt es deshalb in Zukunft nicht nur, sich darüber Gedanken zu machen, wie Mitarbeiter vertrauliche Mails sicher über das Smartphone verschicken können. Sie müssen auch darüber nachdenken, über welche Server ihre Mails laufen. Diese stehen nämlich dann nicht mehr nur in den USA und Kanada, sie werden von deutschen Autoherstellern betrieben. Deren Rechenzentren ermöglichen den Autofahrern Zugriff auf ihre Accounts, ERP-Listen, Mails und mehr.

Auch beim Telefonieren will sich die Autobranche als Dienstleister positionieren. Das Konsortium Car2Car Communication will Autos miteinander vernetzen, so dass sie untereinander kommunizieren und Unfälle verhindert werden können. Aber auch VoIP-Verbindungen zwischen Geschäftswagen sollen damit möglich sein. Kritisch ist dabei, dass die Daten für die Unterstützung des Vertriebs der Autohersteller gespeichert werden. Geschäftsdaten wohlgemerkt. Bei Automobilherstellern, die auf diesen Gebiet bislang keinerlei Kompetenz sammeln konnten.

Können also bald schon mit dem nächsten System-Check des Autos auch alle Kommunikationsdaten aus dem Bordcomputer gezogen werden? Oder müssen sich IT-Leiter bald damit konfrontiert sehen, mit Automobilherstellern Verträge abzuschließen, damit Geschäftsdaten wirklich nur innerhalb des Unternehmens ausgetauscht werden? Immerhin sind Autohersteller nun auch Internetdienstleister, die den Kunden Telekommunikations- oder Telemediendienste anbieten.

Hier sollten CIOs aufhorchen und prüfen, wie das Auto des Mitarbeiters in das firmeneigene Netzwerk eingebunden werden kann. Denn rein technisch weiß der Autohersteller von nun an über jeden Schritt und jeden Anruf, Mail etc. des Mitarbeiters bescheid. Deshalb sollte vor der Übernahme eines derart ausgestatteten Autos genau überlegt werden, welche Kriterien das Auto (und dessen Kommunikationsvertrag) erfüllen muss, um kritische Daten aus den Corporate Netzwerken zu schützen. Oder sind diese Ängste übertrieben? Was denken Sie?