Ausgespäht: 10 Fakten über den BND

BND (Bildquelle: Apple Karten)

Mit der Bildung der Organisation Gehlen, benannt nach dem ersten Leiter und späteren ersten Präsidenten des BND, begann im Juni 1946 die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes. Zuletzt kam heraus, dass der US-Geheimdienst NSA die deutschen Kollegen mutmaßlich zur Ausspähung europäischer Partner oder Unternehmen instrumentalisiert hat. Zehn Fakten, die Sie über den BND auch interessieren könnten.

1. Codename „Nikolaus“ und andere Decknamen

Als die Organisation Gehlen am 6. Dezember 1947 die neue Immobilie für die zukünftige Aufklärungsarbeit in Pullach bei München bezog, musste aufgrund des Einzugdatums über einen passenden Namen des Areals nicht lange nachgedacht werden: Camp Nikolaus. Offiziell wurde das geheimnisvolle mit Mauern und Stacheldraht umzogene Areal als „Bundesvermögensverwaltung, Abteilung Sondervermögen, Außenstelle Pullach“ ausgewiesen.

2. Peinlichkeiten der DDR-Aufklärung

Die Abriegelung Westberlins am 13. August 1961, der der Mauerbau folgte, hatte der BND unter anderem aufgrund von Truppenbewegungen um wenige Tage vorhergesehen. Anders den Mauerfall. In Dokumenten von Anfang September 1989 stellt man noch fest, dass ein „großer Teil der Bevölkerung […] loyal bzw. resignativ“ dem Regime gegenüberstände. Am 14. September erklärt der BND den Generalsekretär des Zentralkomitees Erich Honecker für tot, die Öffnung der Grenzen am 9. November sei ein „radikaler Schritt“ des Nachfolgers Egon Krenz.

3. Fast nur Doppelagenten in der DDR

Zur Aufklärung von Aktivitäten hinter der Mauer und vor allem in und um Militäreinrichtungen der Sowjetarmee beschäftigte der BND zeitweilig bis zu 10.000 Agenten in der DDR. Allerdings, so Forschungen der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler, standen neun von zehn BND-Quellen gleichzeitig auf der Gehaltsliste der Stasi und waren damit Doppelagenten.

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4. 6.500 Mitarbeiter

Die Anzahl der Mitarbeiter ist inzwischen deutlich geringer. Der BND gibt über sich selbst zwar nur ungern Auskunft, mit Statistiken zum Personal ist die Behörde hingegen großzügig: Etwa 6.500 Mitarbeiter beschäftigt der Geheimdienst, mit einer Frauenquote von 35 Prozent. 3.600 sind tarifbeschäftigt, 2.150 Beamte und weitere 750 Soldaten. Des weiteren unterhält der BND derzeit 90 Stellen für Auszubildende.

5. BND statt Olympiastadion

Der Großteil der BND’ler wird künftig von Berlin aus Informationen aus aller Welt sammeln. Wie kam es zum Areal in der Chausseestraße? Schon 1820 befand sich das Areal im Dienst der Regierung. 1820 entstand auf Höhe der Schwarzkopffstraße, nach der auch die U-Bahnstation benannt ist, die Garde-Füsilier-Kaserne, ab 1929 dann das „Polizeistadion“. 1950 baute die DDR an gleicher Stelle das Walter-Ulbricht-Stadion, zu den 10. Weltfestspielen 1973 in das „Stadion der Weltjugend“ umbenannt. Für den Neubau eines modernen Stadions für die Olympischen Sommerspiele 2000 riss Berlin Anfang der Neunziger den maroden Komplex ab. Der Zuschlag ging trotzdem an Sydney. Was blieb, war eine riesige leere Fläche, für die sich später der BND entschied.

6. Monatlich 300 Berichte und 800 Anfragen

Sich selbst versteht der BND vor allem als Dienstleister für Entscheidungsträger, der Hintergrundinformationen bewertet und gebündelt zur Verfügung stellt. 300 Berichte fertigt der BND im Monat an, weitere 600 Antworten liefert der Nachrichtendienst auf Fragen aus der Politik. Die meisten Informationen stammen aber nicht aus geheimen, überwachte Quellen, sondern aus der systematischen Auswertung sogenannter OSINT-Quellen – „Open Source Intelligence“. Ein schöner Begriff für Zeitungen, TV-Sendungen und weitere öffentliche Quellen.

7. Lukrativer Arbeitgeber

Eine Einstellung beim BND, sei es als direkter Mitarbeiter oder Informant, kann sich zumindest aus finanziellen Gesichtspunkten durchaus lohnen. Für Informanten und Ämter des BND und des Verfassungsschutzes gilt ein Sondersteuersatz von zehn Prozent – vier Prozent weniger als der Eingangssteuersatz und satte 35 Prozent weniger als der derzeitige Spitzensteuersatz.

8. 220 Millionen Metadaten – pro Tag

Schon seit seiner Gründung unter Federführung der CIA arbeitet der BND eng mit seinen US-amerikanischen Kollegen zusammen. Zumindest mit Bezug auf Metadaten, jene Daten die Telefonate, Mails, SMS oder andere Formen elektronischer Kommunikation mit Zeit, Aufenthaltsort und anderen Eigenschaften beschreiben, lässt sich diese Zusammenarbeit beziffern: 220 Millionen Datensätze pro Tag oder 6,6 Milliarden pro Monat. 1,3 Milliarden Datensätze landen bei der NSA.

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9. 300 Millionen Euro für Social Media

Unter dem Titel „Echtzeitanalyse von Streaming-Daten“ will der BND für 300 Millionen Euro seine Technik aufrüsten und 130 neue Mitarbeiter einstellen, um Angriffe auf das Internet frühzeitig erkennen zu können. Neben der Überwachung der Infrastruktur dient SIT aber auch dazu, Facebook, Twitter, Foren und Blogs in Echtzeit zu überwachen, um sich über die Lage im Ausland zu informieren.

10. Weniger Erfolge trotz mehr Überwachung

Laut G-10-Gesetz, das das Fernmeldegesetz zugunsten von Überwachungsmaßnahmen einschränkt, darf der BND lediglich 20 Prozent der Kommunikation von und nach Deutschland auswerten. Aufgrund technischer Probleme liegt die Kapazitätsgrenze am Internetknoten in Frankfurt derzeit bei etwa fünf Prozent. Dass aber eine Erhöhung der Kapazität nicht unbedingt sinnvoll ist, zeigen Zahlen aus der Vergangenheit. Aus den von Jürgen Scheele, Referent für die Bundestagsfraktion der Linkspartei zusammengetragenen Daten geht hervor, dass die Menge der erfassten Treffer, jene Daten die laut BND-Filtern sicherheitsrelevant sein könnten, seit 2001 kontinuierlich steigt. Von 38.148 Treffern im Jahr 2001 bis auf gut 37 Millionen 2010. Die absolute Anzahl der Treffer mit tatsächlich sicherheitsrelevanter Bedeutung hat sich hingegen kontinuierlich verringert.

Zuerst erschienen auf techtag.de