Blitzer.de: Wie gut funktioniert die Radarwarn-App im Straßenverkehr?

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich das iPhone vom Navigationsgerät auch zum Radarwarner entwickeln würde. So genannte Blitzer-Apps werben damit, den Autofahrer rechtzeitig vor dem Passieren einer festinstallierten Radarfalle oder mobilen Polizeikontrolle zu warnen. Das klingt verlockend. Ob die Apps halten, was sie versprechen und ob ihr Einsatz legal ist, hat die Redaktion des SWR Marktcheck am Beispiel der beliebten App Blitzer.de geprüft.

Blitzer.de zählt zu den meistgeladenen Radarwarn-Apps im App Store. Neben einer kostenlosen Variante (iPhone App-Link) gibt es auch eine Pro-Version (iPhone App-Link) zum Preis von aktuell 79 Cent. Die Entwickler von Eifrig Media versprechen, Autofahrer rechtzeitig vor festen Radarfallen und mobilen Blitzern zu warnen. Insgesamt sind europaweit rund 47.000 festinstallierte Anlagen in der Datenbank gespeichert. Zudem aktualisiert die App bei bestehender Internetverbindung in Echtzeit Hinweise auf mobile Blitzer durch die Community. Dank eines Filters sollen nur Fallen entlang der Route angezeigt werden, um unnötige Warnhinweise zu vermeiden. Um dauerhaft von den Vorteilen der App profitieren zu können, bietet Blitzer.deein lebenslanges Abo aller Aktualisierungen von 9,99 Euro.

Nicht schlecht, aber nicht perfekt

Die Redakteure des SWR Marktcheck haben die App im Straßenverkehr von Stuttgart ausführlich getestet. Vor fest installierten Geschwindigkeitsmessungen oder Blitzer-Ampeln warnte das Handy durch ein optisches und akustisches Signal immer rechtzeitig, sodass der Fahrer den Fuß vom Gas nehmen oder bremsen konnte, um ein Bußgeld oder Punkte zu vermeiden. Urteil der Redaktion: “Blitzer.dekennt die gefährlichen Stellen. Nicht schlecht.”

Bei mobilen Blitzanlagen, die spontan von der Polizei installiert werden, ist die App weniger zuverlässig. Logisch, denn bei diesen Fallen ist die Datenbank auf die schnelle Reaktion der Community angewiesen. Wird eine Messstelle nicht gemeldet, bleibt sie für andere Nutzer unsichtbar. Umgekehrt kann es sein, dass die App vor Fallen warnt, die nicht oder nicht mehr existieren, da jeder Nutzer ungeprüft Blitzer melden kann. Urteil: “Perfekt ist der Radarwarner also nicht.”

Aber ist der Einsatz der App legal?

Es bleibt noch die Frage nach der Legalität solcher Warn-Apps. Daniel Hajek, Fachanwalt für Verkehrsrecht, erklärt: “Wenn man eine derartige App auf dem Handy installiert, macht man das Handy automatisch zu einem Gerät, das einem Radarwarnsystem gleichgestellt ist – und begeht automatisch eine Ordnungswidrigkeit, wenn man dieses Handy dann also betriebsbereit mit sich führt. Das führt automatisch zu einer Geldbuße von 75 Euro als Regelgeldbuße für Ersttäter und einem Eintrag von vier Punkten ins Verkehrszentralregister.”

Ein weiteres Problem: Zur Aktivierung von Blitzer.de muss der Nutzer während der Fahrt nur kurz auf das Display tippen. Laut Hersteller sei die Fahrt dadurch nicht gefährdet. Aber: Wer ein Handy während der Fahrt bedient, verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung. Ein Handy darf im Auto nur in die Hand genommen werden, um es von einem Platz auf einen anderen zu legen. Eine legale Grauzone ist, wenn der Beifahrer das Handy und die App bedient. Auch sollten Nutzer sich nicht darauf verlassen, dass die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, relativ gering ist. Denn die Polizei hat nach Aussage des Stuttgarter Innenministeriums keine Handhabe, Handys zu kontrollieren.

Weiteres Manko: Dadurch dass Blitzer.de die Funktionen des iPhones voll ausspielt und in der Nähe der Frontscheibe platziert wird, kann es sehr schnell zu einer Überhitzung des Smartphones und einer Zwangsabschaltung kommen. Viele Kommentare in iTunes bezeichnen die App – trotz der guten Funktionsweise – als Akku-Killer.

Unser Fazit: Blitzer.de ist sicher eine tolle App, die den Funktionsumfang und die Möglichkeiten des iPhones eindrucksvoll demonstriert. Im Straßenverkehr sollte man sich jedoch auf mobile Navigations-Apps beschränken. Blitzer.de ist nicht legal und kann zu einer unvorsichtigen Fahrweise verleiten. Beifahrer können die App gern ausprobieren. Die Fahrer sollten aber ohne Hilfsmittel vorausschauend und mit der vorgegebenen Geschwindigkeit fahren.

Der Videobeitrag aus der SWR-Sendung Marktcheck vom Donnerstag, 2. August 2012:

(via SWR Marktcheck)