Apple und Foxconn: Mike Daiseys erfundender Skandal

Es war ein gefundenes Fressen, als Mike Daisey vor einigen Wochen mit einer menschelnden Reportage über das Skandalwerk von Foxconn im chinesischen Industriestädtchen Shenzen berichtete. Der Apple-Zulieferer stand wieder einmal in der Kritik. Wie jetzt herauskam, waren große Teile der Reportage schlicht erfunden.

Ein von der iPad-Produktion entstellter Arbeit, eine 13-Jährige, die im Werk des Apple-Zulieferers Foxconn arbeitete. Die Reportage, die Mike Daisey seinen Zuhörer aus Fernost mitbrachte, schien perfekt in das Bild zu passen, das die Gesellschaft sich derzeit von Apple machte.

Es war das Bild von einem Unternehmen, dass Lifestyle auf Kosten anderer produzierte. Während man im Westen der iLust frönte, pfiff man in Chinas Sweatshops auf ein faires Leben. Viele internationale Medien sprangen auf, darunter die renommierte New York Times.

Doch nun stellte sich heraus, dass große Teile von Daisey extrem beliebter Hörfunk-Reportage schlicht erfunden sind. Heraus kam der Schwindel, als der Radio-Reporter Rob Schmitz Daiseys Übersetzerin ausfindig machte. Sie dementierte viele Details seiner Berichterstattung.

So hätte Daisey niemals einen Arbeiter getroffen, dessen Hand von der Produktion des iPads entstellt worden sei. Auch ein 13-jähriges Mädchen, das angeblich bei Foxconn arbeiten würde, hat es nicht gegeben. Zumindest nicht laut Aussage der Übersetzerin.

Die Redaktion hinter “This American Life”, einer Sendung des öffentlichen Rundfunks der Stadt Chicago, in der Daiseys Podcast ausgestrahlt wurde, distanzierte sich mittlerweile. Die Moderatorin Ira Glass entschuldigte sich in der Sendung und erklärte, Daisey haben beim Faktencheck gelogen. Trotzdem gestand man selbst Fehler ein, da der Bericht so nie hätte on air gehen dürfen. Man zog die die vermeintliche Dokumentation mittlerweile zurück. Bis dato war der Podcast fast 900.000 Mal heruntergeladen worden.

Daisey selbst zeigte sich in seinem Blog selbstbewusst. Seine Arbeit sei eher theatralisch, und er sei stolz darauf, dass seine Arbeit so viel Aufmerksamkeit erregt habe.

Das Schlimmste an dem Medienskandal: Er lenkt von den wahren Problemen ab. Denn nichts desto trotz bleiben die Arbeitsbedingungen in Chinas Werken prekär. Apple erklärte bereits mehrfach, sich durch Verhängung von deftigen Strafen bei Verstoß gegen international anerkannte Richtlinien und unabhängige Kontrollgremien für die vielen hunderttausend Arbeiter einzusetzen.

Wann aber die Arbeiter bei den vielen chinesischen Apple-Zulieferern vom Boom um iPhone, iPad und iPod touch profitieren, liegt nicht in der Hand des kalifornischen IT-Riesen. Hier sind die chinesische Regierung und Chinas Exporteure gefragt. Dennoch hat der Fall Daisey gezeigt, wie sehr auch wir gewillt sind, einem Unternehmen einen Ruf anzudichten. Solange er denn nun ins öffentliche Bild passt…

(via Giga)