Apps als Plaudertaschen: Warum Sie gerade jetzt Ihr iPhone jailbreaken sollten

Der Skandal um das Social Network Path, das ungefragt Adressbücher seiner User aus dem iPhone auf Firmenserver hochlud, hat gezeigt: Mit der Datensicherheit ist es im Appstore nicht immer gut bestellt. Eine Studie fand jetzt heraus: Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sein iPhone jailbreaken. Denn die Cydia-Apps sind weitaus datenschutzfreundlicher als ihre autorisierten Appstore-Brüder. Apple reagiert.Zwei Millionen User mit durchschnittlich 50 Einträgen im Adressbuch ergeben nach Adam Riese rund 100 Millionen potenzielle Profile auf den Servern eines Unternehmens, das zuvor nie um Erlaubnis gefragt hat. Auch wenn die Betreiber des Social Networks Path die Datensätze mittlerweile gelöscht haben, treiben mir solche Vorfälle Sorgenfalten auf die Stirn.

Denn sie offenbaren zwei Symptome für miesen Datenschutz: Apple kümmert sich als Betreiber des Appstores zu wenig und muss nachbessern, derlei Modi zur Pflichtabfrage machen und bei Verstoß mit dem Rausschmiss drohen. Ferner scheint es selbst Unternehmen, die mit Privacy werben, kaum zu kümmern, ob sie datenschutztechnisch konform handeln. Diesen Trend hat eine Studie der University of California in Santa Barbara und des International Security Systems Labs bestätigt.

Die Forscher untersuchten 1407 kostenlose Apps, darunter 825 aus dem Appstore, die restlichen 526 stammten aus dem Cydia-Store – dem Appstore-Pendant für gejailbreakte iPhones und iPads. Das Ergebnis ist überwältigend: 21% der regulären Appstore-Apps gaben die sogenannte Unique Device Identifieer (UDID) an die Appbetreiber weiter. Anhand der ID lassen sich detaillierte Nutzungsprofile erstellen.

Vier Prozent der Apps teilten ungefragt den Standort der User mit, 0,5 Prozent luden die komplette Kontaktliste eines Users auf externe Firmenserver. Ganz anderes beim Cydia-Store: Nur vier Prozent der Apps teilten die UDID mit, und nur eine einzige App teilte Standort und Adressdaten des Users mit. Zur Ehrenrettung des Entwicklers gilt zu sagen: Das Programm heißt “Mobile Spy” und erfüllt damit seinen Zweck.

Die Studienleiter begründen den drastischen Unterschied in der Programmierkultur der Jailbreaker. Während es im Appstore vor allem ums Geldverdienen geht, dreht sich bei Cydia vieles um Problemlösung, Datenschutz und eine lebendige Community.

Die logische Konsequenz wäre demnach, sein iPhone oder iPad zu jailbreaken und Appstore-Apps durch Cydia-Apps zu ersetzen. Ein schwieriger Schritt, wo doch das gängige Vorurteil lautet, dass Jailbreaken ein iPhone unsicher mache. Der Entwickler hinter Cydia, Jay Freeman, erklärte gegenüber Forbes, dass man sein Gerät schlicht jailbreaken müsse, wenn man auf Datenschutz Wert legen würde.

Das Problem: Ein Jailbreak lässt die Garantie erlöschen und ist erst einige Zeit nach einem neue iOS-Update durch Apple verfügbar. Apple hat bereits reagiert und erklärt: “Apps, die ohne Zustimmung Adressdaten hochladen, bedeuten einen Verstoß gegen unsere Richtlinien. Wir arbeiten daran, diesen Modus zu verbessern. Und wie wir es bei ortsbezogenen Daten getan haben, so werden wir auch in einem künftigen Software-Update eine eindeutige Zustimmungsfunktion für derlei Abfragen integrieren.” Bleibt zu hoffen, dass das Update schnell kommt. Nur so bekommen User mehr Kontrolle über ihre Daten. Und App-Betreiber dürften ihre Sammelwut noch einmal überdenken.

(via CultofMac)

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