Blick aufs Börsenparkett: Die Angst der Analysten vor dem nächsten Apple-Quartal

Regelmäßig pulverisiert Apple bei Bekanntgabe der Quartalszahlen die Schätzungen der Analysten – so auch vor einigen Wochen. Doch der Kurssprung nach dem März-Quartal ist an der Börse inzwischen längst wieder verpufft. Der Grund: Analysten sorgen sich um das laufende Quartal, in dem die iPhone-Absätze einbrechen könnten.

Die Maschine läuft und läuft und läuft: 11,6 Milliarden Dollar oder 12,30 Dollar je Aktie hatte Apple im ersten Kalenderquartal des Jahres verdient, dem zweiten des Geschäftsjahres 2011/12 – und damit wieder einmal alle Analystenerwartungen sehr deutlich übertroffen. Die Aktie setzte am nächsten Handelstag zu seiner regelrechten Kursexplosion von 10 Prozent oder rund 60 Dollar an.

Drei Wochen später sieht es so aus, als hätte das Rekordquartal nicht stattgefunden – die Börse hat alle Gewinne wieder einkassiert, die Apple-Aktie notiert bei aktuell 566 Dollar so schwach wie vor Bekanntgabe der letzten Geschäftsergebnisse. Doch warum eigentlich?

Credit Suisse senkt die Gewinnschätzungen
Nach dem Rekordquartal ist vor den nächsten Rechenexempeln. Und die fallen seitens der Analysten überraschenderweise immer konservativer aus. In einer raren Herabstufung reduzierte die Schweizer Investmentbank CreditSuisse am Freitag ihre eigenen Gewinnschätzungen für dieses und das kommende Geschäftsjahr.

Der Grund: Die Nachfrage auf dem amerikanischen Smartphone-Markt könnte sich abschwächen, mutmaßt Analyst Kulbinder Garcha, der die Gewinnschätzungen um 3 bis 5 Prozent auf 49,34 bzw. 59,15 Dollar je Aktie reduzierte, trotzdem jedoch sein ‚Outperform’-Rating mit einem Kursziel von 750 Dollar beibehielt.

Morgan Stanley warnt Kunden bereits vor schwächerem Quartal
Seit Wochen kursiert am Markt die Sorge, Mobilfunkprovider könnten in einer konzertierten Aktion versuchen, ihre Smartphone-Subventionen zurückzufahren. Das könnte Apples kostspieliges iPhone, das inzwischen für die Hälfte der Gewinne verantwortlich ist, besonders treffen.

Katy Huberty von Morgan Stanley hatte Bankkunden Ende letzter Woche in einer Kurzmitteilung bereits vor möglichen Enttäuschungen gewarnt. Ihre Ergebnisschätzungen für das Juni-Quartal wären daher entsprechend konservativ ausgefallen.

Sorge vor einer Wiederholung des letztjährigen September-Quartals
Huberty wies darauf hin, dass Apple in seinem eigenen Ausblick, der bei einem Ergebnis von 8,68 Dollar je Aktie und Umsätzen von 34 Milliarden Dollar liegt, deutlicher unter den Analysten-Erwartungen zurückblieb als in der Vergangenheit – nämlich diesmal mit 9 Prozent bei den Umsätzen und 12 Prozent beim Ergebnis je Aktie. Im Schnitt lag die Apple-Guidance in den vergangenen Jahren 2 (Erlöse) bzw. 10 Prozent (Gewinne) unter den Konsensschätzungen der befragten Volkswirte.

Das letzte Mal, als Apple einen ähnlich zurückhaltenden Ausblick lieferte, folgte die Enttäuschung auf dem Fuß – das September-Quartal enttäuschte die Börse seinerzeit schwer. Huberty hat ihre eigenen Schätzungen daher bereits auf einen Gewinn je Aktie von 9,39 Dollar bei Erlösen von 34,8 Milliarden Dollar angepasst.

Bliebe die Frage nach den Gründen für eine mögliche Schwächephase. Die Konjunktur? Die immer größere Konkurrenz durch Samsung? Oder schon die ersten Kaufrückstellungen vor dem erwarteten iPhone5-Launch? Ein Nachlassen der Nachfrage nach dem iPhone 4S bereits im dritten Quartal nach dem Launch wäre jedenfalls keine gute Nachricht für Apple – im vergangenen Jahr wurde das Juni-Quartal zum Triumphzug mit den bis dato meisten iPhone-Abverkäufen. Apple bleiben noch rund sechs Wochen, um die Gerüchte durch Fakten zu zerstreuen.