Apples irrsinniger Reichtum: 90 Milliarden Dollar noch in 2011?

Die Schuldenkrise lässt Anleger verzweifeln und schickt Börsenkurse auf Achterbahnfahrt. Europa fürchtet sich vor einer Pleite Griechenlands, und die USA kämpfen gegen ihr Haushaltsdezit. Nur ein Konzern macht sich in diesem Chaos seine eigenen Regeln: Inmitten der Krise hat sich Apple zum wertvollsten Konzern der Welt entwickelt und massiv Cash angehäuft. Die Frage ist: Was macht Apple mit dem Geld?

Nur wenige Wochen, nachdem sich Apple notgedrungen von seinem CEO Steve Jobs getrennt hatte, erreichte die Aktie Mitte September zwischenzeitlich einen Wert von 413,23 Dollar. Ein Rekordhoch. Apple ist damit das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt, noch vor dem langjährigen Spitzenreiter, dem Ölmulti ExxonMobil. Der von Steve Jobs zum Erfolgsunternehmen aufgebaute kalifornische Konzern kommt damit auf einen Börsenwert von rund 382 Milliarden Dollar. Das sind umgerechnet 240 Milliarden Euro. Damit ist Apple mehr wert als die fünf größten Dax-Unternehmen Siemens, SAp, BASF, Daimler und Deutsche Telekom zusammen.

Zu verdanken hat Apple seinen Reichtum vor allem einem Mann: Steve Jobs. Was der CEO nach seiner Rückkehr zu Apple im Jahr 1997 schaffte, dürfte als die ultimative Wertschöpfung gelten. Zum damaligen Zeitpunkt vegetierte die Aktie bei lausigen sechs Dollar. Verglichen mit dem jetzigen Wert hat Jobs den Wert der Applepapiere um fast 6900 Prozent gesteigert. Hätten Sie also 1997 15.000 Dollar in Apple-Aktien angelegt, wären Sie jetzt Millionär.

Die Art und Weise, wie der charismatische Apple-Boss in Cupertino das Ruder herumgerissen hat, gilt als einzigartig in der Wirtschaftsgeschichte. Zumal Apple Ende der Neunziger Jahre einen Milliardenverlust angehäuft hatte. Zu viele Produkte für zu wenige Abnehmer ließen die Lager überquellen, während schwindende Barreserven das weitere Wachstum behinderten.

90 Milliarden Dollar Cash bis Ende 2011?

nachdem sich Jobs im August endgültig vom Chefposten in Cupertino getrennt hatte, befürchteten viele das Ende der iÄra – der Erfolgsstory, die mit dem iMac begann und auch das iPad zum Welterfolg werden ließ. Doch sie sollten falsch liegen: Die Apple-Papiere notierten wenige Wochen später auf einem neuen Höchststand. Bleibt Apple auf Erfolgskurs, könnte das Unternehmen bald schon mehr als 90 Milliarden Dollar an Barreserven angehäuft haben.

In einem Land angesiedelt, das mit einem defizitären Haushalt zu kämpfen hat, scheint eine solche Summe mit Blick auf die Entwicklung der Verkaufszahlen dennoch nicht illusorisch. Ein wenig Hintergrund zum Verständnis: von April bis Juni verkaufte Apple nach eigenen Angaben 20,3 Millionen iPhones. Vom iPad 2 verkaufte Apple schon 9,3 Millionen Exemplare. Und auch die Verkäufe des iMac und der MacBooks stiegen um 14 Prozent auf fast vier Millionen Exemplare. Apple sei mit den Ergebnissen „äußerst zufrieden“, erklärte Finanzchef Peter Oppenheimer.

Im Juni verfügte der Konzern aus Cupertino über 76,4 Milliarden Dollar Cash. Im dritten Quartal steigerte Apple den Gewinn um 125 prozent und verdiente rund 7,3 Milliarden Dollar. Das ergibt einen Gewinn von rund 84 Milliarden Dollar.
Nochmals gestiegene Verkaufszahlen beim iPad deuten darauf hin, dass Apple auch ein formidables viertes Quartal hinlegt. Verkauft sich das im Oktober erschienene iPhone 4S genauso gut wie seine Vorgänger, dürften die Geldspeicher in Cupertino bald platzen.

