Berliner Morgenpost: Axel Springer forciert mit iPad-App das Abogeschäft

Fünf Tage nach der iPhone-App bringt die Berliner Morgenpost (kostenlos, iTunes-Link) ihr Angebot auch auf das iPad. “Mit der Morgenpost-App auf Ihrem iPhone oder iPad wissen Sie immer, was in Berlin und der Welt geschieht”, versprechen die Macher. Aber kann die App mit der Aktualität der Webseite mithalten oder ist sie nur ein weiterer Schritt ins Abogeschäft?

Die zweite Frage kann man mit einem klaren Ja beantworten. Axel Springer betont immer wieder, dass die Zukunft des Verlagsgeschäfts im App-Verkauf und damit verbundenen Abomodellen liegt. So ist das Angebot der Morgenpost nur in den ersten 30 Tagen kostenfrei. Anschließend erhalten Nutzer das Abo zum Einführungspreis von 8,99 Euro pro Monat – ohne automatische Verlängerung. Damit zahlen iPad-Abonnenten rund ein Drittel mehr als Online-Abonnenten (1-Monats-Abo: 5,95 Euro) der Morgenpost.

Damit sich die Differenz auszahlt, sollte die iPad-App mehr bieten als die Browser-Version, die ebenfalls ohne Einschränkung auf dem iPad gelesen werden kann. Zum Beispiel wollen die Macher mit zwei Ausgaben punkten: eine am frühen Morgen, eine am späten Abend. Das Webangebot profitiert dagegen von einer Rund-um-die-Uhr-Aktualisierung.

Die App unterscheidet sich vom Webangebot deutlich in der Präsentation der Inhalte und zeigt Nähe zu einer Printausgabe: 3-spaltiges Layout, Aufmacher, Trennlinien:

Vorteil: Die Übersicht lässt eine klare Gewichtung der einzelnen Themen auf der Titelseite und den übrigen Ressort-Aufmachern zu. Nachteil: Das Angebot wirkt beschränkt, weniger wichtiges kann die Redaktion am unteren Bildschirmrand in eine horizontale Scroll-Leiste platzieren.

Auch die Navigation lehnt sich stark an die Lesegewohnheit einer Tageszeitung an. Sie verzichtet komplett auf das Abwärtsscrollen, wie man es von einer Webseite gewohnt ist. Von der Startseite aus blättert man zu beiden Seiten durch die Ressortaufmacher. Lediglich ein kurzer Tipp nach unten beziehungsweise auf die “Inhalt”-Ecke öffnet ein Inhaltsverzeichnis und damit den Direkteinstieg in eines der elf Ressorts inklusive Titelseite. Einzelne Artikel öffnet der Nutzer durch kurzes Antippen.

Hält man seinen Finger dagegen länger auf einen Artikel, öffnet sich ein kleiner Ausriss und der Nutzer kann den Artikel an den unteren Bildschirmrand auf die Pinnwand schieben. Diese Artikel können dann zu einem späteren Zeitpunkt gelesen werden.

Die Designer haben sich bemüht, den Mediensprung von Print zur App so nahtlos wie möglich zu gestalten. Die einzelnen Seiten zeigen an den Rändern Schatten und haben eine Risskante. Die Pinnwand erhält einen hölzernen Hintergrund. Aktive Online-Nutzer dürften diese Details dagegen weniger locken. Eher werden sie beklagen, dass die App eindeutig weniger Möglichkeiten bietet als die Webseite.

Es gibt keine Suchfunktion, vor allem der “Navigator” liefert lediglich eine statische Übersicht wichtiger Veranstaltungen. Im Web dagegen bietet die Morgenpost eine ausführliche Veranstaltungssuche:

Fazit: Die App der Berliner Morgenpost ist für Hauptstädter gedacht, die das iPad als Lesegerät verstehen und mehr Wert auf Übersicht legen als Aktualität. Nutzer des Webangebots erhalten keinen Mehrwert und zahlen auch noch drauf. Zur Zeit ist es auch noch nicht möglich, die App auch für Online-Abonnenten zugänglich zu machen.

Insgesamt stellt sich die Frage nach dem Sinn einer App für ein tagesaktuelles Angebot. Im Zweifel ist es besser, den Fokus auf ein webbasiertes Angebot zu legen, das die Vorteile des Tablets konsequent bedient. Springer wird gespannt auf den 9. Dezember schauen, an dem voraussichtlich Apple und News Corp. ein neues Abo-Modell für Verlage vorstellen wollen.