Apple: Luxusmarke oder Massenhersteller?

iPad GlitzerApple gilt unter Kritikern und Fans gleichermaßen als Edelmarke. Während die einen bereit sind, die „Apple-Steuer“ zu zahlen, ist es für die anderen ein Grund, Apple-Produkte zu boykottieren. Aber stimmt das Bild vom Luxushersteller noch? Vieles spricht dafür, dass Apple nie geplant hat, Technologie für Wohlhabende zu machen.

„Think different“ ist schuld. Als Steve Jobs 1996 zu Apple zurückkehrte und mit einer groß angelegten Kampagne Gandhi und Hitchcock zu Testimonials eines IT-Unternehmens machte, war der Ruf des Unternehmens begründet. Apple war fortan die Firma, der es nicht primär um Technik ging, sondern die besonderen Wert auf die Ästhetik und Einzigartigkeit ihrer Produkte legte.

Das Motto: Alles aus einem Guss – Hard- und Software bilden eine Einheit. Damit zog das Unternehmen eine kreative Elite an, die über zwei Dekaden Apples Ruf als Hersteller elitärer und luxuriöser Produkte begründete. Spätestens als John Ive den Designer zum Künstler erklärte, hatten Grafiker und Fotografen im Mac das Arbeitsgerät ihrer Wahl gefunden. Apple war fortan das Werkzeug der innovativen Elite.

300 Millionen verkaufte iPods

Doch mit dem iPod änderte sich alles. Das erste Modell war mit einem Preis von 500 US-Dollar ein cooles Luxus-Gadget, verkaufte sich aber mittelmäßig. Erst der iPod mini für 250 US-Dollar bescherte Apple reißende Absätze und setzte eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte in Gang.

Der iPod shuffle und der iPod nano sorgten dafür, dass Apple einer und der Techniksparte seinen Namen aufdrückte. Es war Apples erster Schritt in den Massenmarkt. Bislang dürften rund 300 Millionen iPods im Umlauf sein. Offenbar ist Apple künftig noch stärker daran interessiert, zum weltgrößten Technikhändler zu werden.

Analyst Toni Sacconaghi berichtete von einem aufschlussreichen Treffen mit Apples Ex-COO Tim Cook. Der machte deutlich, dass Apple nicht „Technik für die Reichen“ machen will. Die Gerüchte, dass Apple an einem günstigeren iPhone arbeitet, sind schon länger im Raum.

Außerdem plane man, mit dem iPhone verstärkt in den Prepaid-Markt einzudringen und die Zusammenarbeit mit den Providern weltweit zu intensivieren. Von der Strategie, einen Markt nur mit Exklusivpartnern zu erschließen, ist Apple auch schon in Deutschland abgerückt – zum Leidwesen von T-Mobile.

Der Macintosh als Jedermann-Computer

Nicht zuletzt muss man sich die Frage stellen, ob Apple nicht schon längst zum Mainstream- und Massenprodukthersteller geworden ist. Auch über ein Jahr nach der Markteinführung des iPad stehen die Konkurrenten vor einem großen Problem: dem Preis des Apple-Tablets.

Mit 499 US-Dollar für das Tablet in der einfachsten Ausführung hat Apple tatsächlich ein „magisches Device“ mit einem „revolutionären Preis“ auf den Markt gebracht. Selbst in der zweiten Generation dominiert das Tablet den Markt mit seinem geringen Preis.

All das verwundert vielleicht weniger, wenn man sich an die Anfänge von Apple erinnert. Der Konzern war zu einer Zeit angetreten, als Computer teuer waren, um 1984 dann mit dem Macintosh einen für 1000 US-Dollar einen für damalige verhältnisse günstigen Konkurrenten entgegenzusetzen.

Schlussendlich konnte Apple das Preisversprechen nicht halten, blieb mit 2495 US-Dollarwegen der geringen Anzahl kompatibler Programme lange Jahre ein Nischenprodukt und gewann Anteile im Bereich der Grafik, der Musikproduktion und der Videobearbeitung.

Ein Betriebssystem 23,99 Euro

Nicht nur auf technischer Seite versucht Apple fast 30 Jahre später, massenkompatibler zu werden. Mit seinem Mac App Store ordnet der Konzern seine vertriebsstruktur für Software völlig neu. So kostet das neue Betriebssystem Mac Os X Lion nur 23,99 Euro. Zum vergleich: Windows 7 kostet in der Premium Edition 97 Euro. Fast viermal so viel.

Nicht zuletzt war auch das neue Final Cut Pro X ein Schritt in den „Prosumer“-Markt. Das Programm lehnt sich in seinen Funktionen stark an imovie an. Während Filmemacher kritisieren, dass die umfangreiche Software-Suite zur App verkommt, ist es für andere die Möglichkeit, jungen Kreativen den Weg in die Filmwelt zu ebnen.

Apple steht nun vor dem Problem, sich zwischen kreativer Elite und Massenmarkt zu entscheiden, und scheint seine Entscheidung getroff en zu haben: weg von der luxusmarke auf dem Weg zum größten Verkäufer von Soft- und Hardware weltweit – mit Computern und Software, die jeder kaufen und jeder bedienen kann.

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