Beschränkte Welt: iPad-App des Jahres 2010 im Test

Welt HDWelt HD (kostenlos, iTunes-Link), eine iPad-App des Axel Springer Verlags, ist von Apple zur App des Jahres 2010 gekürt worden. Tatsächlich ist die App innovativ – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite, so unsere Überzeugung, sieht die Zukunft des Journalismus anders aus.

Der größte deutsche Print-Verlag ist ein Pionier. Kein deutsches Zeitungshaus investiert mehr in die Technik für den Journalismus der Zukunft als die Axel Springer AG.

Es gibt mit The Iconist (kostenlos, In-App-Kauf 4,99 Euro, iTunes-Link) ein Magazin, das ausschließlich für das iPad produziert wird, und das soeben mit der dritten Ausgabe erschienen ist. Und mit iKiosk (kostenlos, iTunes-Link) hat der Verlag eine App, welche die Zeitungen und Zeitschriften der Bild- und Welt-Gruppe im PDF-Format zur Verfügung stellt.

Springer-Apps

Die bisherige Erfolgsbilanz: Von den rund 800.000 Apps, die Springer innerhalb der vergangenen zwölf Monate vertrieben hat, wurden mehr als 540.000 bezahlt, hatte Springer Chef Mathias Döpfner jüngst mitgeteilt. Spitzenreiter ist die Bild-Zeitung (0,79 Euro, iTunes-Link für iPhone und iPod touch; 0,79 Euro, iTunes-Link für iPad). Die entsprechende App  sei rund 400.000mal verkauft worden, die Hörzu-App (1,59 Euro, iTunes-Link) komme immerhin auf 16.000 Verkäufe.

Für die iPad-App Welt HD (kostenlos, iTunes-Link) ist der Springer Verlag nun von Apple mit dem Titel „iPad-App des Jahres 2010“ ausgezeichnet worden. Grund für uns, die App genauer anzuschauen.

Welt HD kann die ersten 30 Tage kostenlos getestet werden, danach gibt es In-App-Käufe für 1 Monat (11,99 Euro), 3 Monate (29,99 Euro) und 1 Jahr 119,99 Euro).

Die App hat ihr letztes Versionen-Update am 15. November erfahren. Aber die Grundstruktur der App ist von Beginn an (Mai 2010) unverändert – und in gewisser Weise einzigartig.

Welt HD ist nämlich eine Mischung aus tages(in)aktueller Zeitung und minutenaktueller Webseite. Vier Mal am Tag wird Welt HD mit neuen Inhalten bestückt. Oben rechts in der App ist zu erkennen, wann die Redaktion die letzte Aktualisierung vorgenommen hat.

Welt HD - Startseite

Mit Klick auf den Button, kann man sich die aktuellste Ausgabe herunterladen.

Welt HD - laden

Weitere Auffälligkeit: Jedes Ressort hat nur eine Seite. Kein Scrollen nach unten. Und die Navigation ist auf drei Ebenen beschränkt (Inhaltsverzeichnis -> Ressortübersichtsseite -> Artikelseite).

Welt HD - drei Ebenen

Das schafft Übersicht, macht aber auf der anderen Seite die Beschränktheit des Angebots deutlich.

Acht Nachrichten für den Politikteil, das ist reichlich wenig. Außerdem fehlen Verlinkungen, die zu weiteren Internet-Inhalten außerhalb des Welt-Angebots führen. Und einen Abruf älterer Artikel gibt es auch nicht.

Wer etwa das Lesen per RSS-Reader gewohnt ist, wo zum einen erkennbar ist, was bereits gelesen wurde und man zum anderen die Veröffentlichungshistorie einer Seite chronologisch vor Augen hat, fühlt sich beim Angebot von Welt HD beschränkt.

Fazit

Was wir bei Print schätzen, nämlich die Abgeschlossenheit einer Publikation, das Gefühl, eine Zeitung oder Zeitschrift auslesen zu können, um dann (zumindest zu glauben) alles Wesentliche zu wissen, dieses Gefühl mag sich bei einem digitalen Lesemedium nicht einstellen.

Das Internet ist grenzenlos, jeder weiß das, jeder fühlt das. Wir glauben: Wer versucht, diese Grenzenlosigkeit zu begrenzen, wird auf Dauer kein Erfolg haben.

Aber wie gesagt: Kein deutscher Verlag investiert mehr in die Technik für den Journalismus der Zukunft. Nicht alle Apps sind Glanzlichter. Welt HD, die iPad-App des Jahres 2010, gehört unserer Meinung nicht dazu. Das ist nur ein kleiner Vorwurf. Wer viel probiert, darf Fehler machen.