Börsengigant Apple: 600 Milliarden Dollar wert – und kein Ende in Sicht

Ein neuer Gipfel ist erreicht: Erstmal in der Konzerngeschichte hat Apple nach dem Börsenwert die 600 Milliarden-Dollarmarke überschritten. Selbstredend, dass dabei an der Wall Street neue Allzeithochs markiert wurden. Doch wie weit kann die Apple-Aktie eigentlich noch laufen? Analysten meinen: Die Erfolgsstory ist noch lange nicht ausgereizt.

Das Beste folgt bei Apple meist zum Schluss. Das „One more Thing“ am Freitag an der Wall Street: Neue Allzeithochs in einem furiosen Schlussspurt, der die Apple-Aktie in den letzten Minuten auf 648 Dollar katapultierte. Damit ist das vier Monate alte Allzeithoch von Mitte April Geschichte.

Gleichzeitig ist Apple ein weiterer Meilenstein gelungen: Der Kultkonzern aus Cupertino hat erstmals auf Basis des Schlusskurses die 600 Milliarden-Dollarmarke überschritten. Bemerkenswert: Die weltweite Nummer zwei, Exxon Mobil, liegt schon 200 Milliarden Dollar zurück. Noch bemerkenswerter: Apple ist inzwischen sogar wertvoller als die zehn größten deutschen Konzerne zusammen.

Wall Street optimistisch

Nicht wenige Anleger dürften sich angesichts des jüngsten Höhenflugs fragen, an welche Grenzen Apples schier unendliche Erfolgsstory eigentlich stoßen könnte? Die Wall Street gibt darauf eine klare Antwort: Bei 648 Dollar ist noch längst nicht Schluss.

Das vom Finanzinformationsanbieter Thomson / First Call erfasste 12-Monats-Durchschnittskursziel von 46 Analysten liegt bei 721 Dollar. Doch zahlreichen Banken ist das zu konservativ: Sie stuften die Erwartungen für die Apple-Aktie zuletzt immer weiter nach oben. Erst Freitag legte etwa Jefferies die Latte höher: Mal eben um hundert Dollar wurde das Kurziel auf nunmehr 900 Dollar angehoben.

Kurstreiber Produktlaunches: iPhone, iPad mini und iTV

Als Treiber des Wachstum sieht die New Yorker Investmentbank die kommenden großen Produktlaunches: Das neue iPhone im September und das iPad mini, für das Apple nach Meinung des Analysten Peter Misek im Oktober möglicherweise eine eigene Keynote halten könnte.

Auch iTV, über das sich die Spekulationen bereits seit Jahren hinziehen, sei nach Miseks Meinung bereits in der Produktion, er wisse aber nicht, „wie viele Produkte Apple im vierten Kalenderquartal launchen möchte“. Die Prognose des Jefferies-Analysten für einen Start von iTV liegt daher im ersten Quartal 2013.

Apple-Aktie weiter mit günstiger Bewertung

Doch wer den jüngsten Höhenflug der Apple-Aktie auf Zukunftsspekulationen reduzieren will, unterschlägt fundamentale Bewertungskriterien. Die Apple-Aktie ist nämlich – ungeachtet ihres optisch vermeintlich hohen Preisniveaus – eine der günstigsten Papiere der US-Techbranche.

Das maßgebliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt für das in sechs Wochen endende Geschäftsjahr bei 15. Nach Abzug des immensen Cash-Bestandes von inzwischen 118 Milliarden Dollar oder 124 Dollar je Aktie reduziert das KGV auf moderate 12. Legt man das erwartete KGV für das im Oktober beginnende neue Geschäftsjahr zugrunde, reduziert sich das KGV gar auf die bemerkenswert niedrige Multiple von 10 – der historische Durchschnitt des marktbereiten S&P 500-Index liegt bei 15.

Gewinnschätzungen für 2013 zu konservativ?

Und dabei sehen die Gewinnschätzungen für 2013 mit 53 Dollar je Aktie aktuell ziemlich konservativ aus – das entspräche nämlich gerade mal einer Gewinnsteigerung von 20 Prozent. Zum Vergleich: In diesem Jahr dürfte Apple um knapp 60 Prozent wachsen, 2011 waren es 85 Prozent.

Ein regelrechter Einbruch der Gewinndynamik ausgerechnet in jenem Geschäftsjahr, in dem mit dem iPhone 5 der vermutlich größte Produktlaunch in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie ansteht, mit dem iPad mini eine Diversifizierung der stark wachsenden iPad-Sparte und mit iTV gar eine neue Produktkategorie möglich erscheint? Rein rechnerisch passt da etwas nicht zusammen. Oder anders formuliert: Bei der möglichen Gewinnentwicklung ist noch viel Luft – nach oben.

„Apple wird erstes Billionen-Unternehmen der Welt“

Die sehen unabhängige Vermögensverwalter dann auch für die Aktie: Der frühere Hedgefondmanager Cody Willard, der die Aktie 2003 einst zu Kursen um die 7 Dollar einsammelte, rechnet mit 1000 Dollar bis zum Jahr 2015. Asset Manager James Altucher hat dieses Kursziel bereits für das nächste Jahr ausgerufen: „Apple wird das erste Billionen -Unternehmen der Welt“, ist sich Altucher sicher.

Und Portfolio-Manager Eric Jackson ist noch ein bisschen optimistischer und hat für das Jahr 2015 exakt 1650 Dollar ausgerechnet. Für Apple-Aktionäre wäre das neue Rekordhoch vom Freitag damit nicht mehr als eine Zwischenstation.