Apples peinlicher Penis-und-Porno-Rap-Protest

Apple ist für seinen prüden Umgang mit nackten Haut auf seine Geräten bekannt. “Freedom of Porn” nannte Steve Jobs das einmal. Doch diese Prüderie treibt im Zeitschriftenregal Newsstand und im Musikdienst iTunes Match derzeit neue Blüten – mit teils kuriosen Auswirkungen.

Wenn Apple sich dafür einsetzt, dass ich auf dem iPad nicht mit Pop-ups von überdimensionierten Brüsten oder lüsternen Camchat-Ludern, dann bin ich dankbar. Obwohl ich strikt gegen jegliche Zensur bin, ermöglicht mir diese Porno-Sperre ein entspanntes Surfen, und ich muss keine Angst haben, wenn ich das iPad einmal einem Kind in die Hand gebe.

Aus Penis wird Glied
Allerdings sollte ein Konzern wie Apple seinen Usern nicht jegliche Mündigkeit absprechen, indem er in gleich mehreren Bereichen Inhalte beschneidet. So wie gerade bei “Muy interesante” geschehen. Das spanische Wissenschaftsmagazin machte eine Geschichte rund um den Penis zum Aufmacher. Nicht im pornographischen Sinn, sondern rein wissenschaftlich betrachtet sollten Männer darüber aufgeklärt werden, wie sie gesundheitliche Probleme frühzeitig erkennen und Komplikationen vorbeugen können.

Doch als der Verlag Gruner + Jahr die Publikation für Apples Zeitschriftenregal Newsstand einreichte, wurde ihm die Zulassung verweigert. Die Begründung: Der Inhalt erhalte keine Freigabe für die gewünschte Altersgruppe. Zum Hintergrund: “Muy interesante” ist als Wissenschaftsmagazin frei ab 12 Jahren. Die Konsequenz: Im Newsstand machte das Blatt nicht mit “Wahrheit und Mythen über den Penis” auf, sondern mit “Wahrheit und Mythen über das überragende Glied”. Außerdem verschwand ein Großteil der Leistengegend des Covermodels hinter großen Buchstaben.

Apples Entscheidung verwirrt, wenn man bedenkt, dass andere Magazine mit expliziten Sex-Tipps problemlos der Zensur entgehen, wie etwa die Cosmopolitan, die aktuell mit “So gelangen Sie in seinen Kopf – und in sein Bett” und “Sex im Büro – Hände weg vom Kopierer” aufmacht.

Fluchen verboten

Ganz andere Blüten treibt derzeit der vor Kurzem gelaunchte Dienst iTunes Match. Der Cloud-Service gleicht die Musiksammlung eines Users ab und überträgt die Songs in optimaler Qualität auf sämtliche angemeldeten Geräte. Doch offenbar filtert Apple beim Übertragen unpassende Inhalte heraus.

Wie Buster Heine von CultofMac berichtet, tauschte iTunes Match beim Abgleichen seiner Musiksammlung Rap-Songs mit expliziten Inhalten durch “saubere” Radio-Versionen aus, die keinerlei Schimpfwörter mehr enthielten. Eine Benachrichtigung oder die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Versionen er auf seinen Devices haben will, bekam Heine nicht.

Hey Apple, ist das nötig? Zensur ist wahrlich das letzte Mittel, zu dem man greifen sollte. Schließlich sollen Eure Maßstäbe auch für alle Beteiligten gleichermaßen gelten. Auch wenn Frauenmagazine wie die Cosmpolitan dann nicht mehr im Newsstand auftauchen würden.

Keine News mehr verpassen. – Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder nutzen Sie unseren RSS-Feed!