Brabus "iBusiness 2.0": mit dem iPad 2 in 3,9 Sekunden auf 100

Im Ruhrgebiet spielt man nicht nur guten Fußball. Neben Schalke 04 und Lüdenscheid stürmte im November 1977 ein kleines Unternehmen aus Bottrop an die Tabellenspitze der sogenannten Tuner. Mittlerweile gehört Brabus zu den größten Autotunern der Welt. Unter dem Slogan “iBusiness 2.0” haben die Ruhrpott-Tuner nun das weltweit erste Multimedia-System entwickelt, das auf dem Apple iPad 2 basiert.

Die Autoschmiede Brabus hat es geschafft, die Finanzkrise unbeschadet zu überstehen. Das lag vor allem an der Leidenschaft des Unternehmensgründers Bodo Buschmann. Sein Drang nach Perfektion und Liebe zum Detail verschaffte dem Unternehmen weltweit Kundschaft. Was sich damals aus Langeweile in einer Garage am eigenen Strichachter entwickelte, erlangte knapp 33 Jahre später Perfektionismus pur.

2010 setze das Unternehmen erstmals auf ein komplettes Multimedia-System aus dem Hause Apple. Damals verbauten die Tuner mit dem iPad der ersten Generation ein Gerät für die Navigation, die Musikanlage und das Telefon. Ein Jahr später setzen die Autoliebhaber erneut auf Apple – nur dieses Mal ist das schnellere iPad 2 an Bord sowie einige Extras mehr.

Der im Fond der Mercedes-S-Klasse integrierte Tablet-Computer dient nicht nur für Entertainment und Internet: Die Ingenieure von Brabus entwickelten eine Anwendung, mit der das iPad 2 in die Bordelektronik integriert wird. Die Idee ist nicht neu, nun aber perfekt umgesetzt. Die Steuerung aller Funktionen des eigens dafür konzipierten Command-Systems der S-Klasse ist vom Rücksitz aus möglich – die hintere Fahrgastzelle wird nun durch die verbaute Technik zur Schaltzentrale, das Cockpit dagegen verwandelt sich zu einer noblen Nebensache.

Brabus 2

Mehr noch, das iBusiness-2.0-System erhält durch den Einsatz der neuen iPad-Generation und der im Gerät integrierten Kamera einen ganz besonderen Touch: Videokonferenzen aus dem Auto heraus haben halt doch das gewisse Etwas – vorausgesetzt, die Verbindung stimmt.

Nur Gas geben kann das iPad nicht

Das Multimedia-System integriert wahlweise bis zu zwei iPad-2-Tablets in den Fond. Dazu wurde eine maßgeschneiderte Variante des Brabus-Tisches entwickelt, der mit einer speziellen Konsole an die Rückenlehne des Vordersitzes adaptiert wird. Die elektrisch ausfahrbare und stufenlos verstellbare Tischplatte ist wie das gesamte Interieur mit Leder bezogen und wird von einem eleganten Aluminiumrahmen eingefasst. Der Fond wird im wahrsten Sinne des Wortes zum mobilen Büro, eben weil das jeweilige iPad in verschiedenen Positionen genutzt werden kann.

Brabus 3

Die von Brabus angestrebte Flexibilität erkennt man bei der wahlweise waagerechten oder senkrechten Aufnahme des iPad 2 und der dazugehörenden Bluetooth-Tastatur. Durch die spezielle Anfertigung des Tisches soll selbst in den weichen Ledersitzen ein professionelles Arbeiten möglich sein. Wobei bei dieser multimedialen Ausstattung die Arbeit eher in den Hintergrund rückt oder zumindest rücken sollte. Denn das Komplettsystem übernimmt, bis auf die Steuerung des Fahrzeugs und das Gasgeben, die gesamte Technik im Automobil. Gerade durch die höhere Rechenleistung des Tablets nimmt der Mitfahrer im Fond ordentlich IT-Fahrtwind auf. Aber selbst mit dem iPad der ersten Stunde würde niemand gerne aussteigen wollen.

Mac mini : die Multimedia-Schaltzentrale

Das iPad 2 ist über WLAN mit einem Mac mini verbunden, und die Techniker vernetzten die Flunder gleichzeitig mit dem beschriebenen Bordnetz – das Ansteuern des Radios, der Navigation und des Telefons kann somit bequem aus dem hinteren Fahrzeugbereich geschehen. Und ja, Sie haben richtig gelesen: Der Zentralcomputer, ein Mac mini, ist demnach das Multimedia-Center, auf dessen Festplatte alle Mediendaten gespeichert sind.