Bei so viel Cash stellt sich die Frage: Was macht Apple mit dem ganzen Geld? Fährt ein börsennotiertes Unternehmen einen Gewinn ein, wird ein Anteil üblicherweise in einer Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Oder aber das Unternehmen wendet das Geld auf, um selbst Aktienanteile zurückzukaufen. Beide Varianten lassen eine Aktie dann attraktiver erscheinen. Doch Apples Kursentwicklung ist Attraktivität genug.

Warten auf die passende Gelegenheit

Außerdem schweigt sich der Konzern über die verwendung seines Barvermögens aus. Während Google kürzlich erst 12,5 Milliarden Dollar für Motorolas Mobilsparte zahlte, hält man sich in Cupertino bedeckt. Das letzte Mal äußerte sich Jobs zu dem Thema Anfang 2010, blieb dabei aber auch im Unklaren. Man wolle sein Pulver trocken halten und auf die passende Gelegenheit warten. „Um den Unterschied zu machen, muss man auch mal große Schritte machen. Und wer weiß, was an der nächsten Ecke auf uns wartet“, sagte der Firmengründer.

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Abgesehen von Zukäufen dürfte ein Teil der Barreserven wohl in den Bau des neuen „Apple Campus 2“ fließen, Apples geplante Firmenzentrale. Dass der ufoähnliche Campus Maßstäbe in Sachen Architektur und Design setzen wird, war spätestens nach den veröffentlichten Modellzeichnungen klar. John Martellaro vom Mac Observer schaute sich die Skizzen genauer an und kam zu einer Erkenntnis, die das US-Verteidigungsministerium ein wenig missmutig stimmen dürfte.Apple Campus Infografik

Nach Martellaros Berechnungen ist der iRing offenbar größer als das Pentagon, der Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums in Washington D.C. Während der fünfeckige Bau einen Durchmesser von 477 Meter und einen Radius von rund 238 Metern hat, könnte sich der Apple-Bau das Verteidigungsministerium locker einverleiben.

Der Apple Campus 2 misst laut Mac Observer 492 Meter im Durchmesser und rund 246 Meter im Radius. Demnach wird der riesige Ringbau nach seiner Fertigstellung das größte Bürogebäude der Welt sein. Und das ist nicht umsonst zu haben: rund 300 Millionen Dollar soll Apple allein für das Bauland bezahlt haben. Weitere 500 Millionen Dollar wird der Bau schätzungsweise selbst kosten. Dafür erwartet die Apple-Belegschaft Gigantismus pur: 708 Quadratkilometer Fläche, 2,6 Millionen Quadratmeter innerhalb des Gebäudes auf vier Ebenen, ein Auditorium für 1000 Menschen und ein eigenes Kraftwerk für eine autonome Stromversorgung. Doch selbst die hohen Baukosten tasten den Barbestand kaum an.

Apple könnte massiv ins TV-Segment investieren

Der finnische App-Entwickler Asymco rechnete vor, dass Apple mit seinem Geld doch für Ruhe im mittlerweile unüberschaubar gewordenen Kampf der Smartphone-Hersteller um Lizenzen und Patente sorgen könnte. Zum Verständnis: Die Firmenwerte der IT-Unternehmen, die 75 Prozent der weltweit verkauften Mobiltelefone ausmachen, sieht folgendermaßen aus: Nokia hält 22,6 Milliarden US-Dollar, Research in Motion ist mit 13,8 Milliarden am Markt beteiligt, HTC hält 25 Milliarden und Motorola ist mit 4,2 Milliarden US-Dollar vertreten. Kurzum: Apple könnten mit vier fetten Schecks mit Ausnahme von Samsung die gesamte Konkurrenz aufkaufen.

