Apples Design: "Hard- und Software sind keine Gegensätze"

Apple Cube

Einzigartiges Design: Apples "Cube"

Dr. Harald Klinke studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, lehrte Bildwissenschaft an der Universität Göttingen und ist zurzeit Visiting Scholar an der Columbia University, New York. Er ist spezialisiert auf Mediengeschichte, visuelle Kommunikation und Technologiedesign. Und hat sich intensiv mit dem Apple-Design auseinandergesetzt. Ein Interview.
Was hat Sie als Kunstwissenschaftler bewogen, sich mit dem Apple-Design zu befassen? Was interessiert Sie daran?
Ich habe mich immer sowohl für Kunst als auch für Technologie interessiert. Beide Bereiche haben einen gemeinsamen Antriebsmotor: Innovation. Dies ist in der Avantgarde der Moderne ebenso zu verfolgen wie in den Produktzyklen etwa der Unterhaltungselektronik. Beide Bereiche können in diesem Punkt viel voneinander lernen. Das Besondere an Apple ist, dass sich Ingenieure und Produktdesigner in der Vergangenheit als Künstler verstanden,
die beide eine gemeinsame Idee eines Produktes, sprich eines Werkes, verwirklichen wollen.

Harald KlinkeWas fasziniert Sie gerade am Apple-Design?
Das Besondere an Produkten der Firma Apple ist einerseits die technische Lösung, die andererseits in einem integrierten Produkt auf den Markt gebracht wird. Bestes Beispiel dafür ist das iPhone, das das Problem des User Interface auf mobilen Geräten durch den Touchscreen und eine darauf abgestimmte intuitive Oberfläche gelöst hat. Hard- und Software sind hier keine Gegensätze, sondern bedingen einander.

Worin liegt Ihrer Ansicht nach der Erfolg: In der Schlichtheit der Software – also der Anwender-Erfahrung – oder des Designs?
Der Erfolg liegt in der Integration von beidem. Der Design-Begriff bezieht sich bei Apple eben nicht nur auf die äußere Form. Das Prinzip der Schlichtheit zeigt sich ebenso in der Gestaltung der Benutzeroberfläche und im Übrigen auch in der Vermarktung. Design als aufgesetztes Styling verspricht alleine keinen Erfolg. Es spricht vieles dafür, dass der Erfolg damit verbunden ist, dass alle Aspekte eines Produktes einer eindeutigen und übergreifenden Gestaltungsidee folgen.

Hat Apple-Design wirklich etwas mit Kunst zu tun?
Produktdesign steht der Kunst immer sehr nahe. Dass Kunst und Technik keine getrennten Welten sein müssen, sondern sich im Design verbinden, zeigte sich bereits im Bauhaus der 1920er Jahre. Dort wurde deutlich, dass Design nicht nur freie Kunst ist, sondern im unternehmerischen Zusammenhang steht; dass die Produktentwicklung aber ebenso nicht alleine technische Lösungen anbietet, sondern einen gesamtheitlichen Gestaltungswillen haben soll.

Inwieweit spielen Ihrer Ansicht nach Geschmack oder die Designvorstellungen von Steve Jobs bei der endgültigen Formgebung eines Gerätes eine Rolle?
Bei der Gründung des Unternehmens im Jahr 1976 sah Steve Jobs, dass die Erfindung des Mikrochips Computer für jedermann möglich machte. Sein Genius liegt jedoch weniger im Kreativen, als vielmehr in der konsequenten
Umsetzung betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse sowie darin, Talente an das Unternehmen zu binden – in der Forschung und Entwicklung, im Marketing und im Design.

Warum sind einige designorientierte Geräte von Apple, wie der Cube oder der Newton, gescheitert?
Meiner Meinung nach sind sie gescheitert, weil ihnen diese Integration fehlte: Der Cube war designgetrieben, ohne eine Lösung auf wirkliche Markterfordernisse zu sein. Der Newton war technikgetrieben, ohne eine übergreifende Gestaltungsidee zu besitzen. Diese Disziplin in der Produktgestaltung war in den Produkten von Dieter Rams bei Braun seit den 1960er Jahren zu sehen. Bei Apple ist dies erst nach der Rückkehr von Steve Jobs im Jahr
1997 zu beobachten. Vielen Konkurrenzunternehmen wie HP oder Dell fehlt dies.

Vom 26. August 2011 bis zum 15. Januar 2012 zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (www.mkg-hamburg.de) die Ausstellung Stylectrical – Von Elektrodesign, das Geschichte schreibt. Im Fokus steht das Design von Jonathan Ive, der seit 1997 als Senior Vice President for Industrial Design verantwortlich für die Gestaltung aller Geräte bei Apple ist. Mehr als die Hälfte der über 300 ausgestellten Exponate sind Produkte der Firma Apple, die erstmals weltweit in einer umfangreichen Gesamtschau gezeigt werden.

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