Der Rechner ist im Kofferraum der S-Klasse unter der Hutablage in einer elektrisch ausfahrbaren Schublade sicher untergebracht. Die Tuner versprechen, dass selbst auf holprigem Untergrund das Abspielen und Öffnen von Filmen, Musik oder, wer es dann doch nicht lassen kann, unternehmenswichtigen Dokumenten flüssig und ohne Unterbrechung funktioniert.

15-Zoll -Bildschirm mit an Bord

Die Integration anderer Gadgets funktioniert ebenfalls. So hat Brabus nicht nur an der Software gefeilt, vielmehr wurde die S-Klasse komplett auf das System hin modifiziert. So findet der Mitfahrer in der Mittelkonsole Einschübe zum Aufbewahren und Laden von iPhone, iPod und iPad – zusätzlich können über USB-2.0-An-schlüsse, die im Fond eingelassen sind, eine Kamera und andere übliche Peripheriegeräte, ein Drucker beispielsweise, angeschlossen werden. Da die Internetverbindung per UMTS und HSDAP hergestellt wird, ist der Vorteil auch gleichzeitig der Nachteil: Bei sehr hoher Geschwindigkeit und in manchen Umgebungen bleibt der Weg ins virtuelle Netz verschlossen.

Im lokalen Netz ist selbstverständlich alles erreichbar und steuerbar. Ein weiteres Highlight zeigt die Dimension des Fahrzeugs. Das iPad hat bekanntlich ein 10-Zoll-Display. Für ein entspanntes Filmvergnügen ist das für den ein oder anderen zu klein. Warum also keinen zusätzlichen Monitor? Daher kann ein TFT-Bildschirm, 15-Zoll und 16:9-Format, automatisch ein- und ausgefahren werden. Der Innenausstatter ließ es sich nicht nehmen, zudem in der Rückseite der vorderen Kopfstützen zusätzlich für TV über zwei Bildschirme plus DVB-T zu sorgen.

Zählt man alles zusammen, stehen der im Fond sitzenden Person bis zu fünf Displays zur Verfügung. Wenn schon das Fahrzeug selbst erwähnt wird, ist es an der Zeit, diesen Boliden auch technisch vorzustellen. Brabus ist dafür bekannt, sich gerne die Marke Mercedes auszusuchen, um sich technisch und optisch auszutoben – Brabus selbst baut hin und wieder sogar eigene Autos. In diesem Fall wurde die besagte S-Klasse komplett umgestaltet. Die Zwölfzylinder-Modelle S 600 und S 65 können durch das 800-V12-Biturbo-Triebwerk zum hier vorgestellten „iBusiness 2.0“ aufgerüstet werden.

Das bedeutet wiederum, dass die dann daraus entstehende Hightech-Luxuslimousine zum schnellsten fahrenden Büro der Welt wird. Warum? Das eigene Zwölfzylinder-Biturbo-Triebwerk mit 800 PS und einem maximalen Drehmoment von 1420 Newtonmeter katapultiert den Viersitzer in 3,9 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit ist, wie man es von einem Hightech-Mobil erwartet, elektronisch auf 350 Kilometer pro Stunde begrenzt.

iBusiness 2.0, kein Schnäppchen

Eine Augenweide sind nicht nur die technischen Daten dieses Wagens, auch bei einer Besichtigung der übrigen Ausstattung kommt der Betrachter aus dem Staunen nicht heraus. Als außergewöhnliche Ergänzung zur technischen Ausstattung durften sich die Innenausstatter im Innenraum handwerklich vergnügen. So verleiht eine Edelholz-Kombination diesem ein maritimes Ambiente im Stil italienischer Sportboote.

Der Wahnsinn: Nach klassischer Handwerkskunst wurden alle in der S-Klasse integrierten Holzteile von Hand und aus Hunderten von Einzelteilen in der Optik eines Miniatur-Schiffsfurniers neu angefertigt. Was beispielsweise bei Apple der beleuchtete Apfel ist, beschreibt der Innenraum mit Einstiegsleisten und beleuchtetem Brabus-Logo. Allein die Vorstellung, hinten bequem bei 200 Sachen einen Film über das iPad zu steuern und auf das TFT-Display zu zaubern, verursacht Höchstgeschwindigkeiten in den Blutbahnen.

Höchstgeschwindigkeit ist dann aber auch beim Preis angesagt. Für das gesamte Multimedia-System verlangt Brabus knapp 48.000 Euro. Die günstigste Variante für ein iPad, Tastatur und Fahrzeugintegration gibt es für etwa 9.000 Euro. Die S-600-Variante kostet im Luxuslook schlappe 470.000 Euro – ein Schnäppchen.

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