Ein andere Möglichkeit, die von vielen Analysten schon seit Jahren favorisiert wird, wäre der Einstieg von Apple ins TV -Geschäft. Mit Apple TV verfügt der Konzern bereits über eine Smart-Top-Box, mit der sich Filme und Serien streamen lassen. Doch die Gerüchte um einen Apple-Fernseher mehren sich. Trip Chowdhry, Analyst bei Global Equities Research, geht davon aus, dass Apple bis März 2012 ein eigenes Fernsehgerät auf den Markt bringt – in drei unterschiedlichen
Größen. Ultraflach soll es sein, und über 16 Lautsprecher verfügen und wie der iMac mit nur einem Kabel auskommen.

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Der Apple-LCD-Fernseher soll sich angeblich stark am Design der Bose-Produkte orientieren. Das Audiosignal soll angeblich ein DSPChip verarbeiten, den PA Semi entwickelt hat – ein Chip-Hersteller, den Apple zur Entwicklung der Apple-A4- und -A5-Prozessoren übernommen hatte. Seine eigenen Vorhersagen hält Chowdhry für zu „75 Prozent“ wahrscheinlich.

Auch andere Analysten halten seit Jahren hartnäckig daran fest, dass Apple verstärkt in den TV -Markt einsteigen will. Was dafür spricht, ist die Tatsache, dass Apple diese Sparte bislang eher stiefmütterlich behandelte. Mit dem Apple TV 2 verpasste man Steve Jobs’ „Hobby“ ein notwendiges General-Update. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Was noch für ein Engagement im TV-Geschäft spricht, sind Berechnungen, nach denen Apples Börsenwert bei einem Eintritt in den HDTV -Markt um 100 Milliarden Dollar steigen könnte.

Lizenzen kosten viel Geld

Schon Ende Juni zitierte DailyTech einen ehemaligen Apple-Manager: „Apple will die Online-Filmverleiher pulverisieren.“ „Sie werden in einen Apple-Store gehen und ihn mit einem Fernseher verlassen.” Auch Stewart Alsop, Boss beim Hi-Fi-System-Bauer Sonos, will von mehreren Quellen erfahren haben, dass man in Cupertino an solch einem Projekt arbeitet. Apple will sich zu den Gerüchten nicht äußern. Fest steht nur: Der Einstieg in den hart umkämpften TV-Markt wäre keinesfalls billig. Konkurrenten wie Sony und Panasonic verfügen in diesem Bereich über mehr Know-how.

So würde man beim Bau des Gerätes vermutlich auf Komponenten der Konkurrenten zurückgreifen. Von Vorteil wäre, dass es bislang nur wenige Player am Markt gibt. Darunter in Deutschland die Telekom mit T-Home und Alice mit Alice TV, die neben Video-on-Demand auch Live-Fernsehen übertragen. Kurzum: Was Apple durch iTunes mit dem Musikmarkt geschafft hat, könnte sehr bald auch im TV -Markt passieren. Und gerade diese Lizenzen für die Übertragungen von aktuellen Serien und neuen Filmen kosten Geld, sehr viel Geld.

Wie gefragt TV-Lizenzen in der Streamingbranche sind, zeigt nicht zuletzt auch das große Interesse von Google, Yahoo und Microsoft an Hulu. Die Videoplattform hat laut Reichweitenerfassung von Comscore monatlich 28 Millionen Nutzer und wird auf einen Wert von zwei Milliarden Dollar geschätzt. Ein eigenes Fernsehgerät und zeitgleich der Aufbau einer TV-Sparte klingt größenwahnsinnig, wäre jedoch eigentlich nur der nächste logische Schritt. Über eine TV-Software verfügt Apple mit iOS für sein Apple TV schon. Mit seinem immensen Vermögen könnte der Konzern dann neben dem Launch eines eigenen Fernsehgerätes mit hohem Druck schnell auf vielen globalen Märkten präsent sein.

Apple auf großer Einkaufstour? In drei Jahrzehnten ist das nicht ein Mal vorgekommen. Aber Jobs antwortete 2010 auf die Frage, wofür Apple sein Geld ausgeben will: „Wenn wir in Zukunft einmal jemand übernehmen müssen, um etwas ganz Großes zu verwirklich, stellen wir einfach einen Scheck aus.“ Und fest steht schon jetzt: Es wird ein Scheck mit sehr, sehr vielen Nullen sein.

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