Apple kooperiert mit Autobauern: Wie Siri jedes Auto zum iCar machen könnte

Es ging auf der vieldiskutierten Keynote von Tim Cook auf der WWDC 2012 beinahe unter: Apple startet mit Siri noch in diesem Jahr ein “Eyes-Free”-Feature für die Verwendung im Auto. Was langweilig klingt, könnte das Autofahren nachhaltig umkrempeln und endlich ins 21. Jahrhundert befördern. Denn was viele nicht wissen: Apple beeinflusst die Automobilbranche schon seit Jahren.

Seien wir einmal ehrlich: Siri ist ein smartes Stück Technologie. Aber wer braucht schon einen Sprachassistenten, wenn er beide Hände freihat? Ganz anders sieht es aus im Straßenverkehr. Die letzte große Neuerungen in Sachen mobiler Technik für den Massenmarkt war die Freisprecheinrichtung. Bis dato verfolgen viele Hersteller darüber hinaus eigene Konzepte zur smarten Steuerung. Letzten Endes bleiben es aber Insellösungen.

Das könnte sich bald ändern. In seiner Keynote auf der WWDC 2012 im Moscone Center von San Francisco erklärte CEO Tim Cook, dass man im Laufe des Jahres einen “Eyes-Free”-Modus für die Autobranche vorantreiben wolle. Dazu kooperiere man mit BMW, Audi, Chrysler, Honda, General Motors, Jaguar, Land Rover und Toyota.

Weniger Ablenkung, mehr Sicherheit

Worum handelt es sich genau? Die Automobilhersteller verpflichten sich dazu, in die Cockpits ihrer Autos einen sogenannten “Eyes-Free”-Button zu implementieren. Über den kann der Fahrer dann Siri aktivieren, das auf einem iPhone im Dock läuft. Der smarte Sprachassistent soll dann Routen heraussuchen, SMS und E-Mails vorlesen, Musik abspielen und etwa Restaurants in der Nähe vorschlagen können. Also all das, was die Software (zumindest in den USA) jetzt schon kann.

BMW setzt mit seinem “Connected Drive” schon seit längerer Zeit auf die Verbindung von smarten Technologien und moderner Fahrzeugtechnik. Mit der aktuellen Version seines “Connected Drive” binden die Münchner das Smartphone ins Auto ein. Auf das Telefon wird eine App heruntergeladen, die beim Anschließen im Fahrzeug dafür sorgt, dass verschiedene Dienste ausgewählt werden können.

Tweets zeigt das System auf dem Bildschirm an. E-Mails liest die Software selbstständig vor. Die eigentliche Rechenarbeit übernimmt dabei der Smartphone-Prozessor. Das Display im Auto zeigt die Inhalte nur an.

Smartphones werden also künftig zur Schaltzentrale. Das Engagement in diesem Bereich macht durchaus Sinn. Schließlich vermeiden die Automobilhersteller auf diesem Weg, dass der Fahrer alle paar Minuten sein Smartphone zückt und vom Straßenverkehr abgelenkt wird. Andere Szenarien gingen etwa in schönen Konzeptstudie auf der internationalen Automesse IAA im vergangenen Jahr davon aus, Daten aus dem Web für einen optimierten Verkehrsfluss zu nutzen. Aber warum bei Null anfangen? Smartphones können das schon jetzt.

iPhone wird zur Schaltzentrale

Solche smarten Systeme fanden sich lange Zeit nur in der Luxusklasse. Doch smarte Entertainment-Systeme für die breite Masse an Autofahrern sind ein Milliardenmarkt. Das hat auch Microsoft erkannt. Der US-Autobauer Fort brachte mit dem Focus im Frühjahr seine Plattform SYNC nach Deutschland, für die der Redmonder Softwareriese verantwortlich zeichnet. Und Mercedes baut die neue Version seines Systems Comand mit Google-Suche und Facebook-Einbindung in die C-Klasse ein.

Auch Audi mischt mit:  In einigen Modellen des A8 soll der Fahrer Zieldaten auf einem Touchpad malen können. Das sei sicherer, weil man dafür nicht die Augen von der Straße nehmen müsse. In der nächsten Version soll das Touchpad direkt in den Auswahl-Drehknopf integriert sein. Audi Connect zeigt außerdem Panoramabilder von Google Streetview.

Fest steht: Bislang wurde die Implementierung von Smartphones im Autosegment abseits von Designstudie kläglich vernachlässigt. Mit einem “Eyes-Free”-Mode, der auf Siri und darüber wiederum auf etliche Datenbanken zugreift, haben Autobauer gleich mehrere Vorteile auf ihrer Seite: Kunden könnte ihre eigene Technik smart mit ihrem Auto verbinden, das Unternehmen selbst würde viel Entwicklungszeit und die Produktionskosten für eine vergleichbare Hardware einsparen. Und der Sicherheit auf den Straßen kommt es natürlich auch zugute, wenn die Augen wieder auf den Verkehr gerichtet sind – und nicht die SMS in der Hand.

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Apropos iCar: Wie ein Auto aus Cupertino aussehen könnte, hat sich einmal der italienische Designer Franco Gassi ausgemalt. Praktisch sieht die Konzeptstudie nicht aus: Keilförmig eingeklemmt würde der Fahrer über einem Cockpit sitzen, Türen gibt es nicht, dafür ein Glasdach, das in eine Scheibe mündet. Nein, fahren würde man in dem iCar wirklich ungern.

Und dennoch versprüht das Design den typischen reduzierten Apple-Charme. Und erinnert von seiner Form stark an den Look der Mighty Mouse. So oder so: Mehr als ein hübsches Design wird aus dem iCar nicht werden. Das muss es vielleicht auch nicht. Denn Apple beeinflusst die Automobilbranche augenscheinlich schon recht stark.