Apple-Kult vs. Android-Jünger: der ewige Kampf um den besseren Lifestyle

Apple übt als Marke zweifelsohne einen Kult aus, der viele Anhänger findet. Doch immer mehr Android-User entpuppen sich meiner Meinung nach als distanzlose Verfechter einer imaginären Gegenseite. Viele von ihnen verurteilen ungefragt den Apple-Lifestyle und machen sich zu einem unreflektierten Sprachohr eines Betriebssystems. Sie sind ebenso Jünger eines Kults, ohne es zu wissen.

Wer sich in seinem digitalen Leben einmal auf Apple-Produkten eingeschossen hat, der kennt diese Instant-Kritiken nur allzu gut: “Apple, will ich nicht, is’ viel zu teuer”, heißt es da. “Das sieht ja aus wie der Vorgänger” oder “Die Apps sind mir viel zu teuer” sind ebenso beliebte Klischées. Dass allein das iPad lange Zeit konkurrenzlos günstig den Tabletmarkt wiederbelebte, dass sich bei keinem anderen Smartphone jemand Gedanken über den Vorgänger macht und viele Apps auf Android-Smartphones gleich teuer sind, sei einmal dahingestellt.

Was wirklich verblüfft bei vielen Android-Usern, ist die Borniertheit, mit der sie sich scheinbar für eine Seite entschieden haben. Denn offenbar scheint es genau darum zu gehen: Apple oder nicht Apple. Dass das iPhone leider längst Mainstream ist und nicht mehr vom Hauch der Exklusivität umweht wird, muss man als Apple-User in Kauf nehmen. Aber ist jedes Smartphones recht, solange es nicht von Apple kommt? Benchmarks sahen selbst beim Launch des vermeintlichen iPhone-Killers Galaxy S2 das iPhone vor dem Samsung-Smartphone.

Smartphone als Audruck des Lifestyles
Mit dem Galaxy Nexus haben Google und Samsung in Kooperation dann endlich ein Smartphone vorgelegt, das das iPhone in vielen Punkten schlägt. Lang hat’s gedauert. Bis dato wurde viele vermeintliche iPhone-Killer gekrönt, bevor sie wieder hinter der Ladentheke verschwanden.

Doch die Diskussion Apple vs. Android ist keine technische, vielmehr eine Lebenseinstellung. Und bei der versteht man keinen Spaß. Wer Hippie war, trug das Peace-Zeichen mit Überzeugung. Wer Punk ist, der lebt nun einmal wie einer. Die Generation Smartphone trägt keine Peace-Zeichen und keine Sicherheitsnadeln im Ohr. Sie trägt Gadgets in ihren Hosentaschen – als Ausdruck ihres Lifestyles.

Auch iPhone-User. Doch geht es um Apple und iPhone, hat der Kritiker schnell Bilder von Schlangen vor einem Apple-Store im Hinterkopf. Samsung spielt momentan mit einer Werbekampagne genau mit derlei Klischées. Die Message ist einfach: Wer einem Kult hinterrennt, der ist kein mündiger User. Der erkennt keine Qualität. Kurzum: iPhone-Fans sind spätestens seit den jüngsten Android-Modelle gehörig tumb, wenn sie weiterhin dem Apfel frönen.

Ein Kult ohne Guru
Diese Argumentation scheinen viele Android-User ungefragt zu übernehmen. In der Verteidigung ihres digitalen Lifestyles erinnern sie teils an militante Veganer. Wie sehr die zu Diskussionen bereit sind, zeigte sich jüngst auf der mittlerweile shitstormerprobten Fanpage der Ing-Diba.

Denn allzu oft findet man als Journalist, der über Apple-Themen schreibt, unter Beiträgen Kommentare, die sich weniger gegen den Autor als per se gegen die Apple-Welt an sich richten. Während sich iPhone-User gefühlt zurückhalten in den Diskussionen über das perfekte Smartphone, teilen Android-Fans allzu gerne aus. Es scheint, als würde sich allmählich ein Androidkult entwickeln.

Nicht im verschwörungstheoretischen Sinne, sondern mit Blick auf den brennenden Eifer, mit dem User gegen andere User wettern und iPhone, iPad und Co. am liebsten zur Hölle schicken wollen. Von “Apple-Dreck”, “iPhone-Schrott” und anderen wüsten Beschimpfungen für Hardware ist die Rede.

Zwei Seiten einer Medaille

Das einzige, was diesem Kult fehlt, ist sein Guru. Apple hatte Steve Jobs. Die Android-Bewegung hat “nur” ihre Gadgets. Ein User schrieb neulich unter einem Text zur Samsung-Werbekampagne, nachdem etliche Android-Fans vom Leder zogen: “Wer sagt, er würde sich niemals Appleschrott kaufen, ist in seinen Vorurteilen genauso festgefahren, wie jemand der sagt, er würde nie was anderes kaufen…Eine Medaille, zwei Seiten.”

Eine Lösung: Gibt es nicht. Fraglos wird die Android-Community zahlenmäßig weitaus schneller wachsen als die der iPhone- und iPad-Fans. Während diese von der ersten Vorstellung des iPhone 2007 bis zum heutigen Zeitpunkt die Reise von der digitalen Bohème bis hin zum viel kritisierten Mainstream machten, muss sich die andere Seite erst noch in Demut üben.

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